Sylvia Schäfer und ihre "Moonlights" suchen in Gotha ein neues Projekt

Die großen Jazztänzerinnen
 
Sylvia Schäfer und ihre Mädels

Sieben Jahre lang arbeitet sie schon nicht mehr als Lehrerin. Trotzdem zieht es sie jede Woche einmal an ihre einstige Wirkungsstätte, manchmal noch häufiger. Mit nicht-loslassen-können hat das allerdings nichts zu tun. Seit Sylvia Schäfer 1992 am Gustav-Freytag-Gymnasium in Siebleben ihre Jazzdancegruppe „Moonlight“ gründete, leitet sie die Gruppe mit einer unbändigen Leidenschaft

Leidenschaft für die Bewegung und den Tanz sowieso, vor allem aber für die jungen Mädchen. Inzwischen hat sie mehreren Generationen talentierter und bewegungsfreudiger junger Damen das Tanzen beigebracht. Heute sind es 17 'Moonlights', die bei Sylvia Schäfer in der Halle des Gymnasiums trainieren, die meisten in der jüngeren Gruppe, die sechs Großen sind 13, 14 Jahre alt. „Ein gefährliches Alter“, sagt die erfahrene Pädagogin wissend, lächelnd. Manchmal staunt sie, wie schnell die Zeit so vieles verändert. Vierzehnjährige sind heute ganz anders als ihre Altersgenossinnen vor 20 Jahren. Die Trainerin weiß damit umzugehen.

Mädchen trainieren wie verrückt



Ihre Gedanken wandern zurück zu den Anfängen. Rhythmische Sportgymnastik und Tanz war das Kursangebot überschrieben, aus dem schnell der modernere Name wurde. „Die Mädchen waren begeistert vom Jazzdance und haben trainiert wie verrückt“, erinnert sich Sylvia Schäfer an den Start. Schnell kamen die ersten Auftritte, die Mädchen waren überall gefragt, weil sie so toll tanzen konnten und wegen ihrer schicken Hingucker-Kostüme. „Wir waren weit und breit die Ersten, die so etwas gemacht haben.“ Die Auftritte spülen Geld in die Kasse. Sylvia Schäfer wird schnell klar, was damit werden soll: Ein großer Teil davon wird gespendet. Der Adressat ist schnell gefunden: Krebskranke Kinder, die in der Friedrich-Schiller-Universität Jena behandelt werden. 21 Jahre lang halten es die Moonlight-Mädchen so, sammeln Geld durch ihre Auftritte, veranstalten andere Aktionen, sogar große Benefizkonzerte, und fahren einmal im Jahr nach Jena, um dort zu tanzen und die Spende zu überbringen. „Darauf sind wir richtig stolz“, sagt Sylvia Schäfer. Und doch ist es nun Zeit, von dieser liebgewordenen Tradition Abschied zu nehmen. Jena ist einfach zu weit entfernt, zu aufwendig ist es, Jahr für Jahr den Transport von Tänzerinnen und teils unhandlichen Requisiten zu organisieren. Ein neues Projekt muss her. Denn die Moonlights wollen nicht aufhören, Gutes zu tun. Nun sind sie auf der Suche nach einem neuen Partner, in Gotha. „Genug Not gibt es ja“, kennt Sylvia Schäfer den großen Bedarf für Unterstützung. „Auch, wenn ich eines Tages die Mädchen nicht mehr trainiere“, möchte sie das Projekt für lange Zeit fortgesetzt wissen, nun in der Heimatstadt.


Ans Aufhören denkt die 66-Jährige nicht, noch nicht. Aber irgendwann spiele eben die Gesundheit nicht mehr mit. Und ein wenig mehr Ruhe tut jedem gut. Jedem, aber wohl nicht Sylvia Schäfer. Sie ist glücklich, wenn sie sich einbringen kann. „Mein Thema ist schon das Soziale, das mache ich sehr, sehr gern“, gibt sie zu und liebt es, im Sozialausschuss mitarbeiten zu dürfen. Sie ist in der vierten Legislaturperiode Mitglied des Gothaer Stadtrates, für die Sitzungen ist immer der Mittwoch reseviert. Dienstags ist Tanztraining, manchmal auch am Freitag. Montags oder donnerstags zieht es Sylvia Schäfer ins Klinikum, sie betreut dort ehrenamtlich als 'grüne Dame' für die katholische Gemeinde Patienten. „Ich tue einfach gern anderen etwas Gutes“, wehrt Sylvia Schäfer bescheiden ab. Vielleicht, so sinniert sie, macht sie es aus Dankbarkeit dafür, dass es ihr gut geht, dass ihr Sohn sein Leben so wunderbar meistert, Arzt geworden ist. Es gefällt ihr gar nicht, über sich selbst reden zu müssen. „Meine Mädchen sind doch viel interessanter, außerdem bin ich ihren Eltern und auch dem Gymnasium sehr dankbar für die tolle Unterstützung all die Jahre!“ Sylvia Schäfer ist schon wieder in ihrem Element, berichtet stolz nicht nur von den ungezählten Auftritten, sondern auch davon, wie oft die Tänzerinnen bei den Kreismeisterschaften abgesahnt haben. Ihre Mädels eben.


Vor ein paar Tagen wollte ihr Lebensgefährte übrigens einen Zeitungsartikel vor ihr verbergen. Darin werden Ehrenamtliche gesucht, die Jugendliche im Gefängnis betreuen. „Lies es besser nicht“, sagte er. Er ahnt schon die Gedanken, die Sylvia beschäftigen. Schließlich ist ihre Woche ja noch nicht restlos ausgefüllt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige