Syrien im Umbruch

Immer mal wieder erreicht mich eine Mail von dort. Ich warte sehnsüchtig darauf, auch wenn ich das nicht eingestehen möchte. Und auch, obwohl mein Schmerz mit jeder Mail wächst. Die Mail wird in einer 4-Millionen-Menschen-Stadt abgeschickt, und ich kenne die meisten ihrer Stadtteile, besonders aber die Altstadt, unter deren wertvollen mittelalterlichen Bauten eine nichtentdeckbare Geschichte von Gebäuden lagert, die nun schon 5000 Jahre alt andauert - und ihre benachbarten Bezirke.
Sie kommt aus einem Land, das ich fast bis in jeden Winkel gierig und geduldig und mit der mutigen Bereitschaft zum Nichtverstehen und Nichtinterpretieren bereist habe. Und das ich nie so wiederfinden werde, wie ich es kenne. weder die Orte noch ihre Bewohner.
Ich fand kein leichtflügeliges Paradies des Fruchtbaren Halbmonds vor, wie denn auch, doch eine Mischung aus Landschaft, Menschen und Geschichte, die mir Achtung und innere Beziehung abrang. Ja, sie rang es mir ab, ebenso geduldig und ebenso bereit, mein Unverständnis, meine Unsichherheit und meine Wissbegier auszuhalten. So kamen wir in Beziehung miteinander.

Jetzt liegt dort eine schwere Decke von Angst, Aufbruch, Widerstand, Druck, Gewalt, Zerstörung, Neuorientierung und Verwirrung.

Bin ganz still und oft mit ihnen, den Menschen, die ich kenne, gern hab oder gar liebe.
Und auch mit den vielen mir Unbekannten.
Jede Mail soll mir sagen, wie es so geht.

Nie sagte ich, ich hätte das Land verstanden. Und doch verstehe ich mehr von ihm, als wäre ich niemals dort gewesen.
Armes Syrien.
Atme.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
13.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.04.2012 | 17:07  
94
Claudia Kühn aus Erfurt | 17.04.2012 | 12:49  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige