Tatort Fernbedienung: Wie wird die TV-Quote ermittelt?

Mit ihrer Senderwahl haben 220 Thüringer Familien Einfluss auf die TV-Quote.
Den Fall gelöst und nebenbei die 10-Millionen-Zuschauer-Quote geknackt. Sind Tatort-Kommissar Thiel und Gerichtsmediziner Boerne sonntags im Einsatz, leisten sie ganze Arbeit. Und doch ist noch nicht alles aufgeklärt: Wer sind diese geheimnisvollen Haushalte, die über die TV-Quote entscheiden?

"Sie sind ein Abbild des Fernsehen schauenden Deutschlands", erklärt Michael Darkow, der für Fernsehforschung zuständige Geschäftsführer vom Institut GfK in Nürnberg. 5640 Haushalte hat das Institut anhand demografischer Daten und Interviews ausgesucht. Sie kommen aus allen Bundesländern, Einkommens- und Bildungsschichten. Sie haben Kinder, Tiere und Kabelempfang - oder eben nicht. Sie verkörpern unsere Gesellschaft. Nur halt im Miniformat.

In Thüringen sitzt man in 220 Haushalten am Drücker. Über ein kleines, silberfarbenes Kästchen wird kontrolliert, wer wann was wie lange fernsieht. Jedes Haushaltsmitglied muss sich einzeln an- und abmelden. Per Knopfdruck wird so über Karrieren, Serien-Enden, Werbe-Etats und guten Geschmack entschieden.

Allerdings sollte man sich den Gedanken, die GfK-Probanden dezent auf eigene Lieblingssendungen hinzuweisen, schnell aus dem Kopf schlagen. "Um Beeinflussungen zu vermeiden, bleiben die beteiligten Haushalte anonym", stellt Darkow klar. Sie dürfen sich nicht nach außen zu erkennen geben. Zugang zu persönlichen Daten hat nicht einmal der Auftraggeber - die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), zu der ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 Media und die Mediengruppe RTL gehört.

Um aus den Daten der Privathaushalte die gefürchtete Quote zu errechnen, laufen nachts ab drei Uhr alle Informationen im Nürnberger Rechenzentrum zusammen. "Spätestens 8.30 Uhr werden die Auswertungssysteme der Sender, Vermarkter und Werbeagenturen gespeist", berichtet Darkow. Diese werten die Ergebnisse selbst aus. Und dann wissen wir einmal mehr, dass Thüringer die treuesten "GZSZ"-Fans sind (rund 25 Prozent Einschaltquote), dass 27 Prozent von ihnen "RTL aktuell" und nur 14 Prozent die "Tagesschau" sehen und dass an einem Fußballabend sowieso alle anderen Programme in die Röhre schauen.

Doch auch repräsentative Fernsehzuschauer leben ihr Leben. Sie heiraten, ziehen um, trennen sich, bekommen Babys, werden älter. Und plötzlich passen sie nicht mehr ins Schema. "Etwa 20 Prozent der Haushalte müssen wir jedes Jahr austauschen", erklärt Darkow. Das heißt: auch 40 bis 50 in Thüringen. Es gibt also eine reelle Chance, selbst irgendwann einmal am Drücker zu sitzen.

Informationen:
Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung http://www.agf.de/
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