Topf sucht Deckel

Doris Preißler
Doris Preißler findet Zeitungsinserate interessant, lustig und absolut zeitgemäß - AA-Redakteur Thomas Gräser befragte die Autorin






Buchautorin Doris Preißler war es als Single leid, im Freundeskreis ständig verkuppelt zu werden. Auf der Suche nach einem Partner stieß sie auf die Kleinanzeigen. Die minimalisierten, gedruckten Wunschlisten fesselten sie. Sie sammelte witzige, kuriose, frivole und unmögliche Partner-Such-Zeilen. Darüber schrieb sie das Buch „Radiologe sucht Frau mit innerer Schönheit".




Das Wichtigste vorweg: Sind Sie persönlich in den Kleinanzeigen fündig geworden?
Ich habe auf Kontaktanzeigen geantwortet und bin leider nicht fündig geworden.

Also sind Partner-Such-Anzeigen nicht erfolgversprechend?
Doch. Ich weiß, dass sich über Kleinanzeigen Menschen finden. Vielleicht habe ich nicht auf die richtigen geantwortet. Oder habe die richtige nicht gefunden. Man kann durchaus den Partner fürs Leben finden.

Sie fanden Formulierungen zum Schmunzeln, machten sich auch darüber lustig. Kann man daraus schließen, dass Aufgeber von Bekanntschaftsanzeigen nicht gerade kreativ sind?

Im Gegenteil: Ich halte sie für besonders kreativ! Da gehört auch ein gewisser Mut dazu, so eine Anzeige aufzugeben. Das finde ich toll. Diesen Mut hatte ich ja nicht. Ein großes Lob an die vielen Dichter und Denker. Manche Anzeigen „schreien" förmlich danach, dass man sich darüber lustig macht. Manchmal stoße ich aber auch auf Tragikomik.

Sie amüsieren sich über Redewendungen, Blumiges und Metaphern. Wie könnte eine moderne Kontaktanzeige formuliert sein?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich würde an den ganzen Floskeln - Pferde stehlen, Nadel im Heuhaufen, Topf sucht Deckel - etwas sparen.

Also ganz auf Metaphern verzichten - total unverblümt?
Wenn eine Redewendung drin ist, finde ich das okay. Die Anzeigen, die einen Funken Humor ausweisen, finde ich besonders witzig. Gut ist auch, wenn sich der Schreiber nicht ganz so ernst nimmt.

Gibt derjenige eine Anzeige auf, der aus der Not heraus schnell das Verlassensein kompensieren möchte?
Glaube ich nicht. Da suchen auch viele Verzweifelte seit zig Jahren.

Ist es noch zeitgemäß, in der Zeitung zu inserieren?
Auf jeden Fall! Ich habe gern etwas Gedrucktes in der Hand, das man anmarkern kann. Ich bin süchtig nach Kleinanzeigen und studiere sie jeden Samstag. Sie sind interessant und lustig.

Für alle Liebhaber von Kontaktanzeigen der Tipp zum Schluss?
Nicht verzweifeln - für jeden Topf findet sich ein Deckel!



DIE BUCHAUTORIN
Doris Preißler, Jahrgang 1980, arbeitete bei diversen Radiosendern, wechselte ins TV und erhielt für die Sendung „Clever!– Die Show, die Wissen schafft“ den Deutschen Fernsehpreis. Sie ist jetzt bei einem Verlag tätig.


DAS BUCH
"Radiologe sucht Frau mit innerer Schönheit" Die lustigsten Kontaktanzeigen, Doris Preißler, 9,95 €, 250 Seiten, Verlag: Riva
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1 Kommentar
Axel Heyder aus Erfurt | 11.02.2011 | 11:32  
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