Und so feiern sie noch heute...

Frau Sunna 1976
Kleine Geschichte des Volksbrauchtums „Sommergewinn“

In unserer Region Thüringen/Hessen lebten vor allem Chatten, Hermunduren und Doringer (Thoringi). Das waren germanische Stämme. In einer älteren Besiedelung waren Kelten bei uns ansässig und an den Landesgrenzen Franken und Sachsen. Auf der Funkenburg bei Westgreußen kann man in einer Wehranlage das Leben der Germanen erfahren.
Das Frühlingsfest „Sommergewinn“ ist der Göttin Freya, die in Thüringen und Hessen „Frau Holle“ heißt, geweiht. Sie herrschte über die Quellen des ewigen Lebens. Frau Sunna ist die Stellvertreterin der Göttin. Sie führt die Auseinandersetzung mit dem Winter. Germanen kannten nur zwei Jahreszeiten. So, wie wir uns auf den Frühling freuen, war die Freude auf kommende Wärme damals noch sehr viel größer. Die Götterverehrung ging meist mit Feuerriten einher. So sollen vom Mehlstein (Nachbarberg der Wartburg) die Feuerräder ins Tal gerollt worden sein. Es gab drei Metil-Symbole: Kikelhahn war der Verkünder der aufgehenden Sonne; Ei steht für Fruchtbarkeit und Brezel für Unendlichkeit/Ewigkeit. 532 ging das Thüringer Königreich in der Schlacht mit den Franken und Sachsen unter.
Dieses Fest der Naturvölker geriet in Vergessenheit und wurde im Mittelalter erneut entdeckt. Es soll bereits 1286 urkundlich erwähnt sein. Jahre gingen ins Land, das Sommergewinnsfest wurde nicht durchgängig gefeiert, erst in der Neuzeit, seit etwa 1890 wird es wieder regelmäßig durchgeführt.
Es gab ein religiöses Problem. Das Fest fällt in die Fastenzeit; die Kirche wollte in dieser Zeit keine frohen Feste. Die Thüringer setzten sich durch und so feiern sie noch heute.
Jetzt ist das Fest ein großer Touristenmagnet für die Stadt Eisenach. Ich bin Eisenacherin. In meiner Jugendzeit wurde der Stiek (Ehrensteig) festlich mit Eiergirlanden, den Symbolen und Sträußchen geschmückt. Daran waren ganze Schulklassen beteiligt. Ob das heute auch noch der Fall ist?
Eine Besonderheit möchte ich noch erwähnen, das Binsenei. Das Ei wurde mit dem Mark der Binsen (Holunder) und Stoffresten geschmückt. Eine aufwendige Arbeit, die es heute kaum noch gibt.
Früher wurde das Fest am Samstag vor Sonntag Laetare gefeiert; heute bestimmt oftmals das Wetter den Termin. Der Kunstmaler Paul Hempel entwarf die Originale „Henner und Frieder“ (Albert Fehr und Kurt Hesse), die im Festzug nicht fehlen durften. Schon lange in Rente, treten heute „Tante Frieda und Minchen“ beim „Kommersch“, den Sommergewinnsvorabend, auf. Seit Jahrzehnten gibt eine Schulfreundin von mir die „Tante Frieda“, großartig machte sie das. Samstag, den 09.03.13, soll der Zug wieder durch die Stadt ziehen.
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