„Unser Bild von Afrika schadet dem Kontinent!“ - Foto-Ausstellung an der Uni Erfurt gelingt der Perspektivwechsel

Wann? 15.06.2016 bis 01.07.2016

Wo? Universitätsbibliothek, Nordhäuser Str. 63, 99089 Erfurt DE
Alltag in Afrika: Die Fotoausstellung „Through My Eyes“ zeigt 40 Fotografien und sechs Infotafeln. Die Fotos stammen von Schülern aus Südafrika und aus Namibia, die ihren Alltag festhielten. (Foto: Go Ahead)
 
Kinder aus Namibia und Südafrika fotografierten ihren Alltag, die Schule, Freunde, Familie.
Erfurt: Universitätsbibliothek |

Die Ausstellung der Hochschulgruppe „Go Ahead“ zeigt Fotos afrikanischer Schulkinder.

Dem heruntergehungerten Kind rinnen dicke Tränen aus den braunen Kulleraugen. Sein Gesicht ist übersät mit Fliegen. Dies ist das Bild, das die große Mehrheit der Deutschen hat, wenn sie an Afrika denkt. Ein falsches, weil viel zu einseitiges Bild, sagt Luise Sasse. Ein Bild, das auch die Erfurter Studentin zunächst hatte, als sie nach dem Abitur für ein Jahr nach Togo in Westafrika ging.

„Ich hatte wirklich völlig falsche Erwartungen und wurde so überrascht. Ich habe dort den Alltag miterlebt und gemerkt, wie wenig wir wissen über Afrika als Kontinent und über die einzelnen Länder“, klagt die heute 20-Jährige. „Es hatten alle genug zu essen. Alle Schüler konnten zur Schule gehen. Und es haben alle in einer Gemeinschaft gelebt. Das war ein sehr glückliches Leben dort. Darüber wird hier wenig berichtet. In den Medien wird immer nur auf die Hungernden und die Krisen hingewiesen und nicht auf das Schöne im Alltag.“

Gelungener Perspektivwechsel



Der Foto-Ausstellung „Through My Eyes“ gelingt dieser Perspektivwechsel. Ab dem 30. Mai sind 40 Bilder in der Erfurter Universitätsbibliothek zu sehen. Kinder aus Namibia und Südafrika fotografierten ihren Alltag, die Schule, Freunde, Familie. Die Einwegkameras bekamen sie vom Verein „Go Ahead“. Diese deutsche Hilfsorganisation setzt sich für AIDS-Waisen und den gerechten Zugang zu Bildung im südlichen Afrika ein. Vor Ort fördert sie lokale Initiativen. Der Verein ist über ein Netzwerk von Hochschulgruppen deutschlandweit vertreten. Seit gut einem Jahr auch in Thüringen.

Dominik Wershofen ist eines der Gründungsmitglieder der Gruppe an der Uni Erfurt. Er freut sich sehr, dass die Ausstellung den Blick der afrikanischen Kinder zeigt, nicht - wie sonst üblich - den Blick auf die Kinder. „Denn eine falsche Wahrnehmung von Afrika ist schädlich für den Kontinent.“ Auch der 21-Jährige war nach dem Abi in Afrika, arbeitete in einem Waisenhaus in Kenia. „Ich war total überrascht, wie glücklich die Menschen dort durch ihr Leben gehen. Wenn man in Erfurt durch die Fußgängerzone läuft, sieht man unglücklichere Gesichter als bei den Arbeitern auf dem Maisfeld in Kenia.“

An kleinen Schrauben drehen



Für Dominik und Luise war nach ihren positiven Erfahrungen der weitere Studienweg glasklar. Sie studieren „Internationale Beziehungen“, ebenso wie Rebekka Muth, die sich ebenfalls in der „Go Ahead“-Hochschulgruppe engagiert. „Mir liegt es am Herzen, nicht die Riesendinge zu verändern, sondern an kleinen Schrauben zu drehen. Mit Go Ahead passiert genau eben dies.“ Diese nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe kann ein warmes Schulessen sein oder Schüler zu unterstützen, den Sprung aus dem afrikanischen Dorf zur Universität zu schaffen. „Wir sind erst zwölf Mitglieder hier in Erfurt. Aber wir haben das Gefühl, viel auf die Beine stellen zu können, weil alle mit ganzem Herzen dabei sind“, sagt die 20-Jährige.

Die Gruppe organisiert Info-Abende, zeigt Filme über die Menschen und ihre Helfer in Afrika, sammelt Spenden für die gemeinnützigen Projekte. Für dieses Jahr ist noch ein Konzert und ein Poetry-Slam „Profis versus Profs“ geplant - Veranstaltungen, die Geld in die Kasse spülen sollen. „Und das Schöne ist“, sagt Luise, „dass 100 Prozent aller Spenden direkt beim Projekt ankommen und nichts in irgendeinem Verwaltungsapparat hängen bleibt.“

Termin:

Die Fotoausstellung „Through My Eyes“ zeigt 40 Fotografien und sechs Infotafeln. Die Fotos stammen von Schülern aus Südafrika und aus Namibia, die ihren Alltag festhielten. Eröffnet wird die Ausstellung am 30. Mai um 18 Uhr im Campuscafé Hilgenfeld und ist dann für zweieinhalb Wochen im Foyer der Uni-Bibliothek zu besichtigen.


Kontakt:

Die Hochschulgruppe „Go Ahead“ der Universität Erfurt freut sich über neue Mitglieder und Interessenten. Infos und Termine gibt es unter www.facebook.com/GoAheadErfurt, www.uni-erfurt.de und www.goahead-organisation.de
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2 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 25.05.2016 | 10:34  
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Renate Jung aus Erfurt | 26.05.2016 | 13:42  
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