Was lange währt,... - Wiedereröffnung der Schottenkirche

Die vorderen Bänke stehen bereits: Rund eine Million Euro sind in den vergangenen zwei Jahren in den Erhalt einer ältesten Kirchen der Stadt geflossen. Am Sonntag wird sie mit einem Festgottesdienst wiedereröffnet.
Erfurt: Schottenkirche | Die letzten der 23 Holzbänke aus den 60er Jahren müssen noch festgeschraubt werden. Danach ist der schon länger als 25 Jahre währende Restaurierungsprozess abgeschlossen.

„Der damalige Pfarrer beauftragte mich 1985 die dunkel gewordenen Wände zu streichen", erinnert sich der Architekt Jörg-Peter Gottstein an seine erste Aufgabe in der Schottenkirche. „Aber ich sagte ihm, dass man zuvor erst einmal das marode Dach in Angriff nehmen müsse". Vor einem viertel Jahrhundert gab es jedoch zu wenig Mittel und Material, um auch nur die grundlegenden Dinge in die Wege zu leiten.

Erst nach der Wende ging es besser voran. Der größte Schritt gelang allerdings erst, als vor zwei Jahren Mittel für einen langfristigen Bestandserhalt locker gemacht werden konnten und damit eine grundlegende Sanierung möglich wurde. Seit dem sind 1 Million Euro verbaut worden - auch der Förderverein der Schottenkirche sammelte fleißig mit.

Bei den Arbeiten wurde der Turm statisch gesichert, der hochgradig gefährdet war. Erst im Spätherbst sind Beschädigungen am Fundament festgestellt worden. Eine der größten Herausforderungen für den Architekten, neben der derzeitigen Witterung. „Wir mussten Bohrpfahlgründungen an einer Seite des Turmes anlegen." Damit konnte die Last von Tragwerken in tiefere, tragfähige Bodenschichten abgetragen werden. Am Turm wurde zudem der Helm neu mit Schiefer eingedeckt, der Dach- und Glockenstuhl sind überarbeitet. Zwei Jahre haben die drei gusseisernen Glocken nichts mehr von sich hören lassen. Das ändert sich nun mit der Fertigstellung. Auch Außen wurde saniert: Bruchsteine, Werksteine und Putz sind inzwischen saniert. Ebenso wurde der Innenraum neu gestaltet sowie die wertvolle Schuke-Orgel überholt.

Am Sonntag, 19. Dezember, wird um 13.30 Uhr mit einem Festgottesdienst das Gotteshaus als solches wieder „in Betrieb" genommen.


DATEN UND FAKTEN
Die Schottenkirche wurde zunächst als Benediktiner-Klosterkirche St. Jacobus der Iren und Schotten 1136 errichtet und als „Filialkloster" der von Marianus Scotus gegründeten Abtei St. Jakob in Regensburg genutzt. Daher stammt der Name Schottenkirche. 1226 wurde das päpstlich bestätigt. 1472 wurden die Gebäude erneuert, 1720 bis 1727 mit einer barocken Westwand erweitert. Seit 1744 ist sie eine katholische Pfarrkirche der Nikolaigemeinde. Das Kloster wurde 1820 säkularisiert. 1964 wurde die Kirche erneut renoviert, aber erst 1994 das desolate Dach erneuert.

15.12.2010
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