Weihnachtsmarkt Kromsdorf

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Freyas achtjähriger Geburtstag stand an. Diesmal sollte es etwas Besonderes sein. Wir entschieden uns für Schloss Kromsdorf. Am Nikolaustag trafen wir uns dort.
Der Platz vor dem Schloss ist jetzt nach dem Europäer und ehemaligen Buchenwald-Häftling Stéphán Hessel (sprich essel) benannt. Eine gute Wahl.
In diesem Zusammenhang habe ich eine Erinnerung an den Psychoanalytiker Ernst Federn aus Wien. Sein Vater Paul war ein enger Mitarbeiter von Siegmund Freud. Auch Federn war KZ-Häftling in Buchenwald. Lange Zeit nahm er jährlich an den Physioanalytiker-Kongressen, erst in Weimar, später in Erfurt, teil. In dieser Zeit betreute ich den alten Mann. Er fand, dass in meinem Leben die Vaterrolle zu kurz kam, weshalb er diese Rolle ausfüllte. Ich genoss das.

Leise rieselte der Schnee, so dass Autohauben und die Dächer der Weihnachtsbuden schnell weiß wurden. Den Fahrstuhleingang zu finden war nicht so leicht. Wir haben es geschafft. Schloss Kromsdorf ist barrierefrei!
Diese Anmerkung ist für die Ohren der Behinderten bestimmt. Als Erfurt-Botschafterin habe ich das Ziel, für Behinderte, die Thüringen bereisen wollen, interessante barrierefreie Orte zu finden und zu beschreiben. Schloss Kromsdorf ist außerdem noch Romantik pur.

In der 2. Etage war der Handwerker-Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ein Weihnachtsmann im passenden Alter schritt geradewegs auf mich zu, streichelte meine Wange und forderte: „Sag´ ein Gedicht auf, dann kriegst Du Schokolade!“
Ja, was sage ich so schnell:
„Lieber, guter Weihnachtsmann,
schau mich nicht so böse an.
Stecke deine Rute ein,
ich will auch immer artig sein!“

Es gab viele Mitmach-Angebote: Weihnachtssterne basteln, Filzen, Bonbons machen, malen oder dichten.
Wir drei Mädels, oder genauer: „Großmutter, Mutter und Kind – beim Filzen alle zusammen sind.“
Da stochert man mit einer dicken Nadel in Schafwolle herum, die in Backförmchen reingesteckt wurde. So entstanden Sterne, Engel und Tannenbäumchen. Es ist eine Geduldssache.
Bei so einem intimen, kleinen Weihnachtsmarkt entsteht das Gefühl wie damals bei „Muttern“.
Die Autorin Gabi B. Froitzik legte ihr Buch „Die Gipsköpfe von Kromsdorf“ vor. Diese Köpfe, mit historischen Figuren, sind aus Sandstein. Gips wäre ja nicht wetterbeständig gewesen. Aber sei es wie es sei!

An jener Mauer stand ich vor einiger Zeit mit zwei Kollegen. Einer von ihnen war der Balte Alexander Lepin. In dieser Zeit schon ein älterer Herr. Lepin hatte 1947 Thomas Mann zur Begrüßung die Hand geschüttelt. Der berühmte Schriftsteller war wegen der Auszeichnung mit dem Goethepreis nach Weimar gekommen.

Bleibendes schuf Lepin mit der Renovierung der Dornberger Schlösser.
Damals ging es einfach nur um Spaß, Emotionen lagen in der Luft, die ich in einem kleinen Text erfasste.

Erinnerungen an der Ilm

Pause –
Zeitung –
angenehme fünf Minuten!
Zwischen Wettbewerbstriumphen und Familiennachrichten ein paar Zeilen über
Schloss Großkromsdorf, einst Lustgarten für feudale Schöne.
Gedanken haken sich fest...
Erinnerungen.
Als wir dorthin wanderten in jenem Musterwinter war der ganze Park sorgfältig
weiß bedeckt –
unwirkliche Landschaft.
Eifrig fingst du die Bilder im Film ein.
Untaugliches Mittel,
Gültiges für uns zu bewahren,
wie sich später herausstellte.
Aber an diesem Tag stimmte alles,
war alles echt, frohgestimmt,
wie das Weiß um uns herum.
Vergessen, worüber wir sprachen, und es war sicher nicht wenig gewesen!
Wir nahmen die Landschaft in uns auf.
Unser Blick schärfte sich für die eigenartigen Formen und Maße,
die der Winter diesen Park geschenkt hatte.
Die Weite des Gartens, umfasst von einer bröckelnden Mauer, schloss gradlinig
in mächtiger, unstimmiger Reihe eine lange Schnur vermummter Gestalten ein.
Es reizte uns, sie zu enthüllen.
Bloße Hände im Schnee, entdeckten wir für uns die Geschichte:
Demeter und Prometheus, die Mutter Erde und ihre Menschen!
Jahrtausende Liebe, Kampf, Erkenntnis.
Nichts blieb unentdeckt.

Zur Stimmung dieses Schloss-Marktes passte meine Publikation für Kinder, über die letzte Thüringer Prinzessin: „Radegunde – Versöhnung schafft Frieden“ sehr gut.
Der Kindergarten „Rappelkiste“ bot Selbstgebasteltes gegen eine Spende für die Kindereinrichtung an. Mir hatten es ein Holzschmuckstück aus Lindenholz und ein kleines Buchecker-Figürchen angetan. Letzteres war ein Stück aus meiner Kindheit.
In der Nachkriegszeit wurden Mengen an Bucheckern gesammelt und durch die Kaffeemühle gedreht. Das gewonnene Öl wurde genutzt, um Tetscher (Puffer) herzustellen. Ach, du liebes Weihnachten, wie lange ist das schon her!
Ein Blick zum Fenster, der Schnee fällt immer noch.


Die Bäckerei Rose hat ein kleines, mobiles Café eröffnet. Wir sitzen vor wohltuendem Kaffee, Stollen und Plätzchen. Zeit zum Träumen.
Aber irgendwann mussten wir wieder nach Hause. Hier, im Vorhof gingen wir an Buden mit Glühwein, Bratwurst und weiteren Leckereien vorbei.
Es ist schon dunkel. Farbenfroher Lichterschein weist mit seiner Pracht den Weg.
Die kleine Schlosskapelle ist noch erleuchtet. Die Kromsdorfer „Ilmspatzen“ führen das Weihnachtsmusical „Das Tannenbäumchen“ auf. Die Kirche ist voll und Karten gab es nicht mehr. Dafür verbreiten die erleuchteten Kirchenfenster eine romantische Stimmung.
Auf meiner Jacke haben sich schon viele Schneesterne breitgemacht.
Frohen Herzens ging es heimwärts.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.12.2013 | 06:24  
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