Wer bringt nun die Geschenke?

Frau Holle
 
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Bei unseren Vorfahren, den Hermunduren - auch "Große Duren" (Thuren) genannt, woraus sich "Thoringi" / Thüringen ableitete - brachte die Göttin Freya, genannt "Frau Holle", die Geschenke. Ihr Gatte Odin hatte ihr einst Nordhessen und Westthüringen als Morgengabe nach der Hochzeitsnacht geschenkt. Sie soll auf ihrer Rundreise in den zwölf Nächten den fleißigen Menschen Tannenzapfen ins Haus geworfen haben, die sich tags darauf in Gold verwandelten.
Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es dann "Knecht Ruprecht", der im Thüringer Raum die Geschenke brachte. Einst dem Gefolge der Frau Holle zugehörig hatte er sich im Laufe der Zeit sozusagen selbstständig gemacht. Zunächst ganz unauffällig mit einem braunen Mantel bekleidet, kam er dann seit den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts auch in roter Joppe daher.
Es gibt dazu ein wunderschönes Weihnachtsbuch mit Bildern von Fritz Baumgarten.

Mit dem Einzug des Protestantismus, begründet von Dr. Martin Luther, wurde der Heilige Christ bzw. das Christkind zum "Bescherungs-Kind" in Thüringen. Hintergrund war der Umstand, dass Luther die Heiligenanbetung nicht mochte. Daher kamen Sankt Nikolaus, aber auch der heidnische Knecht Ruprecht für ihn als Repräsentanten des Weihnachtsfestes nicht in Frage.
Trotzdem "bescherten" weiterhin alle drei zu Weihnachten, je nachdem, welche Traditionen in den Landstrichen bzw. in den Familien herrschten.

Die Zeit des Feierns ging auf die Wintersonnenwende-Zeit der Hermunduren zurück. Im
4. Jahrhundert, als das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion war, wurde die Geburt Christi auf den 24. Dezember gelegt, damit der christliche Glaube in Germanien leichter eingeführt werden konnte.
Die Figur des Heiligen Nikolaus ist auf zwei Personen mit diesem Namen zurückzuführen: Auf den Bischof von Lykien und den Bischof von Myra in Kleinasien. Nikolaus stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus und soll drei Goldklumpen an Mädchen verschenkt haben, die keine Mitgift hatten.
Der Hl. Nikolaus wird vor allem in katholischen Gegenden verehrt, aber auch in den Calvinistischen Niederlanden. Mit einem Schiff kommend, in Begleitung des Zwarte Piet (Schwarzer Peter) verteilt er dort an jedem 6. Dezember Geschenke. Als Sinterclaas ist er Stadtpatron von Amsterdam.

In Thüringen gibt es noch eine Besonderheit: Der Thüringer Landgraf warb im frühen Mittelalter Waffenschmiede aus Angelsachsen an, die im Umkreis von Ruhla angesiedelt wurden. Daher bringt in Ruhla noch heute der "Hirscheclaas" die Geschenke.

In Skandinavien gibt es die lustigen Nirsen (Weihnachtszwerge) und besonders in Finnland den "Joulupukki", den Julmann, der die Geschenke bringt und hoch oben in Lappland in Rovaniemi lebt, wo er sein Weihnachtsdorf hat.
In Schweden kommt am 13. Dezember die Lucia-Braut mit einem Lichterkranz auf dem Kopf, um in der dunklen Jahreszeit das Land zu erhellen.
Auch in Italien, im Elsass und in Tirol bringt eine Lichterkönigin die Geschenke. Für Italien ist auch die Hexe Befana als Geschenkebringerin bekannt. Dieser Brauch der Lichtergöttin geht auf die "Perchta" zurück. Das ist im Alpenland der Nickname der Göttin Freya. Sie trägt außer den Namen "Perchta" und "Frau Holle" auch noch eine Reihe anderer Namen.
In Spanien und in Russland wird erst am 6. Januar gefeiert. Der Tag der Heiligen Drei Könige wird auch Epiphanias - Christi Tauftag genannt. In einigen christlichen Religionen zählt ein Neugeborenes, auch Jesus, erst nach der Taufe als Mensch.

In Europa wenig bekannt ist das Jolka-Fest (Tannenbaumfest), das auch auf dem Gebiet der DDR in Schul- und Kindergruppen gefeiert wurde. Da bringen Djed Moros (Väterchen Frost) und Snjeguroschka (Schneeflöckchen) die Geschenke.
In Polen wird Weihnachten als Sternenfest gefeiert. Der Gwiazdor, der Sternenmann, erscheint mit den Heiligen Drei Königen und bringt die Geschenke.

Nach dem II. Weltkrieg hatte sich die Figur des "Weihnachtsmannes" endgültig durchgesetzt. Es ist eine Kunstfigur. Der Grafiker Thomas Nast entwarf sie 1862 für "Harpers Magazin". Das Unternehmen Coca-Cola machte ab 1931 durch weltweite Werbekampagnen den prachtvollen Alten mit weißem Bart, roter Zipfelmütze und Purpurmantel bekannt.

Gegenwärtig läuft, initiiert von der Kirche, eine Gegenkampagne, die meiner Enkelin Freya eine schwierige Entscheidung abverlangte. Im Kindergarten wurden runde Aufkleber verteilt, in deren Mitte ein durchgestrichener, kümmerlicher Weihnachtsmann abgebildet ist. Darunter steht: "Weihnachtsmannfreie Zone". Die Kinder sollen zu Hause ihren Eltern sagen, dass sie nur vom Heiligen Nikolaus beschert werden wollen.
"Omi, wie würdest du dich denn entscheiden?" erkundigte sich Freya ratlos.
Da befand ich mich in einer verzwickten Situation. Ich antwortete salomonisch: "Wähle den, der dich glücklich macht."
Freya atmete auf. "Weißt du, Omi, all´ die Jahre kam der Weihnachtsmann mit vielen schönen Geschenken. Ob der Neue das auch so macht, weiß ich nicht. Ich bleibe beim Weihnachtsmann!"
Aha, diese Kriterien sollte man sich merken.

Ich wünsche allen ein besinnliches, stress- und entscheidungsfreies Fest und einen guten Start ins Neue Jahr!
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 20.12.2011 | 00:48  
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Ute Hinkeldein aus Erfurt | 24.12.2011 | 09:24  
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