Wiederbegegnung OST-WEST

Wiederbegegnung nach fast 25 Jahren

Der Brief in meiner Hand ist von Thirza Küpper, einer Engländerin, und doch kann ich es kaum glauben, denn unsere Freundschaft reicht weit zurück. Beim ersten Treffen waren wir noch jung; jetzt sind wir schon Omas.
Damals, in der Zeit der Veränderungen, hatte ich überlegt, was ich tun könnte. Herr Schöneburg hatte im November 1989 zu einer Menschenkette rund um die Erfurter Altstadt mobilisiert. Das brachte mich auf die Idee, alternative Stadtrundgänge anzubieten.
Zunächst sollte das im kleinen Rahmen für Freunde, Bekannte und Interessenten von auswärts sein. Aber die Entwicklung schritt sehr rasch voran. Ich wurde auf das „Neue Forum“, die Arbeitsgemeinschaft Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, aufmerksam und auf deren Akteure: Pfarrer Karl Metzner, Pfarrerin Dorothea Höck, den Studenten Veit Voigt, Angelika Link u.a.
Bald bekamen meine Führungen einen richtigen Schub. Der Politikstudent Holger Martens aus Hamburg, der zu dieser Zeit in Norfolk/England studierte und ein Stipendium der SPD hatte, kam zur Führung nach Erfurt.
Nach und nach bekam ich Kontakte zu den westdeutschen Netzwerken und der Fraueninitiative „Donnerstags in Schwarz“. Die Frauen protestierten Donnerstags gegen den Krieg, weil sie nicht wollten, dass ihre Männer und Söhne im Krieg umkommen. Diese Initiative ging ursprünglich von israelischen Frauen aus.
Telefonate und Briefe gingen hin und her, bald auch Mails. Es war die bewegendste Zeit in meinem Leben, die ich nicht missen möchte.
So lernte ich Thirza und Julia Collieu kennen, eine Engländerin und eine Irin. Beide hatten gemeinsam in Dublin/Irland studiert und zusammen gelebt. Damit wollten sie zeigen, dass Protestanten und Katholiken in Frieden zusammenleben können. Nun waren sie neugierig, wie die bewegten Zeiten sich in Erfurt niederschlugen. Ein wichtiges Thema war seinerzeit die Erhaltung der historischen Altstadt, obwohl einige Häuser sehr marode waren.
„Ach, ein so schönes Stadtzentrum muss doch saniert werden können“, meinte Thirza nachdenklich.
Es gab noch so viel zu reden und zu erklären. Eine Zeitlang wurde korrespondiert. Irgendwann haben wir uns aus den Augen verloren.
Am 7. Oktober 2014 klingelt das Telefon. „Hallo, hier ist Thirza. Kennst du mich noch?“
Da war ich total überrascht und gleichzeitig voller Freude.
Thirza hatte die Schönheit von Erfurt ebenfalls nicht vergessen und ihren Ehemann Utz-Ingo Küpper veranlasst, an der Tagung von attac AG Kommunen zum Thema „Für starke, demokratische und solidarische Kommunen“ am 25.10.2014 im Thüringer Landtag in Erfurt mitzuwirken.
Gute Zeit auch für Thirza und mich, den Gedankenfaden von einst wieder aufzunehmen. Wir verabredeten uns zum Treff bei „Athos – dem Griechen“ am Domplatz.
Es war eine angenehme Atmosphäre, Essen und Getränke sehr gut und die Bedienung freundlich. Über uns war eine reich verzierte Stuckdecke. Als ich noch wegen Hustentropfen und Grippemitteln hier, in der historischen „Grünen Apotheke“, ein- und ausging, war mir diese prachtvolle Decke nicht aufgefallen. Erinnerungen an die Jahre ab 1989 machten die Runde.

Leider sind einige Weggefährten von damals schon tot, so die „Seele“ des „Neuen Forums“, Gudrun Berg. Nun fand ich auch die Todesanzeige von Jürgen Pretzsch. An seine Grafik „Don Quijote“ für das Forum-Büro werde ich mich immer erinnern. Ein treffendes Symbol; war doch das „Neue Forum“ gegen die SED-Mühlen angetreten.

Aufmerksam lauschte ich nun Thirzas Worten. Julia ist leider sehr kränklich, weshalb sie nicht mitkommen konnte. Sie lebt immer noch in Irland.
Thirza hatte über ihre Arbeit im Dubliner Studentenbüro der 60er-Jahre die deutschen Jungs Fritz und Utz kennengelernt und sich für Utz entschieden, weil Fritz ein Womanizer war. Thirza steht auf Treue. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Köln. Als kleines Gastgeschenk habe ich natürlich das echte Eau de Cologne bekommen.
Als Erfurt-Botschafterin habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihr die Touristik-Publikation „Erfurt – Landeshauptstadt Thüringens“ in Englisch zu überreichen. Zusätzlich konnte ich auch auf die gute Wohnqualität im Ortsteil „Moskauer Platz“ aufmerksam machen. Dort bin ich zuhause und arbeite im Ortsteilrat mit. Statt KuFZ-Ruine gibt es jetzt die Moskauer Meile, es entstanden ein Mehrgenerationshaus und Treffs für die Jugend.
Der Nordpark wird teilweise für die BUGA gärtnerisch gestaltet. Ein Teil des Naherholungszentrums soll erhalten bleiben. Torsten Haß, der Ortsteilbürgermeister, reagiert schnell auf Mängel. In der Grundschule Bukarester Straße zeigten sich massive Schäden, unter anderem an den Fenstern.So wird schon in diesem Jahr mit dem Einsetzen neuer Fenster in der Schule begonnen. Ich hätte gern noch viel mehr von unserer Stadt gezeigt, aber die Zeit aber die Zeit verging so schnell.
Auch Thirza ist immer noch bei den inzwischen „Großmüttern in Schwarz“ aktiv und widmet sich öfter ihren sieben Enkelkindern. Gut, da bin ich im Hintertreffen, bei mir sind es nur drei Enkel.
Zum Schluss ein Foto, damit wir uns nicht aus den Augen verlieren.

Ute Hinkeldein


Julia Collieu konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht reisen, ließ mich aber grüßen:

Dear Thirza,
It was lovely to get your card from beautiful Erfurt and what a happy chance that you found Ute’s address and could meet up!
It brought back memories of our last visit all those years ago. It was sweet of Ute to add her greeting – interestingly I recalled her handwriting from a little package of leaflets on Erfurt which she kindly put together for me and which I left in the Alfred Hess box file when I left work!
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