Wunderbare Märchen

Radegunde, Prinzessin von Thüringen
Ein Wort zuvor:
Als Sozialarbeiterin habe ich erlebt, dass Erwachsene, besonders Eltern, unsicher waren, was Märchen und ihre Inhalte anbetrifft. Um meine Erfahrungen auf diesem Gebiet zu vervollständigen, besuchte ich eine Witzenhäuser Märchenwoche.
Bereits zweimal habe ich in Gesprächen und Vorträgen alte Märchenbücher, Bücher zu deren Inhalten und moderne Kinderbücher vorgestellt. Ich habe mir fest vorgenommen, im Rahmen des Projektes "Literaturcafé", das nun 15 Jahre alt wird, am 29.08.2012, 19 Uhr, im Café Paul und in einem Gespräch im Erfurter Frauenzentrum in der Pergamentergasse 36 am Montag, den 20.02.2012, 17 Uhr, über die Märchenkunde zu berichten. Sozusagen ein Rosenmontag mal nostalgisch.

Die Inhalte der Märchen
Weltanschauungen und Kunststile wandeln sich im Laufe der Zeit. Das Märchen und seine Urmotive gehen durch Völkerauf- und -untergänge sicher hindurch. Das echte Märchen entspricht den tiefsten Seelenerfahrungen der Menschen. Für Goethe, Novalis, Brentano und Mörike ist es "Kanon der Poesie". "Verzauberung und Erlösung" ist das Hauptthema des Märchens und ein Thema der Menschheitsgeschichte.

Psychologische Bedeutung der Märchen
Der Inhalt eines Märchens entspricht dem Reifungsprozess eines Menschen. Die Abenteuer der Märchenhelden symbolisieren bedeutende Entwicklungsabschnitte - Geburt, Einschulung, Pubertät, erste Liebe, Verlobung, Hochzeit, junge Familie, Lebenskrise der Mitte, Altern und Tod. In den Märchen finden wir Konzepte, Verhaltensweisen und Einstellungen, die jenseits von allen therapeutischen und pädagogischen Einflüssen auf uns wirken.

Urweisheiten der Märchen
Das Märchen ist das Gewissen der Volksseele, die unserem jetzigen Entwicklungsstand entspricht: Die Volksseele, die längst von den göttlichen Märchen verlassen ist, lebt nun als "Witwe". Das Märchen erinnert die Seele an ihren wahren Ursprung und das Begreifen ihrer hohen Sendung (Göttlichkeit des Ursprungs - humanistisches Wesen).

Pädagogische Gesichtspunkte
Wichtig ist, dass dem mechanistischen Weltbild, in das die Kinder heute allzu früh hineinwachsen, eine beseelte Naturanschauung gegenübergestellt wird. Heute kommt oft der Einwand, dass das Kind durch Märchen zu viel Grausames kennen lernt. Tatsache ist, dass die Realität und das Fernsehen oft viel grausamer sind. Das Märchen zeigt aber zugleich den Weg zum Sieg über die dunklen Mächte. Wir sollten den Kindern zeigen: Außer der Welt, in der alles streng nach Naturgesetzen verläuft, gibt es noch die Welt des Wunderbaren und der Phantasie.

Religiöse Gesichtspunkte
Das Erlösungsmotiv tritt im Märchen in vielfältiger Form auf. Alle Kämpfe für den Geist, die auf Erden gekämpft werden, um das Menschentum den Mächten der Vergänglichkeit und des Bösen zu entreißen, sind Nachbilder des Reiches Gottes.

Symbole im Märchen (Beispiele)
Die "Zwölf" im Märchen entspricht den zwölf Jüngern (Apostel) Christi.
Die "Sieben" ist eine heilige Zahl; die "Drei" bedeutet unvollendet, nach Vollendung strebend.
Tiere im Märchen sind Ausdruck der alten geistigen Geheimnisse der Welt.
Undinen und Nixen = die Menschenseele. "Die Menschenseele gleicht dem Wasser."
Jahreszeiten = Werden und Vergehen
Äpfel = Früchte vom Baum des ewigen Lebens, ewige Jugend bzw. Frucht der Erkenntnis „Bibel“
Pferd = heiliges Wesen der Germanen. Christlich: Symbol des Teufels und der List, das den Menschen betören will (Dänonisteuerungsfaktor bei Gesellschaftsumbrüchen und Wendezeiten)

Kleine Literaturempfehlung (Quellen zu diesem Text)
Rudolf Meyer: "Die Weisheit der deutschen Volksmärchen", Urachhaus Verlang Stuttgart, 1981
Märchenkreis Witzenhausen: "Märchengestalten, Erfahrungen aus 11 Jahren Witzenhäuser Märchenwoche", 1989
Božena Némcová: "Das goldene Spinnrad", Paul List Verlag, Leipzig, 1972

Volksmärchen:
"Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm", Der Kinderbuchverlag Berlin, 1964
"Deutsche Heimatsagen", Der Kinderbuchverlag Berlin, Bd. I - III, bearbeitet von Dr. Harry Trommer, 1956
"Deutsche Volksmärchen", Der Insel-Verlag Berlin, herausgegeben von Waltraud Wöller, 1987

Thüringer Märchen und Sagen:
Ludwig Bechstein, "Deutsche Märchen und Sagen", Aufbauverlag Berlin 1978
Johannes Karl August Musäus, "Märchen und Sagen", Aufbauverlag Berlin und Weimar 1981
Manfred Schramm, "Das Kreuz auf dem Bielstein", Ev. Verlagsanstalt Berlin 1986
"Bechsteins Großes Märchenbuch", Gesamtausgabe, Schmidt u. Günther Leipzig, 1941
„Schwan kleb an“, Ludwig Bechstein, Arena-Verlag 2004
"Sagen des Wartburglandes", Bd. I u. II Eisenacher Schriften zur Heimatkunde 1984/85.
"Ruhlaer Sagen", Zirkel Schreibender Arbeiter, Ruhla 1985
Sagen aus dem Werratal, "Wenn der Hahn dreimal kräht", Werratalverein 1987, Herleshausen
Radegunde Thüringer Prinzessin „Versöhnung schafft Frieden“, Ute Hinkeldein, Projektreihe „Literaturcafe“ 2004.

Märchen, Sagen und Erzählungen aus Ostpreußen (eine Auswahl):
Siegfried Lenz, "So zärtlich war Suleyken", Aufbauverlag Berlin und Weimar 1989
Sibylle von Olfers, "Etwas von den Wurzelkindern", Verlag von I.F. Schreiber, Esslingen u. München 1989
S. von Olfers, „Im Schmetterlingsreich“, Esslinger Verlag 2010

Bernsteingeschichten (kleine Auswahl)
„Die Bernsteinsammlerin“, Lena Johannson, Weltbild 2009
„Die Mücke im Bernstein, E.G. Stahl, Weltbild 2010

Kunstmärchen (eine Auswahl):
Michael Ende, "Die unendliche Geschichte", K. Thienemannsverlag Stuttgart, 1979
Michael Ende, "Der Satana... Wunschpunsch", Thienemannsverlag Stuttgart, 1989
Wilhelm Hauff, "Märchen", Aufbauverlag 1982, und Kinderbuchverlag 1978
Hans-Christian Andersen, "Märchen", Jugendbuchverlag Budapest, 1965

Geschichten um den Heiligen Gral
„Peronnik, der Einfältige (Bretonische Gralsgeschichte), für Kindheit und Jugend, Advent-Verlag Kuppenheim 1948 als Handschrift und illustriert von Ute und Haike-Runa Hinkeldein 1984
Das Buch vom Gral, Albatros Düsseldorf/Patmos-Verlag 2006

Empfehlungen für Exkursionen:
- Brüder Grimm-Museum, Schöne Aussicht 2, 9500 Kassel, Tel. (0561) 103235,
geöffnet Mo-So, 10-17 Uhr (ist z. Zt. wegen Neugestaltung geschlossen)
- Burghotel Dornröschenschloss Sababurg, Konzerte, Ausstellungen, Familie Koseck,
3520 Hofgeismar, Tel. (05678) 1052
- Im Hof der Kapellendorfer Wasserburg bei Weimar befindet sich einer der schönsten
mittelalterlichen Backöfen (Hänsel und Gretel)
- Weiter zu empfehlen sind die Dornburger Schlösser bei Jena (Rosenfest im Juli)
- Die Witzenhäuser Märchenwoche findet jedes Jahr im September statt.
- Das Kurbad Oeynhausen, Kreis Minden-Lübbecke an der Märchenstraße führt vom 17.-19.
Februar 2012 die Veranstaltung „Bad Oeynhausen liest Märchen“ durch.
Infos über Tel. 05731-1300. Die Märchenstraße ist 600 km lang und führt zu Orten, die mit
Märchen in Verbindung stehen.

Anhang: Titelblatt der Erzählung über die Thür. Prinzessin Radegunde von Ute Hinkeldein
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1 Kommentar
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 29.01.2012 | 12:53  
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