100 Mal in China

Erich ­Albrechts Umgebung sieht man an, dass er ein China-Fan ist.
 
Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt Erich Albrecht viele bekannte Persönlichkeiten kennen. Hier ist er im Gespräch mit Richard von Weizäcker. (Foto: Erich Albrecht / privat)
Einmal im Leben nach China und dort zu den Shaolinmönchen. Davon träumt mancher Kampfsportler. Erich Albrecht ist da keine Ausnahme. 1998 ging sein Traum in Erfüllung. Allerdings hatte der Kampfsportmeister nicht gedacht, dass diese Reise sein Leben derart verändern würde.

 Fünfzehn Jahre und Tausende zurückgelegte Luftmeilen später findet er die Entwicklung immer noch unglaublich. Wer ihn kennt, wundert sich nicht. Dass er schon bei seinem ersten Besuch entgegen der Empfehlung allein loszieht, um Land und Leute kennenzulernen, vor allem Kampfsportler, scheint klar. Bald schon landet er in Pekings größter staatlicher Kampfsportschule, lernt in Xi Xing Peng einen Mönch und späteren Freund kennen, der ihn nach Shaolin einlädt. Ein Jahr später holt Erich Albrecht zum ersten Mal eine Shaolin-Show nach Deutschland. Und das ist erst der Anfang.
 In diesen Tagen ist Erich Albrecht wieder in China. Wie so oft, bis zu acht Mal im Jahr. Die Zeit dafür nimmt er sich, seine Kampfsportschule hat er jemand anderem überlassen, seine Frau hält ihm den Rücken frei. Ohne sie könnte er sich nicht so engagieren.

 Diesmal ist es eine besondere Reise, die einhundertste. Für ihn nur eine Zahl. Randvoll ist der Terminkalender. Für Sport bleibt keine Zeit. Dabei denkt der Kampfsportler gern daran, wie er von den Shaolinmönchen lernen, mit ihnen trainieren durfte. „Sie machen vieles anders, als wir es gelernt haben. “ Inzwischen versteht er sie alle, beherrscht längst die Sprache. Als Erich Albrecht an einem Straßenimbiss mit Händen und Füßen zu erklären versuchte, dass er eine Hühnersuppe möchte und daraufhin eine Schüssel mit einem Frosch darin bekam, beschloss er, Chinesisch zu lernen.

 Ohne Dolmetscher lässt sich alles direkter sagen. Auch Freundschaften entstehen eher. Die Chinesen ­machen es anderen Menschen einfach, Freundschaft zu schließen. „Überall ist man willlkommen, wird herzlich aufgenommen“, erfährt Erich Albrecht immer wieder. Er mag die Mentalität dieser Menschen sehr. Es werden immer mehr, die den Deutschen kennenlernen wollen. Selbst Obrigkeiten werden aufmerksam auf den rührigen, weltoffenen Mann.

 Es dauert nicht lange, bis sich Erfurt und die chinesische Stadt Xuzhou näherkommen, es folgen Besuche Erfurter Persönlichkeiten. Im November 2005 wird der Vertrag über die Städtepartnerschaft unterzeichnet. Ein Jahr zuvor beruft der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) Erich Albrecht zum China-Beauftragten für Hessen und Thüringen. Weil auch außerhalb dieser Kompetenzen chinesische Geschäftsleute bei Treffen mit deutschen Partnern immer wieder nach ihm fragen, wird er der Leiter der ständigen Vertretung des BVMW. Mit dem zentralen Büro in Peking und den zwölf Kontaktbüros in der chinesischen Provinz hält er ständig Kontakt.

 Immer hat er zu tun, führt Gespräche, knüpft Verbindungen, bringt deutsche Unternehmer nach China oder vermittelt chinesischen Delegationen eine Weiterbildung in Deutschland. In diesen Tagen hat er in China mit meherern Projekten zu tun, es geht um den Neubau von zwei Brauereien, um ein Bio-Kraftwerk, eine Schnapsbrennerei und andere deutsche Investitionen. So ganz ‚nebenbei‘ hat Albrecht in den vergangenen fünf Jahren viel recherchiert und ein Buch geschrieben über das ehemalige deutsche Pachtgebiet Tsingtau in China.

 Dass er noch in diesem Jahr 65 wird, tut seiner Energie keinen Abbruch. „So lange es die Gesundheit erlaubt, mache ich weiter“, verspricht er. Die, mit denen er zu tun hat, bitten schon lange: „Hör bloß nicht auf!“
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