Ab 5 Uhr wird‘s very british: Bei einem Tässchen Tee plaudert diese Erfurter Runde nur noch englisch

Der „Five o‘clock tea“ findet immer um 17 Uhr am letzten Mittwoch im Monat statt, (Foto: Colourbox)
 
"Es lässt sich besser reden, wenn man etwas Flüssiges dabei hat", sagt Tee- und Englandfreundin Sigrid Rothe.
Erfurt: Evangelische Studentengemeinde |

Sigrid Rothe schüttet Earl Grey in die Tasse. Sehr stilsicher für einen „Five o‘clock tea“.

„Naja“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Es ist eben meine Lieblingssorte. Dies hier ist nicht der typische englische Nachmittagstee mit Scones und allem, was dazu gehört. Das wäre mir auch zu kompliziert. Ich koche einfach Tee und dann sitzen wir zusammen. Es lässt sich besser reden, wenn man etwas Flüssiges dabei hat.“

An jedem letzten Mittwoch im Monat kommt die Gruppe nunmehr im vierten Jahr in der Erfurter Altstadt zusammen und spricht englisch. Weil die Mitglieder Sehnsucht nach der Sprache haben oder sie wachhalten wollen, weil sie englischsprachige Verwandte haben oder weil sie einige Zeit im Ausland lebten und den erworbenen ­Wortschatz nicht verlieren möchten.

Für ein, zwei Stündchen fällt kein deutsches Wort


„Das sind sehr interessante Leute, die viel zu erzählen haben“, sagt Rothe. Sie reden über ihr Praktikum in England, über die Reise nach Südafrika, das lesenswerte Buch oder die interessante Ausstellung. Manchmal spielen sie ein Spiel – für dieses Treffen hat Rothe ein englisches Tierquartett mitgebracht.

Und für ein, zwei Stündchen fällt kein deutsches Wort. „Es kann natürlich vorkommen, dass jemand in der Hitze des Gefechts kurz ins Deutsche verfällt oder ihm eine Vokabel fehlt“, gesteht die ehrenamtliche Leiterin und gelernte Psychologin. Deshalb sei aber niemand „not amused“.

„Es ist keine Englischlektion, die wir erteilen, kein Unterricht. Es ist reine Konversa­tion, es wird nicht verbessert oder geschulmeistert – es sei denn, dies wird ausdrücklich gewünscht“, erklärt Rothe, die selbst schon seit Teenager-Zeiten Briefkontakt mit der fernen Verwandtschaft in den USA und Australien pflegt. Mit jedem Besuch, weiß sie, baue sich anfängliche Scheu ab. „Hier sind Gleiche unter Gleichen. Jeder redet, wie er kann.“

Hintergrund

• Die Britische Teekultur entstand bereits im 17.  ­Jahrhundert. Vor allem der Nach­mittagstee wird oftmals zelebriert und nach ­bestimmten Regeln serviert. Briten trinken fast ausschließlich schwarzen Tee und diesen meistens mit Milch. Die Frage, ob zuerst der Tee eingegossen wird oder die Milch, ist im Königreich eine richtige Streitfrage zwischen den Mif- (Milk-in-first) und den Tif-Anhängern (Tea-in-first).

• Sprechen lernt man durch sprechen – da sind sich die Lernforscher einig. Unser Sprachgefühl braucht Intuition und diese kommt durch wiederholte Praxis. Eine Fremdsprache ohne Unterricht zu erlernen, nur durch das Eintauchen in den Alltag, wird als Immersion beschrieben.

• Immer sinnvoll ist es, beim Lernen möglichst viele Sinne anzusprechen – zum Beispiel durch den Geschmack einer Tasse Tee oder die Fotos einer Reisebeschreibung. Und wer seine eigenen Erlebnisse schildert, profitiert vom Selbst-Referenz-Effekt. Dieses psychologische Phänomen beschreibt, dass etwas besonders gut ins Gedächtnis wandert, wenn es zur eigenen Person in Beziehung steht.

Kontakt:
Der „Five o‘clock tea“ findet immer um 17 Uhr am letzten Mittwoch im Monat statt, das nächste Mal am 30. März. Treffpunkt ist die Evangelische Studentengemeinde, Allerheiligenstraße 15 in Erfurt. Anmeldung und nähere Informationen: Annegret Kaminski, Telefon  03 61 / 5 66 17 01, E-Mail: a.kaminski@eebt.de
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Renate Jung aus Erfurt | 11.03.2016 | 20:05  
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