Alle Jahre wieder nicht - Weihnachtsmuffeln boykottieren die Weihnachtstage

Weihnachtsmuffel Eva Jung: "Ich verstehe nicht, warum zu Weihnachten alle Welt meint, die Kirchen bevölkern zu müssen. Ich muss mir die gleiche Geschichte nicht jedes Jahr erzählen lassen."
Eva Jung kann Weihnachten nicht leiden. Seit drei Jahren betreibt die 42-jährige Hamburgerin eine Internetseite namens www.weihnachtsmuffel.com, die sich dieser Tage wieder wachsender Beliebtheit erfreut. Denn hier gibt Jung dem „Festus ignorantis" viele Tipps für ein Leben ohne Lametta & Co.

„Ich bin einfach kein Alle- Jahre-wieder-Typ und verstehe auch nicht, warum manche Leute so auf Traditionen beharren und immer wieder gleich feiern müssen." Weihnachtsschmuck bezeichnet die Norddeutsche als Tüddelkram und die Bescherung als Geschenkeschlacht. Tannenzweige erinnern sie an Friedhof. Und überhaupt: „Alle meinen, gerade im Spendenmonat etwas Gutes tun zu müssen. Die Bettelbriefe verstopfen ja schon den Briefkasten." Besonders hohen Nervfaktor haben für die Chefin einer Werbeagentur die „Hardcore-Lichtorgeln in den Fenstern" und „diese gefühlsduselige Weihnachtsmusik mit ihren teils strunzdoofen Texten".

Die Weihnachtswiderständlerin steht mit ihrer Meinung beileibe nicht alleine da. 19 Prozent der Deutschen würden nach einer Umfrage der Apotheken- Umschau das Weihnachtsfest am liebsten abschaffen. Die Weihnachtsgegner beklagen Konsumterror, Familienfehden, geheuchelte Harmonie, Kitsch und einfallslose Geschenke. „Ich finde es vor allem extrem schade, dass bei all dem Glimmer die eigentliche Botschaft verschwindet", beschwert sich Eva Jung, die sich mit anderen Webseiten auch für christliche Inhalte stark macht. „Als Gottes Sohn auf die Welt kam, lag kein Schnee in Bethlehem. Es gab keine Tanne und keine offenen Häuschen mit Ochse, Esel und einem Pappstern auf dem Dach."

Jung bekräftigt, grundsätzlich kein Griesgram zu sein. Gerne würde sie unklassische Weihnachten mit Freunden feiern, essen und spielen. „Leider sitzen Heilig Abend alle immer mit ihren Familien unterm Baum."

Ein passendes Angebot für sie und alle Gleichgesinnten hätte ein Hotel im Ostseebad Zinnowitz parat. „Weihnachten für Weihnachtsmuffel" bieten die Usedomer an. „Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wirklich ein Markt vorhanden ist für Urlaub ohne Weihnachtsmusik, Dekoration und Bescherung", sagt Roland Treutlein, Direktionsassistent der „Casa Familia". Die Ferienstätte setzt auf ein garantiert weihnachtsfreies Alternativprogramm mit Fackelwanderung, Glühweinparty und Wellness. „In ganz Deutschland haben wir noch kein derartiges Angebot gefunden."



ALTERNATIV-TIPPS

• Ab in den Urlaub: Wellness statt Weihnacht, Palmen statt Plätzchen, Ski statt Schenken. Beliebte Reiseziele für Weihnachtsmuffel sind abgelegene Hütten oder Länder, in denen Heilig Abend nicht gefeiert wird. Ferienexpertin Christin Heym vom AA-Reisemarkt rät: „Am schwedischen Polarkreis können die Urlauber weit weg vom Trubel Iglus bauen, Rentiere streicheln und das Polarlicht erleben."

• Gutes tun: Eine Übersicht der Thüringer Ehrenamtsbeauftragten gibt es unter www.thueringerehrenamtsstiftung.de.

• Zeit zum Lesen: Buchtipps für Muffel sind „Das Weihnachtshasser-Buch" von Satiriker Dietmar Bittrich oder der Kriminalroman „Der Club der Weihnachtshasser" von Michael Curtin.

• DVD gucken: Der ultimative Tipp für Weihnachtsgegner ist die Horrorkomödie „Santa’s Slay", „Verrückte Weihnachten" oder „Bad Santa".


INFOS

www.weihnachtsmuffel.com

www.casafamilia.de
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