Ansichtssache: Fleischliche Gelüste

Es muss nicht immer Fleisch sein. Wurst tut es auch.
Erfurt: ... | Ich bin bei meiner Freundin Gudrun zu Besuch und es duftet abartig gut nach angebratenem Fleisch. Über die Theke der offenen Küche unterhalten wir uns. Der Fleischgeruch nebelt mein Hirn ein und nach einer Weile gebe ich keine klaren Antworten mehr auf Gudruns Fragen. Soll ich dir zwei Scheiben mitgeben, wenn der Braten fertig ist?, will sie wissen. Ich nicke. Sprechen kann ich nicht, weil ich gerade an meiner eigenen Spucke zu ertrinken drohe.
Endlich liegt das Fleisch im Tuppergefäß und ich muss dann auch gleich los. Wenn es nicht so kalt - und außerdem barbarisch - wäre, würde ich mich schon im Auto über den Braten hermachen. Aber ich ermahne mich zur Contenance. Auf der kurzen Fahrt nach Hause wird der Bratenduft übermächtig und ich sinne darüber nach, ob ich Kartoffeln kochen oder eine frische Scheibe Brot unter das Fleisch legen soll. An anderen Tagen suche ich lange einen Parkplatz, damit das Auto sicher steht und keinen Grund für das Verabreichen von Knöllchen bietet. Heute ist das nicht so wichtig und ich setze auf die Toleranz der Ordnungshüter. Sonst muss ich auf meinem Weg in den fünften Stock mindestens einmal pausieren - heute geht das ohne Unterbrechung. Zwischen Stock vier und fünf habe ich die Kartoffeln bereits verworfen. Und dann liegt der Braten endlich auf dem Teller... - und ich pfeife auf das Brot. Manchmal ist man ihnen eben rettungslos verfallen - den fleischlichen Gelüsten.
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2 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 01.01.2016 | 10:30  
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Renate Jung aus Erfurt | 01.01.2016 | 13:53  
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