Ansichtssache: Ruf mich an! - Über die neue verwirrende Art zu telefonieren

Es gab eine Zeit, da hatten nur Bodyguards, Callcenter-Agenten und TV-Moderatoren einen Knopf im Ohr. Mittlerweile laufen sie überall herum und reden drauf los. (Foto: Konstantin Gastmann / pixelio.de)

Ich falle immer wieder darauf herein. Ständig denke ich, wildfremde Menschen würden urplötzlich ein Gespräch mit mir beginnen, indem sie mir etwas mitteilen, das völlig aus jedem Zusammenhang gerissen ist.

Dann erkenne ich: Sie reden gar nicht mit mir, sondern telefonieren über ein verdecktes Mikro und einen Knopf im Ohr, geheim verkabelt wie ein Polizeispitzel

Dann gibt es noch eine andere Gruppe. Sie tragen ihr Handy vor sich her, als würden sie es dem Nächstbesten in die Hand drücken wollen. Doch auch sie telefonieren. Das Wort „anrufen“ bekommt hier eine völlig neue ­Bedeutung, denn sie krakeelen ihr Handy mit scheinbar gebotenem ­Abstand an. Als würde man sich eine Erkältung einfangen, wenn man es zu nah ans Gesicht hält.

Wie Soldaten, die ins Walkie-Talkie brüllen.


Die andere Stimme aus dem Lautsprecher ruft permanent zurück und ist somit für absolut alle Umstehenden gut zu vernehmen. Es hat ein bisschen etwas von alten Militärserien, in denen sich die Soldaten mit Walkie-Talkies die Befehle zubrüllen.

Im Wagen nutzt man die Freisprechfunktion, um die Hände frei fürs Steuer zu haben. Wozu aber per pedes? Wenn Sie es wissen, rufen Sie mich doch an. Und halten Sie das Telefon dabei bitte an Mund und Ohr.
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Renate Jung aus Erfurt | 30.08.2015 | 00:22  
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