Bach-Nachfahre lebt in Wechmar und hat am Bach-Geburtstag Goldene Hochzeit

Elmar von Kolson blättert in einem der Bücher, die die lange Geschichte der Familie Bach und der von Kolsons erzählen.
 
Das Ehepaar von Kolson restaurierte mit einem riesigen Aufwand einen Teil der "Alten Schule" in Wechmar. Sie wohnenauch in der Bach-Gedenkstätte, hier lehrten im 18. Jahrhundert Ernst Carl Gottfried Bach und sein Bruder Ernst Christian Bach.
Bach lebt: In Wechmar lebt der Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel Johann Sebastian Bachs, der sich sehr für den Erhalt eines Denkmals einsetzt


"Wir haben uns sofort verliebt." Ausnahmsweise wandern Elmar von Kolsons Gedanken nicht zurück in die Zeit vor mehr als 50 Jahren, als er seiner Renate zum ersten Mal begegnete. Eine andere Liebe meint er, eine spätere, fast ebenso intensive: Eine schriftliche Einladung hatte den Niedersachsen und seine Frau im Jahr 2000 ins thüringische Wechmar geführt, dort wollte man mit einem Festival zu seinem 250. Todestag des Musikgenies Johann Sebastian Bach besonders gedenken.


Das ist naheliegend, atmet das ganze Dorf doch Bach. Hier steht die Wiege Bachscher Musikalität, in Wechmar war Veit Bach zu Hause, der Ururgroßvater Johann Sebastians, betrieb seine Bäckerei. Dass Bürgermeister Knut Kreuch und der rührige Heimatverein zu den Feierlichkeiten im Bach-Stammort auch Nachfahren des großenn deutschen Komponisten begrüßen wollten, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall. Wenn auch Elmar zwar ein echter Bach ist, so haderte er in Jugendzeiten manchmal damit, von der berühmten Verwandtschaft zu erzählen. Ein bisschen auf der Gitarre herumklimpern, das hätte ja noch funktioniert. Doch wirkliche Musikalität wurde ihm dem späteren Lehrer, nicht wirklich in die Wiege gelegt. "Aber das Radio kann ich perfekt spielen", schwört er.

Überwältigendes Wechmar


"Wir waren begeistert", erinnert sich Elmar von Kolson an seine erste überwältigende Wechmar-Begegnung. Er, der heute 77-jährige Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel von Johann Sebastian Bach, schwärmt wie seine Frau noch heute von der für sie ungewohnten Stimmung. "Es war eine wunderbare, offene Atmosphäre hier, eine tolle Gemeinschaft. Und ein Heimatvereins-Chef, der alle mitzieht. Wir haben uns sofort in die Menschen, in das Miteinander verliebt. Das hier war wie eine große Familie." Auch der Ort selbst fasziniert das Ehepaar. So sehr, dass die von Kolsons drei Jahre später alle Brücken abbrechen und nach Wechmar ziehen.


Es ist ein ungewöhnlicher Ort, der ihr neues Zuhause werden soll, ein erinnerungswürdiger. Ein Teil der "Alten Schule", ein sehr sanierungsbedürftiges Denkmal, das - natürlich - mit der Familie Bach zu tun hat. Im 18. Jahrhundert lehrten hier Ernst Carl Gottfried Bach und sein Bruder Ernst Christian Bach. Ein Ort, der erhalten werden muss, befinden Elmar und Renate. Hätten sie damals geahnt, welche immense Aufgabe sie sich aufbürden - hätten sie mit dem Wissen von heute den Schritt gewagt? Es ist müßig, darüber nachzudenken. Erst nach und nach entpuppt sich das Haus als mehr als viel mehr als nur renovierungsbedürftig. Alle ihre Energie müssen sie aufbringen, sogar ihr Haus in Niedersachsen verkaufen, das neue Zuhause ist fordernd, mächtig vereinnahmend. So viel müssen sie erneuern, so viel möchten sie im Ursprungszustand erhalten. An einen Urlaub ist seit Jahren nicht mehr zu denken, auch bei dem Ehepaar selbst hinterlässt es Spuren, sie sind nicht mehr so gesund wie vor Jahren. Doch die von Kolsons glauben an das Haus. "Plötzlich fängt es an zu erzählen", schwärmt Elmar. Alte Tonscherben oder Ofenkacheln mit dem Wappen der Grafschaft Gleichen kommen bei den Bauarbeiten zum Vorschein, berichten von vergangenen Zeiten. So wird auch bewiesen, dass hier vor dem Schul-Bau das Wechmarer Pfarrhaus stand.

Sanierung der "Alten Schule"


Dass sie für vor sechs Jahren für ihr großes persönliches Engagement für den Wiederaufbau der "Alten Schule" das Bundesverdienstkreuz erhalten haben, darüber wollen Elmar und Renate von Kolson gar nicht reden. Mit dem Haus haben sie Wechmar mit seinem Bachhaus und der alten Mühle zu noch mehr Bekanntheit verhelfen können. "Das ist einfach unser Beitrag zum Thema Bach", bleibt der Bach-Nachfahre bescheiden. Er sieht es als selbstverständlich an, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Deshalb habe er sich auch gern in der Backstube bei Projekten für Kinder engagiert, seine Frau für eine verlässlich geöffnete Kirche gesorgt. "Das macht einfach Freude." Heute sind die von Kolsons längst in Wechmar zu Hause. Es ist ruhiger um sie geworden, sie haben sich ein wenig zurückgezogen, seit die Gesundheit Sorgen bereitet. Doch beim Thema Bach beginnen ihre Augen zu leuchten. "Ist das Herz voll, läuft der Mund über", sagt er entschuldigend, wenn er über die Geschichte der Familie zu erzählen beginnt, ihm immer neues Überliefertes einfällt. Dabei genießt er es sehr, hier zu sein. "Wir sind in einem Ort, in dem Veit Bach gelebt hat, sehen dasselbe, was auch er einst sah. Das berührt uns." Der 21. März wird ein besonderer Tag im Leben der von Kolsons. Nicht nur, weil Johann Sebastian Bach an diesem Tag zur Welt kam. Es ist auch der Tag der Eheschließung von Renate und Elmar, in diesem Jahr zum 50. Mal.




Bach & und die von Kolsons


Die Kolsons stammen in direkter Blutlinie von Johann Sebastian Bach ab. Eine Zeitlang wurde Kolson mit "C" geschrieben, das hatte ein schlesischer Standesbeamter zu verantworten. Nach Schlesien hatte es im späten 18. Jahrhundert die Familie des Ingenieurs und Lehrers Johann Christoph Friedrich von Colson (Kolson) verschlagen, er hatte zuvor Anna Philippina Carolina Bach geheiratet, eine Tochter von Johann Christoph Friedrich, dem 1732 geborenen ältesten Sohn Johann Sebastians aus zweiter Ehe. Elmar von Kolson ist die siebte Bach-Generation, also der Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel Johann Sebastian Bachs.


Thüringer Bachwochen


Bachs Musik an authentischen Orten: Das ist ein großer Reiz der Thüringer Bachwochen, in diesem Jahr vom 7. April bis zum 1. Mai. Infos: www.thueringer-bachwochen.de
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