Bauhütte in Mühlhausen, Sanieren wie beim Arzt: Anamnese, Diagnose, Therapie

Hier haben die Mühlhäuser mal in Wiehe in einer Kirche geplant. Die Decke ist nun wieder hell und freundlich, wie sie es viele Jahrhunderte lang war. Foto: Heyder
 

Mühlhäuser Bauhütte mag vor allem die Herausforderungen historischer Gebäude

Die Bauhütte in Mühlhausen wird da tätig, wo es um alte Gemäuer geht. Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, sieht an vielen Orten, wo die Mühlhäuser Architekten Altes wieder instand gesetzt haben. Für den Umbau des ehemaligen Klosterhofs am Untermarkt, 1550 neu errichtet, zu einer altersgerechten Pflegeeinrichtung, gab es den Thüringer Denkmalspreis. Und für die Planung und Sanierung der Gebäudeanlage Güldene Ecke war es sogar der Bundespreis für Denkmalpflege. Auch bei der Instandsetzung und beim Umbau der Herrenmühle zu Kultureinrichtung in Heiligenstadt, haben sie Hand angelegt. Seit inzwischen 17 Jahren gibt es zudem die Zusammenarbeit mit der ev. Gemeinde in Wiehe, deren Bartholomäuskirche bis nach der Wende vernachlässigt wurde und nun Stück für Stück erneuert wird. Architekt Arved Danz sprach über seine Arbeit.

Haben Sie sich als Bauhütte auf die Sanierung alter Gemäuer spezialisiert?
Die Instandsetzung historischer Gebäude, Burgen, Schlösser und Kirchen ist sogar unser Hauptbetätigungsfeld. Diese Bauaufgaben sind immer etwas Einmaliges, denn es geht immer um Unikate und das macht uns besonders große Freude.

Was ist denn die große Herausforderung bei solch alten Gebäuden?
Es gibt keine oder nur wenige standardisierte Lösungen – jedes historische Bauwerk erfordert eine eigene genaue Analyse und darauf aufbauend die Lösung. Wir gehen vor wie Ärzte: Anamnese, Diagnose, Therapie. Jedes historische Bauwerk wartet mit Überraschungen auf uns – in positiver aber auch negativer Hinsicht.

Bei alten Maschinen fehlen ja oft mal die Ersatzteile? Wie ist das bei alten Gebäuden, lässt sich da alles beliebig wieder herstellen?
Denkmalpflegerische und restauratorische Maßnahmen sind heute technisch sehr ausgereift und lassen tatsächlich vieles zu. Wichtiger ist aber im Vorfeld mit allen Beteiligten, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wie mit dem Bauwerk umzugehen ist – also welche Bauteile nur konserviert werden, welche restauriert oder welche gar rekonstruiert werden – das ist immer eine Einzelfalllösung im Gesamtkontext.

In Wiehe arbeiten Sie schon lange mit der ev. Kirchgemeinde zusammen, nun ist beispielsweise dort der erste Bauabschnitt des Innenausbaus erledigt. Welche Überraschungen warten bei der Arbeit an so alten Objekten?
In Wiehe haben wir den ersten Abschnitt der Innenraumsanierung abgeschlossen. Die Jahre zuvor haben wir in vielen Abschnitten die gesamte Außenhülle instandgesetzt. Die Überraschungen reichen vom dann doch gefundenen Befall durch den echten Hausschwamm (nicht in Wiehe, aber sonst doch sehr häufig) bis zur Entdeckung einer mittelalterlichen Christusfigur beim Öffnen einer Gruft (so in Wiehe geschehen).

Was genau war das für ein Schatz?
Die Ölbergfigur wurde 2004 bei Sanierungsarbeiten am Turm in der Oertelschen Familiengruft entdeckt. Die sehr alte Holzfigur stellt den betenden Christus aus der Ölberggruppe dar, die um 1500 entstanden ist. Der Figur waren Nase und Hände abgeschlagen worden. Unmittelbar nach der Entdeckung wurde sie nach Erfurt zur Restaurierung gegeben und 2007 konnte sie wieder zu Ostern in der Kirche von der Gemeinde empfangen werden. Sie steht nun im Altarraum.


Weitere Objekte: www.diebauhuette.de
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