Beim Blitz des Zeus: Wieland Henze aus Weimar steigt als Göttervater in die Bütt

Karneval 2010: Wieland Henze steigt als Zeus vom Olymp.
Er befiehlt den Donner und wirft mit Blitzen um sich. Steht Wieland Henze in der Bütt, ist er nicht von dieser Welt. Er kommt direkt vom Olymp, um uns als Zeus mit göttlicher Verschmitztheit den Spiegel vorzuhalten.

Im wirklichen Leben ist der 48-Jährige in Weimar zu Hause, trägt Jeans und Strickpullover statt weißem Gewand, lacht liebend gern und verabscheut majestätischen Habitus. Natürlich weiß der Gymnasiallehrer für Mathematik und Chemie ganz genau, wie die Sache mit den Blitzen tatsächlich funktioniert. Aber was wäre eine Show ohne Illusion? Der moderne Zeus hilft da schon mal mit LED-Blitz nach.

Seit Wieland Henze vor gut 20 Jahren bei seinem Bütt- Debüt einen Reporter mimte, hat er ein feines Gespür für Pointen entwickelt. Und für Figuren. "Ich war Aladin, Nobelpreisträger, Sponsor, König von Deutschland und Kaiser von China", zählt er auf und kann aus jeder Büttenrede heute noch zitieren. Denn wichtiger als die Verpackung ist der spitzfindige, oft politische Inhalt. Und der gefiel und gefällt dem närrischen Volk. Das Resultat: Immer mehr Auftritte auch außerhalb Weimars und der Titel "Bester Büttenredner Mitteldeutschlands."
Das kommt nicht von ungefähr. Denn Zeus hin oder her: Geistesblitze folgen ihren eigenen Gesetzen. Henze hält sie fest, wann immer sie zucken. "Jedes Jahr im Oktober wird die Datensammlung in Form gebracht, ein roter Faden eingewebt und gereimt." Das erste Skript zählt rund 2500 Worte. Gut 1000 zuviel für einen kurzweiligen Vortrag. "Also muss ich redigieren, komprimieren, mich von lieb gewonnenen Inhalten trennen. Das ist das Schwierigste", gesteht der Weimarer. Seine erste Kritikerin ist seine Frau. "Habe ich zuviel Blödsinn und zu wenig Ernsthaftes geschrieben, werde ich in meine Kammer zurückgeschickt", scherzt er. Dabei ist es er selbst, der den höchsten Anspruch an sich stellt: "Flache Unterhaltung gibt es genug. Ich will nicht nur Dummfug reden, sondern zum Mitdenken animieren." Kabarettisten wie Georg Schramm und Urban Priol schätzt er sehr.

Wieland Henze ist ein gläubiger Mensch, engagiert sich im Kirchenrat und für die junge Gemeinde. Nach König, Kaiser und Zeus, wen persifliert er im nächsten Jahr - etwa den Papst? "Kirchliche Würdenträger kommen nicht infrage", wehrt er ab. Er bleibt lieber in der Mythologie, legt das üppige Haupthaar und den Bart für Zeus an - und schon lässt sich hinter dem Pelz der Familienvater und Lehrer kaum noch erahnen. (Januar 2010)
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