Brodelnde Leidenschaft: Der Jenaer Geophysiker Steffen Graupner erforscht Vulkane

Steffen Graupner studierte Geophysik in Jena.
 
Steffen Graupner am Vulkan Ertale in Äthiopien.
Kleine Rauchwolken stoßen aus dem Vulkanschlot. Doch statt nach Schwefel riecht es nach Weihrauch. Auf dem Schreibtisch von Steffen Graupner steht ein Vulkan im Miniaturformat, aktiviert durch eine Räucherkerze. "Der ist selbst gebaut", sagt der Jenenser mit gewinnendem Lächeln. Logisch. Was soll ein Vulkanologe auch mit einem normalen Räuchermännchen!

Graupner lebt mitten in Thüringen, fernab von jedem Lavastrom. Wie er zu diesem Wissenschaftszweig kam, ist schnell erklärt. Er studierte Physik, als er beim Trekking in Nepal das Bergsteigen für sich entdeckte. Um Hobby und Beruf zu verbinden, schwenkte er nach dem Vordiplom auf Geophysik um. Die Leidenschaft begann zu brodeln. "Du hörst in der Vorlesung von Vulkanen, Magma und Ascheeruptionen. Das willst du unbedingt sehen."

Steffen Graupner wird zum Weltenbummler. Er erkundet Vulkane in Indonesien und Kolumbien, blickt in den Krater des Ertale in Äthiopien, der seit Jahrzehnten aktiv ist und die Lava friedlich vor sich hinkochen lässt. Mehr als 30 Länder kennt er aus eigenem Erleben. Ihm wird klar: "Erst wenn ich Schwerpunkte setze, erreiche ich gedankliche Tiefe."

Es sind die Länder der einstigen Sowjetunion, die ihn nicht mehr loslassen. Allen voran Kamtschatka. "Diese wahnsinnig weite, unberührte Landschaft erscheint wie das Labor der Erde", begeistert er sich für die am Pazifik gelegene Halbinsel im äußeren Osten Sibiriens. "Es gibt Geysire, Thermalquellen und 160 Vulkane, von denen 30 aktiv sind." Ein Paradies für den Geophysiker. "Hier verwischt keine menschliche Besiedlung die Spuren erdgeschichtlicher Vergangenheit." Graupner zeigt Bilder von blauen Kraterseen, in denen Eisschollen schwimmen. Erzählt von Schneefeldern und kleinen Gletschern, aus denen sich brodelnde Krater erheben. "Dieses Wechselspiel von Feuer und Eis entführt in eine surreale Welt."

Etwa ein Viertel des Jahres ist Steffen Graupner unterwegs - auf eigener Entdeckungstour und als Tourenleiter. "Jede Reise braucht viel Vor- und Nacharbeit", räumt er ein. In wandhohen Regalen in seinem Arbeitszimmer stapeln sich Reise- und Geschichtsbücher, Ordner und Dokumente. Der Computer speichert einen unerschöpflichen Bilderfundus. Als Reisejournalist und Referent lässt der 37-Jährige andere an seinen Erlebnissen teilhaben.
Gerade entwirft er das Plakat für den nächsten Vortrag. Thema: Seine Expedition nach "Fernost". So nennen die Russen jenen Teil ihres Riesenreiches, der irgendwo hinter dem Baikal beginnt und am Nordpazifik endet. Im allerfernsten Osten liegt die Halbinsel Tschukotka. "Acht Monate im Jahr ist sie fest eingeschlossen vom Eis der Beringsee und des arktischen Ozeans", erklärt Graupner. Die raue Arktis bestimmt den Takt des Lebens. Mit Ski, Schneemobil und Kettenpanzer reiste er tief in die Tundra zu Rentiernomaden, feierte mit ihnen Mitte April das Frühlingsfest. Bei Minus 43 Grad. "Gegen Kälte kann man sich schützen", winkt Graupner ab. Und fröstelt doch, wenn er bei diesem Wetter mit dem Rad zur Uni fährt.


Zur Person: Steffen Graupner (37) studierte in seiner Heimatstadt Jena Geophysik, schreibt seine Doktorarbeit über seismische Vulkansignale. Der passionierte Bergsteiger arbeitet als freischaffender Reiseleiter (Diamir-Erlebnisreisen), Diareferent und Reisejournalist. (Januar 2010)
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
418
Ingo Heidenreich aus Artern | 07.03.2011 | 22:01  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige