Das Leben eines Rockstars

Aus dem Handgelenk schüttelt Frank-Johannes Mehnert echte Abenteuer. Foto: Heyder
Arnstadt: Frank Mehnert | Frank-Johannes Mehnert (61) erlebte als Barkeeper in der DDR allerlei Abenteuer bildet und heute als Dozent den Nachwuchs hinter der Bar aus.

Die Bassgitarre spielte Frank- Johannes Mehnert ganz ordentlich. Auch am Schlagzeug war er geschickt. Damals, vor über 40 Jahren, bei seiner "Combo Metronom Dresden". Er hätte sich das Leben eines Rockstars aussuchen können.

Er entschied sich aber anders, wurde Kellner und schließlich Barkeeper. Und dennoch, wenn der heute 61-Jährige über sein Leben resümiert, über seine Abenteuer in der ganzen Welt, dann kommt kein Zweifel auf: Mehnert ließ es so richtig krachen. Er führte das Leben eines Rockstars.

Mittlerweile lebt der gebürtige Sachse richtig bürgerlich. Wer seine Arnstädter Wohnung betritt, zieht erst einmal die Straßenschuhe aus und die Hausschlappen an. Als freier Dozent in der Berufsbildung arbeitet die frühere Nachteule jetzt nur noch bei Tageslicht. Er ist Vorsitzender der Deutschen Barkeeper- Union Thüringen und als mehrfacher Preisträger ein gefragter Fachmann und Juror bei Weltmeisterschaften.

Doch seine Erlebnisse klingen wie einem Film entsprungen. Sie drehen sich um Sex, Alkohol und Partys. Die Geschichten füllen ein ganzes Buch, "Gemixte Barkeeperplaudereien" hat er es genannt. "Die Namen der Akteure habe ich verändert", gesteht der Autor, der als Barkeeper das Schweigegelübde mit Ärzten und Priestern gemeinsam hat.

Schon als Barkeeper im DDR-Interhotel wusste er, wie man um die Stasi einen Bogen machte. Die Schnüffler standen häufig an seinem Tresen, "denn meine Gäste kamen auch aus dem kapitalistischen Ausland". Kundschaft, die viele Vorteile mit sich brachte: Mehnert hatte stets Westgeld in den Taschen, tauschte die "blauen Fliesen" gewinnbringend ein oder gab sie im Intershop aus.

An seiner Bar saßen die Mächtigen, die Stars, skurrile Typen und Normalos. Ein Kopfnicken, ein Lächeln genügte, um sie alle zum Reden zu bringen. Wenn der Alkohol die Zunge löste, wurde Mehnert zum Beichtvater des Hauses, ließ sich als Bar-Psychologe ein Ohr abkauen oder mutierte zum seelischen Mülleimer.

Als Gentleman-Barkeeper benötigt er keine lässigen Gesten. Beim Mixen und Shaken muss er sich nicht verrenken. Viel wichtiger: dass der Drink die Geschmacksknospen der Zunge aufblühen lässt. Mehnert arbeitet ruhig, schnell und konzentriert. Mit spielerischer Leichtigkeit bringt er mehrere Dinge gleichzeitig auf die Reihe, hat 150 Rezepte im Kopf. Dies klappt nur mit der nötigen Ordnung. "Ich weiß noch heute, in welcher Reihenfolge vor 40 Jahren meine Flaschen standen."


ZUR PERSON
• 1948 in Dresden geboren
• Ausbildung zum Kellner im Elbe-Hotel Dresden
• 1968 bis 1980 Kellner, dann Barkeeper und später Barchef im Interhotel Suhl
• Zwei Jahre Restaurantleiter im Suhler Waffenschmied
• Seit der Wende Dozent, seit 2004 selbstständig
• Vorsitzender der Deutschen Barkeeper-Union in Thüringen
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