Der Latte-Machiato-Vater

Wer mich kennt, weiß, dass ich liberal bin. Aus
altem Arbeiteradel (West) stammend sind mir Kinderprobleme nicht fremd, zumal ich zwei Jahrzehnte Schwimmtrainer für I-Dötzchen war.Aber heute habe ich den Glauben an die Menschheit verloren.
Wie häufig an Wochenenden genoss ich das Leben in vollen Zügen - ich saß im ICE ab Frankfurt/Main.
Weil ich nicht reserviert hatte nahm ich im Speisewagen Platz. Und dann kam ER! Der Latte-Machiato-Vater. In Begleitung seiner Terrorzwerge: Sohn Malfroy (etwa 4 Jahre) und Tochter Dion (ca. 6 Jahre).
Vater, erkennbar an der Kleidung aus dem alternativen Milieu, macht sich vor allen zum Vollhorst.
Dion, die haben Hühnerfrikassee, das hat dir früher gut geschmeckt! Malfroy du magst doch Nudeln? Er bestellte drei verschiedene Gerichte ("Für mich bitte das Geschnetzelte mit Orangen. Ach das sind Aprikosen? Egal, nehm ich.)
Die Kinder fangen an zu toben. Die ersten Fahrgäste schauen bereits genervt. Das Essen wird serviert.
Malfroy stellt fest: Igitt an den Nudeln ist Soße, Dion muss unerwartet aufs Klo. Pause
Rückkehr. Das Frikassee schmeckt nicht wie bei Oma.
Der großen Hunger von vor fünf Minuten ist vergessen, das Essen ist ja iiih! Vater fleht seine Kinder an: "Malfroy öffne dein Mündchen damit dir Papa noch eine Gabel Nudeln füttern kann. Dion, sperr dein Schnäbelchen auf, Papa will dir noch ein Bröckchen Fleich geben."
Das Essen mit Messer und Gabel setze ich bei einer Sechsjährigen als Kulturtechnik voraus. Den rudimentären Gebrauch eines Löffels oder einer Gabel bei einem Vierjährigen auch. Bei beiden leider Fehlanzeige. Dafür aber ein ausgeprägter Bewegungsdrang.
Auf meinen und den freundlichen Hinweis des Zugpersonals, dass es gefährlich sei, die Kinder auf die Lehnen der Sitze klettern zu lassen (im Falle einer unerwarteten Bremsung würden die Kinder wie Geschosse durch das Abteil fliegen): "Malfroy, die Frau hat dir verboten, auf der Lehne zu stehen. Sie hat auch deinem Papa verboten, auf der Lehne zu stehen!"
Ich bin ja der Meinung, dass Kinder Regeln brauchen und diese sogar wollen.
Und Kinder brauchen Vorbilder, die ihnen beibringen sich an Regeln zu halten. Wer das nicht vorlebt, darf sich nicht wundern, wenn seine Kinder spätestens in der Schule scheitern. Er soll dann auch nicht den Lehrern die Schuld geben.
Übrigens, der körperlich offensichtlich nicht eingeschränkte Vierjährige trug selbstverständlich noch eine Windel.
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3 Kommentare
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Georgina Scheiding aus Erfurt | 05.09.2011 | 16:28  
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Holger Greilach aus Erfurt | 05.09.2011 | 22:05  
Helke Floeckner aus Erfurt | 07.09.2011 | 09:50  
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