Der Mann für alle Fälle: Bastian Sick im Interview

Der "Deutschpapst" Bastian Sick (Foto: Martin Zitzlaff)
„Nur aus Jux und Tolleranz” heißt sein aktuelles Programm, mit neuen Geschichten aus dem Irrgarten der deutschen Sprache und zahlreichen Erkenntnissen über das, was geht, und das, was nicht geht – sondern fährt. Bastian Sick, der Mann für alle Fälle und für die Zwerchfelle, verspricht einen Abend mit „gratiniertem” Spaß:


Sie kämpfen für einen besseren Umgang mit der deutschen Sprache. Ist, seit Sie angetreten sind, eine Besserung zu verzeichnen?

Teilweise ja, teilweise auch nicht. Inzwischen wird sehr viel mehr über Sprache nachgedacht und diskutiert. Sie hat an Aufmerksamkeit zurückgewonnen, ist im Fernsehen ein ständiger Diskussionspunkt. Vor zehn Jahren war das noch kein Thema, da galt so etwas als Spinnertum.


Welche Art von sprachlichen Verfehlungen bereitet Ihnen das größte Vergnügen?

Wenn sich irgendwo ein Fehler einschleicht und dadurch ein neuer Zusammenhang entsteht. Solche Beispiele gibt es auf meiner Internetseite www.bastiansick.de zuhauf. Wenn die hautstraffende Körperlotion zur hautstrafenden Körperlotion wird, dann bringt mich das zum Lachen. Und die Menschen, die ebenfalls Spaß an Wortspielen haben. Ich versuche, das Unterhaltsame in dem Thema Sprache und Richtigkeit hervorzuheben.


Welche Fehler tun Ihnen richtig weh?

Eigentlich tut mir nichts weh. Ich kann jeden Fehler erklären. Was mir Unwohlsein bereitet, ist die Unprofessionalität, wie man sie heute immer häufiger findet. Ich habe unendlich viele Beispiele von schlampig gemachter Werbung mit grauenvoller Orthographie gefunden. Darüber kann ich mich aufregen. Jeder Beruf stellt Anforderungen und muss mit der notwendigen Sorgfalt ausgeübt werden. Das erwarte ich auch für den Umgang mit der deutschen Sprache.


Haben Sie immer Stift, Zettel und Fotoapparat dabei?

Ja, es geht nicht ohne. Habe ich mal nichts zur Hand, rächt es sich. Ich sehe immerzu etwas, bekomme Einfälle, es arbeitet ja ständig in meinem Kopf.


Verraten Sie uns etwas über Ihren neuesten Fund?

Das habe ich gerade erst gesehen: Ein Supermarkt bietet Wurst- und Fischplatten für die Freier an... Nach wie vor bin ich sehr froh über die vielen Einsendungen mit Beispielen, meine Leser und Zuschauer arbeiten schön mit.


Lassen Sie einem Gesprächspartner auch einmal etwas durchgehen?

Natürlich. Wenn ich jemanden verbessere, zum Beispiel im Fernsehen, liegt das daran, dass das von mir erwartet wird. Sonst mache ich das nicht. Es sei denn, es sind Menschen, die etwas lernen möchten, einen guten Rat wollen. Dann weise ich sie auf einen Fehler hin. Auf meiner Internetseite erteile ich, soweit es meine Zeit zulässt, kostenlose Sprachauskunft. Inzwischen verwenden diese sogar viele Lehrer in ihrem Unterricht.


Hand aufs Herz: Passiert es Ihnen auch, dass Sie sich im Irrgarten der deutschen Sprache verlaufen?

Ja, selbstverständlich! Ich stoße immer mal auf Fälle, bei denen es knifflig wird. Dadurch lerne ich wieder hinzu. Lernen ist ein Gewinn. Im Übrigen habe ich ein wunderbares Kollektiv der Leserschaft, das mich gelegentlich auf Unaufmerksamkeiten stößt.


Haben Sie Ihren Klapprechner dabei? Kommt das Prallkissen hoffentlich nicht zum Einsatz? Verwenden Sie im Alltag wirklich konsequent solche Wörter?

Ja und nein. Es gibt englische Begriffe, die ich sehr praktisch finde und für die es keinen deutschen Ersatz gibt. Ich trage Jeans, keine Nietenhosen, esse Cornflakes und keine Maisflocken. Mal sage ich Rechner, dann wieder Computer. Da, wo es albern und aufgesetzt ist, wenn man für ein Wort, das in der deutschen Sprache verankert ist, etwas erfindet, bin ich aber sehr kritisch.


Wo lassen Sie sich die Haare schneiden? Bestimmt nicht beim „Hairstylisten”...?

Beim Friseur. Alles, was so gewollt spaßig und weltoffen klingen soll, ist einfach nur albern.


Worauf darf sich das Publikum freuen?

Auf eine Doppelstunde Deutsch, die es in sich hat. Dabei geht es vor allem um Unterhaltung, nicht um Belehrung. Ich zeige jede Menge neuer Fundstücke und Filme, veranstalte ein Quiz mit dem Publikum. Man kann an diesem Abend herzlich lachen über die Fehler anderer und auch über die eigenen.


Singen Sie auch Ihr Lied „Wie gut ist Ihr Deutsch”?

Ja! Ich bin immer schon mit großer Begeisterung ein Sänger gewesen, nur weiß das keiner. Von mir wird immer erwartet, dass ich die Peitsche raushole. Das liegt daran, dass viele ein falsches Bild von mir haben. Ich bin nicht der Oberlehrer, mag das Angenehme, Schöne, die Kunst und den Spaß. Auch auf der Bühne.
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