Der Retter in der Not

Dirk Biereige (rechts) bespricht mit dem Rettungswachenleiter Gerald Ziegler die nächsten Aufgaben.
Der Umzug ist geschafft. Das „Gefahrenabwehrzentrum Erfurt-Süd“ ist die neue Heimat für Dirk Biereige, den Rettungsdienstleiter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und seine Crew.
 Er kann die Einsätze, zu denen er in seinen mehr als zwanzig ASB-Jahren unterwegs war, nicht zählen. „Im Moment bin ich aber eher ein Schreibtischtäter“, sagt er. Mit der Koordination von Mitarbeitern und Fahrzeugen, Verhandlungen mit Krankenkassen, Angebotserstellung, Ausbildung, Katastrophenschutz und mehr hat er alle Hände voll zu tun. Dienst getan werden muss an jedem Tag, 24 Stunden lang. Hilfebedürftige fragen nicht nach Feierabend oder Wochenende.

Gut zwanzig ASB-Retter tun immer gemeinsam Dienst. Im Falle eines Falles, wenn wie in zwei Dritteln der Einsätze kein Notarzt dabei ist, sind sie es, die eine Situation schnell erfassen und Entscheidungen treffen müssen. Sie sind so viel mehr als einfach nur Krankenwagenfahrer. „Zu ihrer Arbeit gehört eine ungeheure Bandbreite an Wissen“, bricht Dirk Biereige eine Lanze für seine Leute. Sie müssen für alles gewappnet sein, immer reagieren können.
 „Manchmal werfen sie ihre komplette Kunst und ihr Können in die Waagschale, um ein Menschenleben zu retten“, sagt er und ist unglaublich stolz auf seine Kollegen. Sie seien aufeinander eingespielt, verstehen sich im Einsatz blind. „Sie machen mir meinen Job als Leiter relativ einfach“, stellt Dirk Biereige immer wieder fest.

Gut ist es, dass sie gemeinsam über Erlebtes reden. Mancher Notfall hinterlässt Spuren. Dem anderen zuhören, ihm zur Seite stehen, Schlimmes im Team verarbeiten und auch einmal gemeinsam lachen können gehört zur Tagesordnung. Keiner möchte diese Gespräche missen. „So schaffen wir es, wieder unbelastet an die Arbeit zu gehen“, sagt Biereige. Er hat nach Feierabend eine zusätzliche Gesprächspartnerin, seine Frau ist leitende Oberärztin und stellvertretende ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes im Helios Klinikum. Seelenverwandtschaft auch im Beruf, natürliches Verständnis, wenn es um ungewöhnliche Arbeitszeiten geht.

Meist sind es die sogenannten internistischen Notfälle, die einen Rettungseinsatz erfordern, also Herzbeschwerden, hoher Blutdruck, Luftnot, entgleister Blutzucker und Ähnliches. Chirurgische Notfälle wie Stürze und Verkehrsunfälle sind seltener. „Wir sind immer froh, wenn es gut ausgeht. Wenn sich eine erste akute Diagnose nicht bestätigt oder eine vermeintlich ausweglose Situation doch noch herumgerissen werden kann“, spricht Dirk Biereige für seine Kollegen vor Ort. Ein wenig kribbelt es in seinen Fingern. Im letzten Jahr ist er bei ein paar Einsätzen mitgefahren. So ganz lassen kann es der Schreibtischtäter nicht. „Ich bin mit Leib und Seele im Rettungsdienst“, gesteht er strahlend.


INFOS:
• Das Gefahrenabwehrzentrum Erfurt-Süd an der Wilhelm-Wolff-Straße hat am 19. April seinen Dienst aufgenommen. Das im Norden der Stadt bleibt bestehen.
• Der erste Spatenstich für die drei Gebäudeteile war im September 2010. • Entstanden sind Büros sowie Stellplätze für die Berufsfeuerwehr, den Rettungsdienst (Malteser und ASB), die Freiwillige Feuerwehr Melchendorf, Stellplätze und Lagermöglichkeiten für den Katastrophenschutz sowie Räume für die Einsatzleitung des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz.
• Die Stadt Erfurt investierte, unterstützt durch Fördermittel, 12,5 Millionen Euro in das Objekt.
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