Der Weihnachtsmann aus Deutschland - jedes Jahr organisiert das Kolpingwerk eine Sammelaktion für sozial benachteiligte Menschen in Rumänien

Jedes Jahr schickt das Kolpingwerk Thüringen an die 2000 Pakete und Sachspenden nach Rumänien. (Foto: Kolpingwerk)
Erfurt: ... |

Ihre erste Reise nach Rumänien - im November 1991 - wird Annette Müller wohl nicht so schnell vergessen. Ein Jahr zuvor hat der Kolpingwerk Diözesanverband Erfurt Rumänien als Partnerland auserwählt und nun eine erste Ladung Pakete via Lkw auf die Reise geschickt. In Rumänien stehen Müller und die anderen Helfer schockiert vor einem riesigen Kastell, in dem ein Kinderheim untergebracht ist.

"Die Zustände dort waren katastrophal", erinnert sich die Eichsfelderin. "Wir konnten uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass Menschen unter solchen Bedingungen leben können." Die 450 Heimkinder zwischen 6 und 18 Jahren tragen tagelang die gleiche Kleidung. "Draußen herrschten 20 Grad minus, drinnen etwa null Grad, weil die Heizung kaputt war. In manchen Zimmern standen Kachelöfen, auf denen Backsteine lagen, die die Jungs abends mit ins Bett nahmen." Auf den Straßen fahren Pferdefuhrwerke, Kühe behindern den Verkehr. Rumänien hatte es hinter dem Eisernen Vorhang unter Diktator Nicolae Ceausescu wohl am schwersten. "Er hat unsere Seele verbrannt", sagen die Menschen auf der Straße. Trotz der Armut sind sie herzlich und gastfreundlich - das erstaunt die deutschen Gäste.

Unzählige Paketaktionen


Ein Vierteljahrhundert später fährt Annette Müller noch immer regelmäßig nach Rumänien. Unzählige Paketaktionen hat das Kolpingwerk Erfurt in dieser Zeit organisiert. Das düstere Kinderheim ist heute eine integrative Berufsschule.
"Ungefähr 2000 Pakete werden jedes Jahr vom Erfurter Verband eingesammelt", sagt Müller, die dort als Diözesansekretärin angestellt ist. "Erfreulicherweise beteiligen sich nicht nur Kolping- und Kirchenmitglieder, sondern auch Schulen, Kindergärten und andere Privatpersonen. Von der Rhön bis ins Eichsfeld sind im November die Helfer unterwegs."

Sonntag ist Stichtag


Bis 16. November ist die Sammelaktion 2014 in vollem Gange. Zwar zog inzwischen in Rumänien ein gewisser Wohlstand ein. "Aber nur in den großen Städten", präzisiert Annette Müller. "Der Unterschied zwischen Stadt und Land, arm und reich ist krass. Es gibt Katen, in denen drei Generationen in einem Raum hausen, der Durchschnittsverdienst liegt zwischen 200 und 300 Euro monatlich." Die Lebenskosten aber, sagt Müller, sind unseren nicht unähnlich. Rentner erhalten zwischen 80 und 100 Euro im Monat.
"Unsere Aktionen richten sich an Menschen, die nicht über die Runden kommen", erklärt Annette Müller und ist hoch erfreut darüber, dass die Deutschen vom Schulranzen bis zum PC so gut wie alles spenden.



Adolf Kolping (1813-1865) war ein deutscher katholischer Priester, der sich über menschenunwürdige Lebensbedingungen seiner Zeit entsetzte und deshalb sozial engagierte. Er ist der Begründer des Kolpingwerkes. 1991 wurde Kolping seliggesprochen. Der Heiligsprechungsprozess dauert an.
Heute ist das Kolpingwerk mit 270.400.000 Mitgliedern in mehr als 60 Ländern vertreten, wobei Deutschland mit 270.000 Mitgliedern der größte Verband ist.
Deutschland hat 27 Bistümer und die gleiche Anzahl an Diözesanverbänden.
Kolpingfamilien sind Ortsgruppen, die der katholischen Kirche angehören.
Sie treffen sich einmal im Monat, um soziale Projekte wie Sammelaktionen oder Bildungsveranstaltungen zu organisieren.
Kolpingfamilieninitiativen gab es schon zu DDR-Zeiten, jedoch nicht so strukturiert wie heute. Erst nach der Wende waren satzungsmäßige Vereinsgründungen möglich.
1990 beschloss der Diözesanverband Erfurt, Rumänien als Partnerland zu wählen.
Sammelstellen für die Aktion 2014 gibt es in ganz Thüringen.
Kontakt: 03606/614497 oder info@kolping-dv-erfurt.de

www.kolping-dv-erfurt.de
www.kolping-paketaktion.de
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4 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 12.11.2014 | 19:53  
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Renate Jung aus Erfurt | 13.11.2014 | 02:40  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 13.11.2014 | 20:01  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.11.2014 | 13:25  
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