Die sich den Wolf schreibt - Die Schriftstellerin Antje Babendererde verfasst moderne Indianergeschichten

Antje Babendererde ist eine der wenigen Thüringer Schriftsteller, die von ihrem Beruf leben können. Am liebsten schreibt sie über Indianer.
47 Jahre lang blieb Antje Babendererde verschont. Jetzt erlebt die Schriftstellerin ihre erste Schreibblockade. Den Abgabetermin fürs neue Manuskript hat die Thüringerin bereits verpasst, ein neu gewährter sitzt ihr nun im Nacken. "So unter Druck arbeite ich gar nicht gerne."

Verständnisvoll nicken die 14-jährigen Schüler, als sie ihr in der Aula des Marie-Curie- Gymnasiums in Bad Berka diese Beichte abnehmen. Gut zwei Stunden lang hat sich Antje Babendererde für sie den Mund fusselig geredet. Sie hat aus ihren Büchern vorgelesen, Fragen beantwortet, die Helden ihrer Jugendromane lebendig werden lassen. Guter Lesestoff, in dem es um den immerwährenden Konflikt zwischen Weiß und Rot geht, zwischen den Cowboys dieser Zeit und den amerikanischen Ureinwohnern.

In ihren Romanen gibt es oft ein Happy End: Der Indianerjunge agiert als strahlender Held. Teenager verlieben sich ineinander, überwinden alle Kulturgrenzen. Und dies inmitten einer wundervollen Landschaft, die Babendererde mit detailgetreuen Beschreibungen malt. Die Schüler danken ihr die Gedankenreisen - mit Autogrammwünschen und süßem Zahnspangenlächeln.

Von ihrem letzten US-Aufenthalt erzählt die Autorin ihrer jungen Zielgruppe nichts. Er ist womöglich schuld an der Schreibblockade. Sonst fließen ihre Gedanken schnell wie das Wasser des Quillayute River im von ihr so geliebten Nordwesten der USA. Doch diesmal hockte Babendererde weit entfernt in einem abgelegenen Indianerreservat in der öden Prärie von South Dakota. Hier bekam sie Einblicke in das Leben der Ureinwohner, die sie lieber nicht gewonnen hätte. Sie erlebte das einst so stolze Volk der Lakota völlig verarmt und wie in einem Gefängnis zur Untätigkeit verdammt. "Mitten im reichen Amerika leben die Ureinwohner wie in der dritten Welt." Wer nicht zu Schnaps und Drogen greift, prügelt sich durch den tristen Alltag oder nimmt sich früh das Leben. Babendererde musste solche Tragödien leider miterleben.

Viele Wild-West-Träume und Vorstellungen einer Karl- May-Welt, die sie als Töpferin in der DDR hegte, sind mittlerweile verpufft. Und auch nach zig Reisen in die USA ist das Land immer wieder für einen Kulturschock gut. Dennoch investiert Babendererde jeden verdienten Euro in neue Reisen ins Indianerland. Zu den Menschen, die sehr gastfreundlich sind - "wenn man sich erst einmal ihren Respekt errungen hat". Zu den Orten, an denen sich die Seiten ihrer Tagebücher und Faktenkladden fast von selbst mit Geschichten füllen. Und wo die Natur sie so verzaubert. "Ich glaube nicht an Gott. Aber wenn ich die Staubwirbel durch die mystische Mondlandschaft der Badlands wandern sehe, spüre ich eine übernatürliche Gegenwart." Diese Wirbel werden ganz bestimmt ihre Schreibblockade wegpusten.

Zur Person
• Antje Babendererde schreibt für Jugendliche und Erwachsene über das Leben der nordamerikanischen Indianer.
• Nach dem Abitur startet Antje Babendererde eine Töpferlehre, arbeitet später als Arbeitstherapeutin.
• 1987 zieht sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern in ein altes Fachwerkhaus in Remptendorf-Liebengrün.
• 1994 reist sie erstmals quer durch die USA und Kanada.
• 1996 wird ihre Erzählung "Es gibt einen Ort in uns" veröffentlicht. Seither werden ihre Bücher mehrfach ausgezeichnet.
• Ihr Roman "Libellensommer" soll bald verfilmt werden.
• Kontakt: antje-babendererde.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
65
Sarah Stöbe aus Jena | 24.05.2011 | 13:34  
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 24.05.2011 | 23:51  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige