Ehrenamt: Nichts tun? Das geht nicht! Sebastian Kirchner und Erika Klinke engagieren sich

Erika Klinke in ihrem Element. Sie unterbreitet Senioren kreative Angebote.
 
Erika Klinke (stehend) inmitten einer fröhlichen Runde im Clubraum.

Sebastian Kirchner und Erika Klinke sind zwei von mehr als 700.000 Thüringern, die ehrenamtlich Gutes tun für andere, für das Allgemeinwohl.

Wenn Erika Klinke zum Stillsitzen verdammt ist, kribbelt alles in ihr. Sie kann nicht länger untätig sein, sie muss etwas tun. Sofort.

An diesem Vormittag schließt die 57-Jährige den Clubraum in der Wohnscheibe am Juri-Gagarin-Ring 20 auf. Bald schon sind die ersten Besucher da. Wirbelwind Erika strahlt. Jetzt ist sie in ihrem Element. Seit Jahren engagiert sich die Büßlebenerin ehrenamtlich. In ihrem Heimatort hat sie sich um Kinder und um Senioren gekümmert, anderswo hat sie Kindern das Nähen beigebracht, ihnen bei den Hausaufgaben geholfen, Älteren im Haushalt unter die Arme gegriffen... „Ich wollte schon immer etwas tun, mich in meiner Freizeit um andere kümmern. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, nichts zu tun“, gesteht sie und ist aus diesem Grund vor acht Jahren beim Kompetenz- und Beratungszentrum gelandet.

Das ist eine der ersten Adressen, wenn es um ehrenamtliche Tätigkeit geht. Seit zwei Jahren betreut Erika Klinke den Clubraum am Ring. Kommunale Wohnungsverwaltung und der Schutzbund der Senioren (als Träger des Zentrums) ziehen hier an einem Strang, wollen so die älteren Bewohner aus ihrer Einsamkeit holen. Geselligkeit und ein kreatives Miteinander halten länger jung. An jedem Mittwoch öffnet Erika Klinke um Punkt 9 Uhr die Clubraumtür. Meistens hat sie einen großen Beutel dabei mit Utensilien zum Malen und Basteln, zum Spielen, zum Gestalten. „Abends bereite ich zu Hause alles vor“, erzählt sie davon, dass ihr auch dort ihre „älteren Leutchen" durch den Kopf gehen. „Ach, das ist doch ganz normal, ich mache das eben gern“, findet sie nichts Besonderes dabei. Von ihrem Mann hat sie dabei volle Unterstützung. Inzwischen scheint so viel Hingabe sogar auf ihn abzufärben. „Wenn er in Rente geht, dann will er sich auch etwas Ehrenamtliches suchen“, verrät Ehefrau Erika.

Manchmal, so wünscht sie sich, wäre es schön, wenn noch mehr Besucher das Clubraum-Angebot nutzen. So könnte sie noch mehr Menschen Gutes tun. Zeit und Energie hat Erika Klinke dafür immer. Auch, wenn sie an jedem Tag irgendetwas zu tun hat, hier eine Sportgruppe, da zur Wassergymnastik... Und einen Emglischkurs will sie auch unbedingt belegen. Aber ihre Senioren haben natürlich immer eine Sonderstellung. Sie liegen ihr am Herzen. Und wenn es denen bei ihr gefällt, ist sie glücklich: „Dann geht es mir einfach gut“, gesteht sie und hat schon wieder eine neue Idee...

Mitgefühl ja, Mitleid nein

Hans Sebastian Kirchner leitet die Außenstelle des Weißen Rings in Erfurt

„Warum ich mich engagiere? Diese Frage stelle ich mir gar nicht“, braucht Hans Sebastian Kirchner über Selbstverständliches nicht zu reden. Der junge Mann leitet ehrenamtlich die Außenstelle des Weißen Rings in Erfurt, hat diese Aufgabe durch die Freiwilligenagentur gefunden. „Hier kann ich etwas bewirken“, sagt er. Schnell und direkt, Hilfe ohne große Bürokratie.

Dass er vor zwei Jahren Vereinsmitglied im Weißen Ring wurde, war für ihn irgendwie logisch. Seine Partnerin arbeitet bei der Polizei, hat ständig mit Opfern zu tun. Auch Hans Sebastian möchte helfen. Es ist wichtig, weiß er, den Opfern auf Augenhöhe zu begegnen. Zuvor muss man sich bewusst sein, welcher schwierigen Aufgabe man sich mit diesem Ehrenamt stellt. Schließlich begegnet der Betreuer hier Menschen, die tiefe Einschnitte erlebt haben, die Opfer von Straftaten geworden sind. Ein sensibler Bereich.

„Mitgefühl darf ich meinem Gegenüber natürlich entgegenbringen, aber kein Mitleid“, hat es sich Hans Sebastian Kirchner zur Maxime gemacht. Natürlich, mit den vielen Seminaren, den Teambesprechungen, der wachsenden Erfahrung ist er bestens gerüstet. Inzwischen veranstaltet der freiberufliche Referent sogar bei der Polizei Schulungen zum Thema Opferschutz. So sehr ist er mit seinem Ehrenamt verwachsen. „Ich kann es mir ohne diese freiwillige Tätigkeit nicht mehr vorstellen, ich brauche das einfach“, gibt er zu. Und wenn sein Gegenüber irgendwann ein wenig erleichtert aufatmet, vielleicht sogar ein kleines Lächeln das Gesicht zurückerobert, dann war es ein guter Tag für Hans Sebastian. „Das baut unheimlich auf“, nickt er bestätigend.

Einen Rat hat er noch für jene, die sich ebenfalls ehrenamtlich betätigen wollen: „Wenn man so etwas tut, dann immer aus tiefster Überzeugung“.

Der Weiße Ring sucht im Ilmkreis, in Gotha, Greiz und Schleiz weitere Ehrenamtliche. Kontakt: www.weisser-ring.de.
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