Ein bisschen Al Capone

Rasieren macht Männer glücklich
 
Stefan Renker - noch unrasiert. Für die Rasur bringt er jedesmal das Messer seines Großvaters mit.
Al Capone hat‘s getan. Immer wieder. Stefan Renker gönnt sich von Zeit zu Zeit auch dieses Gefühl. Wenn er auf dem Frisierstuhl Platz nimmt, die Bartstoppeln eingeschäumt sind und das Rasiermesser gezückt, fühlt er sich fast genau so: sehr männlich natürlich, ein wenig verwegen, rundum entspannt.

„Huch, ich kann bei so manchem alten Western gar nicht hingucken, wenn sich die Kerle den Bart mit einer Scherbe abrasieren“, greift Friseurmeisterin Sybille Hain das Thema Filme sogleich auf. Sie kann es auf jeden Fall besser, ganz klassisch, wie aus dem Lehrbuch. Doch dass dieses Thema lediglich theoretisch abgehandelt wird, ist so gar nicht ihre Sache. „Wer sich Friseur nennt, sollte eine Rasur beherrschen“, konstatiert die Obermeisterin der Friseurinnung Erfurt-Ilmkreis und Landesinnungsmeisterin ihrer Zunft in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Deshalb ist für ihre Lehrlinge Rasieren lernen Pflicht. Nur ganz wenige Friseure in Thüringen geben diese Kunst an die Jungen weiter. Auszubildende Saskia Weinreich bestätigt: „In der Schule bin ich weit und breit die Einzige, die das lernt“.

Ein wenig merkt man ihr die Aufregung an, heute darf sie zum ersten Mal ganz nah dabei sein. Nur zusehen und alles genau beobachten. Das extra auf dem Ölmühlstein geschärfte Rasiermesser bekommt sie noch nicht in die Hand. Aufamtmen bei Stefan Renker? Ach wo, lacht er, er habe vollstes Vertrauen. Sybille Hain erklärt indessen, worauf es ankommt. Vor der eigentlichen Prozedur macht eine Kompresse die Haut weicher. Rasierschaum aus der Spraydose ist das einzige Zugeständnis an die moderne Zeit. Dafür hat das Rasiermesser schon mehr als hundert Jahre auf dem Buckel, Stefan Renker hat es vom Großvater geerbt und bringt es jedesmal mit.

Das Rasieren selbst unterteilt sich in Vor- und Nachrasur, bevor es zum Abschluss noch einmal eine Kompresse gibt. Damit sich die Poren besser schließen. Zuerst wird das Messer mit dem Strich, beim Nachrasieren dann dagegen angesetzt. So und in Kombination mit dem Vorbereiten der Haut wird der ideale Effekt erzielt. Dabei schabt man natürlich nicht planlos drauflos. Eine Rasur sollte immer auch systematisch vorgenommen werden. Allerdings kann man hier nicht stur nach Lehrbuch vorgehen, schließlich ist jedes Gesicht anders. Und mittendrin gibt es immer einmal Bartstoppeln, die sich nicht an die Wuchsrichtung der anderen ringsherum halten. "Man muss schon genau hinsehen wie jedes Haar wächst und das Messer entsprechend ansetzen", erklärt Sybille Hain.

Wichtig ist auch der perfekte Winkel, in dem man das Messer halten muss, es sind 45 Grad, weiß die Expertin. Noch etliches mehr muss beachtet werden, bis es dann zum wunderbar glatten Ergebnis kommt. Eines, das der Laie zu Hause nicht so hinbekommt. Schon deshalb nicht, weil Mann zu Hause im Grunde nur die Vorrasur vornimmt. Die Rasur vom Profi hingegen geht tiefer, ist intensiver und hält länger vor.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht“, strahlt der Frischrasierte etliche Minuten später. Sein Lachen ist noch intensiver geworden: „Rasieren auf diese klassische Weise ist einfach Lebensart, ein angenehmes Gefühl, hat etwas Beruhigendes. Außerdem sollte eine solche alte Handwerkstradition unbedingt bewahrt werden“, sagt Stefan Renker und beschließt, sich zur Feier des Tages eine gute Zigarre zu gönnen.
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6 Kommentare
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Holger Greilach aus Erfurt | 19.12.2012 | 11:17  
Helke Floeckner aus Erfurt | 02.01.2013 | 08:47  
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Holger Greilach aus Erfurt | 28.03.2013 | 11:28  
Helke Floeckner aus Erfurt | 04.04.2013 | 11:53  
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Holger Greilach aus Erfurt | 04.04.2013 | 16:12  
Helke Floeckner aus Erfurt | 05.04.2013 | 12:33  
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