Ein Hauch von Hollywood: Vor 50 Jahren war Steve McQueen in Thüringen

Joachim Helmhold heute mit seiner CZ, mit der er jede Menge Weltmeisterschaftsläufe absolvierte,
 
Das von Jürgen Valdeig gemalte Bild. (Foto: Jürgen Valdeig)

Vor 50 Jahren, im September 1964, weilte US-Schauspieler Steve McQueen für ein paar Tage in Thüringen, um beim Motocrossrennen "International Six-DaysTrial" mitzufahren.

Schnelle Maschinen in Erfurt



"Ist es wirklich schon fünfzig Jahre her?“ Jürgen Valdeig mag es nicht glauben. Plötzlich ist er wieder der 13-Jährige, der mit seinen Freunden zur Thüringenhalle kommt. Sie recken die Hälse. Vielleicht schaffen sie es, ihn wenigstens von weitem zu sehen, ein einziges Mal nur. Ihn, ihren Helden. An diesem Tag weht ein Hauch von Hollywood durch Thüringen: Steve McQueen ist hier, um beim „International Six-Days-Trial“ mitzufahren, einem der härtesten Motocross-Rennen der Welt. Der US-Schauspieler liebt es, auf schnellen Maschinen unterwegs zu sein. Das Risiko und er sind Brüder.

Unter den Fahrern: Der Filmstar



Es ist das erste Mal, dass ein US-Team bei dem Rennen dabei ist, noch dazu im Osten. „Offiziell haben wir nicht gewusst, dass Steve McQueen kommt“, erinnert sich Jürgen Valdeig. Aber es sei eben durchgesickert, zum Glück war sein Onkel Polizist. Doch trotz der gereckten Hälse gelingt es den Jungs nicht, den Schauspieler zu erspähen, alles ist abgeriegelt. „Viele schwarze Mäntel, viele Helme, Fahnen und eine unglaubliche Lautstärke“ - mehr gibt es nicht zu entdecken. Aber unter einem der Helme steckt der berühmte Mann, der mit seinen Freunden Bud Ekins und Bruder Dave Ekins das Team bildete. Also hatten sie ihn ja doch gesehen. „Das war doch was, wir waren dabei!“, erinnert sich Jürgen Valdeig an das Glücksgefühl von damals.

Noch immer Glücksgefühle



Es ist noch immer da. Die Erinnerung beschäftigt den Heimatmaler derart, dass er sie zu Papier gebracht hat, als Motiv für einen seiner Kalender. Großes Lob dafür erntete der Erfurter übrigens von Dave Ekins. Zu dem ehemaligen Stuntman und Rennfahrer, der heute 84 ist und in Santa Monica lebt, hat Jürgen Valdeig seit vergangenem Jahr Kontakt. Um das Bild möglichst realitätsnah zu malen, half Dave mit Fotos und Informationen. Irgendwann steht auch ein Besuch in Amerika an, die Einladung ist ausgesprochen. „Eines Tages schaffe ich es, ihn zu besuchen“, ist Jürgen Valdeig sicher. Dann, endlich, sieht er wenigstens einen der drei US-Fahrer ganz von nahem.

Joachim Helmhold ist selbst mitgefahren



Die Nähe zu McQueen und Co. durfte ein anderer Erfurter wahrhaft erleben. Joachim Helmhold ist beim Rennen mitgefahren, der Schlüsselbeinbruch eines anderen Fahrers bescherte ihm den Nachrückplatz. „Ich denke immer noch sehr oft an dieses Rennen“, gesteht der 75-Jährige. Es ging fast nur durchs Gelände, die Strecken waren alle abgesperrt, die Sonderabschnitte hatten es in sich. Steve McQueen, der rasende Schauspieler, kam gut klar. Bis zu seinem Sturz. Irgendwie war er vom Weg abgekommen, raste direkt ins Gebüsch. „Ich habe ihn da rausgezogen“, erinnert sich Joachim Helmhold an seinen hautnahen Hollywood-Kontakt. Dass McQueen so berühmt war, ließ er sich nicht anmerken. „Er war ein ganz lockerer Typ, wir haben uns sehr gut verstanden.“ Das einzige, woran man gemerkt habe, dass mit Steve kein Nur-Rennfahrer unterwegs ist, war die Kamera, dan den Helm montiert.


Erinnerungen für immer



Wenn es bei Joachim Helmhold durch einen Getriebeschaden am letzten Tag bei diesem Six-Days-Trial auch 'nur' zur Silbermedaille gereicht hat, so wird er dieses eine Rennen immer in besonderer Erinnerung behalten. Der Rennfahrer, der in den Jahren danach noch bei zahlreichen Weltmeisterschaftsläufen startete und vordere Plätze einfuhr, schwärmt heute noch von diesen sechs Tagen. „Es war einfach etwas Schönes, Steve McQueen begegnet zu sein“, gibt er zu. Wenn er heute einen Film von ihm sieht, dann mit besonderen Augen. „Ich kann dann immer mit Stolz sagen, dass wir mal etwas gemeinsam gemacht haben!“




Wissenswertes:



Das Internationale Six-Days-Trial fand 1964 zum ersten Mal in der DDR statt. Es startete am 7. September vor der Thüringenhalle in Erfurt, anschließend ging es durch das Jonastal in Richtung Oberhof. Das Finale fand am 12. September auf dem Erfurter Flughafen statt. Steve McQueen, der auf einer 750er Triumph TR 6 SC mit der Startnummer 278 unterwegs war, schied am dritten Tag nach einem Sturz aus, ein Sturz von Bud Ekins kurze Zeit später brachte dem US-Team das Aus. Bis dahin lag es in Führung.



Steve McQueen Der 1930 geborene US-Schauspieler wurde nicht nur durch seine zahlreichen Filme (u.a. „Die glorreichen Sieben“, „Gesprengte Ketten“, Cincinnati Kid“, „Le Mans“, „Flammendes Inferno“) berühmt, er galt auch im Privatleben als Mr. Vollgas. Der blonde, sehr maskulin wirkende Held mit den blauen Augen und dem Spitzbuben-Grinsen lebte seine Motorrad-Leidenschaft in vollen Zügen aus. Er galt als sehr eigen, wurde später manchmal als unberechenbar beschrieben. Seinen Freunden gegenüber blieb er immer der Kumpel, einer von ihnen. 1980 starb McQueen.
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