Ein langer Weg - Projekt rettet Mädchen in Kenia vor Verstümmelung

Sabine Gentzsch in Kenia (Foto: Sabine Gentzsch)
Das kleine Mädchen spielt gedankenversunken ihr frohes Spiel. Noch ahnt sie nichts davon, dass sie gleich von ihrer Mutter unsanft aus der sorglosen Beschäftigung herausgerissen wird. Ihr stehen die schlimmsten Schmerzen ihres Lebens bevor. Sie wird sie nie wieder loswerden. Wenn sie es überhaupt schafft, die grausame Zeremonie zu überleben...

Sabine Gentzsch nickt. Leider gehört es in vielen Regionen Kenias noch immer zur Tradition, dass Mädchen beschnitten werden, weiß sie. „Sie leiden unglaubliche Schmerzen bei dieser Genitalverstümmelung, viele von ihnen sind ein Leben lang traumatisiert“, erklärt sie. Dagegen muss unbedingt etwas getan werden.

Mehrere Male bereits hat sich Sabine Gentzsch auf die Reise nach Kenia begeben. Gemeinsam mit anderen im Zuge des Mit-Reiseprojektes „As Friends to Kenya“. Die Reisenden sind im fernen Afrika die gesamte Zeit bei kenianischen Familien untergebracht. In den ohnehin schon engen Lehmhütten wird für die Besucher zusammengerückt. Man erlebt den arbeitsreichen Alltag gemeinsam, hat auch Zeit zum Singen und zum Lachen, zum Reden und um sich verstehen zu lernen.

Von ihrer letzten Reise ist Sabine Gentzsch gerade zurück. Noch immer wirkt Afrika in ihr nach. Diesmal hatte die Fahrt ein besonderes Anliegen, sie durfte Einblicke in das „Fulda-Mosocho-Projekt“ nehmen, das gegen die Beschneidung der Mädchen kämpft. „Es ist unglaublich, was dort bereits geschafft wurde“, erzählt sie. Mit ihrer behutsamen Art haben es die Projektmitarbeiter geschafft, sichtbare Veränderungen zu bewirken. Viele Lehrer und Clan-Älteste, zuvor echte „Hardliner“ mit heftiger Abwehr, haben sie schon von der guten Sache überzeugt. In Gesprächen und wieder neuen Gesprächen, mit Seminaren, Rollenspielen, unglaublicher Geduld. „Dabei geht man ganz wertefrei auf die anderen zu, niemand bekommt Vorwürfe“, spricht Sabine Gentzsch über die Herangehensweise.

Und die zeigt Wirkung: In der Mosocho-Region wurde die Beschneidungsrate von 97 auf 30 Prozent reduziert. Ein wunderbarer Erfolg. Nun möchte sich das Projekt in die Nachbarregionen vortasten, dort leben 35.000 akut bedrohte Mädchen. „Es ist ein herrliches Gefühl, wenn nur ein Mädchen vor der Beschneidung bewahrt werden kann. Und auch zu erleben, wie die Mädchen zunehmend selbstbewusster werden, ist toll“, so Sabine Gentzsch.


Wissenswertes:

Das Fulda-Mosocho-Programm hat seit dem Jahr 2002 in der Mosocho-Region Kenias 15.000 Mädchen gerettet.

Die Verstümmelungsrate sank dort um 70 Prozent.

Durch das Mit-Reiseprojekt „As Friends to Kenya“ können Interessierte vor Ort Einblicke in die Projektarbeit nehmen, die direkte Begegnung ermöglicht Transparenz

Durchgeführt wird das seit 1992 bestehende
Mit-Reiseprojekt vom Forschungs- und Praxisprojekt „Frauen in Kenia“ der Hochschule Fulda in Zusammenarbeit mit dem Verein „Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen“. Kontakt: ( 0661/ 64 125

Infos: www.fulda-mosocho-project.com, www.mitreiseprojekt-kenia.de,

Am 22. & 23. Juli ist das Mit-Reiseprojekt mit einem Stand auf dem Erfurter Anger vertreten, dort geben Sabine Gentzsch und die anderen gern Auskunft.
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3 Kommentare
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 20.07.2011 | 22:33  
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 20.07.2011 | 22:54  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 21.07.2011 | 08:15  
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