Ein Mann vieler Worte: Thüringer kennen Willi Wild als den „Redakteur“ vom MDR

Redakteur Willi Wild in seinem Studio im MDR-Funkhaus.
Erfurt: ... |

Willi Wild, eigentlich Andreas Martin Wild, Jahrgang 1966, ist beim MDR Thüringen „der Redakteur für Hörerfragen“. Von Montag bis Freitag recherchiert er zu einem Thema, das Hörer bewegt. Samstags ist er mit dem Radiogarten auf Sendung. Mit AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach er über Günther Jauch, ein Christkind, sein Verhältnis zur großen Mutter Wissenschaft und seine Liebe zum Beruf.




Herr Wild, Sie spielen fünf Instrumente - warum sind Sie nicht Musiker geworden?
Ich hatte immer zwei Berufswünsche: Musiker oder Journalist.

Trotzdem begannen Sie eine Kaufmannslehre...
(Lacht) ... die habe ich sogar abgeschlossen. Später habe ich Kommunikationswissenschaften in Berlin studiert, dies aber schnell wieder aufgegeben, als ich merkte, dass mir Wissenschaft nicht liegt. Also blieb es bei einem Volontariat als Radiomoderator. Während eines Praktikums beim Bayerischen Rundfunk entdeckte ich endgültig die Liebe fürs Medium.

Erzählen Sie mal.
Das Praktikum beim BR hieß 1988 "kostenloser Informationsaufenthalt". In den Redaktionen von Thomas Gottschalk und Günther Jauch durfte ich erste Erfahrungen sammeln. Jauch war die ersten Tage nicht da. Nach seiner Rückkehr erklärte er mir, dass er niemals Praktikanten beschäftige und wünschte mir viel Glück für die Zukunft. Ich dachte, 'sieh an, der nette Herr Jauch. Das ist also das Aus - nach drei Tagen'. Glücklicherweise durfte ich in einer anderen Abteilung weiterarbeiten.

Können Sie sich noch an Ihren ersten eigenen Beitrag erinnern?
Oh ja. Das war am 24. Dezember 1988. Ich sollte das erste Christkind in einer Klinik aufnehmen. Nach dem Interview mit der Mutter stellte ich entsetzt fest, dass das Tonband nicht funktioniert hatte. Die Schwester wollte mich abblitzen lassen, doch als ich ihr erklärte, dass sie mit ihrer Härte meine Zukunft ruiniere, hatte sie ein Einsehen und ließ mich nochmals zu der Mutter. Aber die war inzwischen müde und das Kind schrie auch nicht mehr. Irgendwie habe ich es dann hinbekommen.

Wie ging es weiter?
Eigentlich habe als Reporter bei einer Regionalzeitung angefangen. Während meines Volontariats, also der praktischen Ausbildung bei einer Radiostation, war ich der Mann für die Katastrophenreportagen. Unfälle und Bankraube waren mein tägliches Brot.

Und aus dem Andreas Martin Wild wurde der Willi Wild?
Genau. Ein Kollege nannte mich in Anlehnung an Otto Walkes Kunstfigur Harry Hirsch, den rasenden Reporter, Willi Wild, den rasenden Reporter. Der Name blieb haften und steht seit einigen Jahren sogar in meinem Personalausweis.
Was zog Sie kurz nach der Wende nach Thüringen?
Die Neugierde. Da entstand etwas Neues und ich wollte dabei sein. Von Weimar war ich auf Anhieb begeistert, wegen der Stadt und der Kollegen. Es war eine Gefühlsentscheidung, die richtig war. Beruflich und privat.

Seit einigen Jahren sind Sie beim MDR Thüringen „der Redakteur“. Wie viele Fragen haben Sie inzwischen beantwortet?
Von insgesamt 7371 Fragen habe ich etwa 1000 beantwortet. Die anderen haben meine Vorgänger beantwortet.

Darunter ziemlich ungewöhnliche…
Ja, eine Hörerin fragte zum Beispiel, warum Männer Brustwarzen haben. Oder warum sich Fliegen nichts tun, wenn sie gegen eine Glasscheibe fliegen.

Wie funktioniert das – ein Tag, ein Thema?
Frühmorgens rufen die Leute an und stellen Fragen, die vom Hörerservice aufgenommen werden. Damit gehe ich in die Redaktionskonferenz. In der laufenden Morgensendung stelle ich dann die Frage und trage erste Rechercheergebnisse vor. Für die Recherche habe ich einen knappen Vormittag. Zum Schluss schneide ich die Einspieltöne zusammen und erstelle ein Manuskript mit der Auflösung.

Samstags moderieren Sie den „Radiogarten“. Rufen die Hörer an, wenn Sie sich mal versprechen?
Sie rufen bei Versprechern öfter an als bei sachlichen Fehlern, die natürlich auch passieren. Einmal musste ich ins Mikrofon niesen und prompt kamen Anrufe mit Empfehlungen für Hausmittelchen gegen Erkältung. Ich bin ein spontaner Mensch und habe nichts dagegen, wenn in einer Sendung etwas Unvorhergesehenes passiert.

Was waren Ihre emotionalsten Beiträge?
Ein Brasilianer suchte die Heiratsurkunde seiner Großeltern, weil er die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen wollte. Das ist ihm mit unserer Hilfe gelungen. Kürzlich schrieb er mir eine E-Mail, in der er sich herzlich bedankte. In einem anderen Fall suchte eine Frau nach ihrer Zwillingsschwester, die in der DDR zwangsadoptiert worden war. Ihr konnte ich Ansprechpartner vermitteln. Es ist ein wunderbares Gefühl, Menschen zu helfen. Auf welche Weise auch immer.

Und Ihr lustigstes Erlebnis?
In Straußfurt ist spontan eine Kneipe nach mir benannt worden – „Zum durstigen Willi“. Es gibt dort prima Rostbrätl.

www.mdr-thueringen.de
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 24.08.2014 | 20:07  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 24.08.2014 | 22:16  
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Renate Jung aus Erfurt | 25.08.2014 | 22:58  
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