Eine Sache des Herzens

Marlis Mahn kommt jedes Jahr aufs Neue ins Restaurant des Herzens, um hier mit anzupacken.
Ein wenig ist es, als träfe sie alte Bekannte wieder. Die Mama mit dem behinderten Kind. Beide lächeln ihr zu. Die ältere Dame, die längst schon in Rente ist, die sich aber gerade mal das Nötigste zum Leben leisten kann. Das Schulkind, das jeden Tag ohne Frühstück aus dem Haus geht und in dessen Familie das Geld auch dafür nicht reicht, ihm ein warmes Mittagessen zu kochen. „Ich bin froh, sie alle wiederzusehen, zu wissen, dass sie gesund und munter sind“, gibt Marlis Mahn erleichtert zu. Obwohl es andererseits natürlich gut wäre, sie alle hier nicht zu treffen. Wenn sie wüsste, es ginge ihnen wieder besser.

Die 61-jährige Erfurterin ist im fünften Jahr als Helferin im „Restaurant des Herzens“ der Stadtmission tätig. Vor Jahren noch konnte sie das Ehrenamt gut mit ihrem Teilzeit-Bürojob in Einklang bringen. Nun hat sie dank Freistellung in der Altersteilzeit noch mehr Gelegenheit, Gutes zu tun. Inzwischen hilft sie zusätzlich im Sozialkaufhaus.

Schneller Entschluss



„Als ich vor ein paar Jahren etwas über das Restaurant des Herzens gelesen habe, wusste ich: Da mache ich mit“, denkt sie an die Anfänge zurück. Einfach nur Lebensmittel zu spenden, wie sie es bis heute mit ihrem Mann tut, ist ihr nicht genug. Sie möchte sich einbringen. Zu Hause untätig herumzusitzen, liegt ihr nicht. „Da würde ich die Krise kriegen“, erklärt Marlis Mahn und lacht. Vor allem, wenn sie weiß, dass andere Hilfe brauchen.

Zu tun ist immer



Im Restaurant in der Allerheiligenstraße, das immer am Nikolaustag öffnet und bis Ende Januar wochentags ein warmes Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen serviert, wird jede Hand benötigt. Zu tun ist immer. Kuchenteller vorbereiten, Kaffee kochen, Essen auf die Teller verteilen, später alles abwaschen. Natürlich wird jedem Gast das Essen am Platz serviert. Das ist Herzenssache. Schließlich sollen sich die Besucher wohlfühlen.

Essen, Wärme & Nähe



Für die meisten ist es nicht nur das warme Essen, das ihnen so gut tut. So mancher entrinnt der Einsamkeit, die oft genauso weh tun kann wie ein hungriger Magen. Andere Menschen sind da, die Ehrenamtlichen haben immer auch ein liebes, aufmunterndes Wort übrig. „Man kennt inzwischen die Gäste, weiß von manchem Schicksal, denkt auch darüber nach“, gibt Marlis Mahn nachdenklich zu. Nicht immer schafft sie es, die Gedanken beiseite zu schieben. „Das bewegt mich dann doch“, sagt sie und krempelt schon wieder die Ärmel hoch.


Wenn sie ihr Tagwerk verrichtet hat, ist sie oft ziemlich erledigt. Aber das macht nichts. Das Gefühl, ein klein wenig Gutes getan zu haben, erfüllt sie mit Freude. Sie ist froh, dass es viele Helfer im Restaurant des Herzens gibt, die genauso fühlen. „Ohne die Ehrenamtlichen würde vieles heutzutage nicht funktionieren“, weiß sie. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie. „Ich bleibe dabei und mache natürlich weiter“, verspricht die Frau mit dem großen Herzen.

Spenden dringend gebraucht



Sie freut sich an jedem Tag auf die Arbeit im Restaurant. Obwohl ihr auch ein wenig bange ist. Die Einrichtung ist auf Spenden angewiesen. Neben immer benötigten Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Kaffee mangelt es in diesem Jahr vor allem an Süßem: Stollen, Süßigkeiten, Lebkuchen werden dringend gebraucht. „Sonst haben unsere Besucher keine schöne Adventszeit“, fürchtet Marlis Mahn.
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