Eine Stimmung, wie im Krieg

Als ich so meinen größeren Rundgang durch unsere wunderschöne Stadt Erfurt mache, sind erstaunlich viele Menschen in der Innenstadt unterwegs. Selbst die breiten Straßen am und um dem Anger sind so dicht bevölkert, dass sich die der Sachwarmintelligenz folgend notwendigen Spuren bilden, damit man sich im Gedränge nicht ins Gehege kommt. Ich denke mir, dass es eigentlich so erst in der Weihnachtszeit aussieht, aber irgendwie sind heute viele Leute unterwegs.
Obwohl so mancher Zeitgenosse sich in hektischer Betriebsamkeit übt, herrscht doch eine angenehme, aufgelockerte Atmosphäre. Wahrscheinlich ist am Samstag das Wochenende in den Köpfen so präsent, dass es einfach schön ist, unterwegs zu sein. So beschließe ich noch ein Stück weiter zu laufen und am Flutgraben entlang nach Hause zu gehen.
Am Löberwallgraben sehe ich zwei Rettungswagen, die mit laufendem Motor und aufgeblendeten Scheinwerfern am Straßenrand stehen, als ob sie jede Sekunde zum Einsatz rasen müssten. Obwohl nichts weiter passiert, als dass dieses Motorgeräusch zu mir herüber dringt, macht sich eine ziemliche Beklemmung in mir breit. Warum schalten die nicht wenigstens den Motor aus? Was ist denn hier los? Doch beim weiter gehen sehe ich mehrere Polizeiwagen, die mehr oder weniger versteckt in den Straßen parken. Ach ja, heute ist ja wieder Fußball, da ist wieder Großeinsatz angesagt.
Je näher ich dem Bahnhof kommen, desto mehr Fahrzeuge und Rettungswagen werden es. Erwartet man hier eine Schlacht mit vielen Verwundeten, dass man so viele Rettungswagen in Bereitschaft braucht? Die werden doch nicht schon die Krankenhäuser mobilisiert haben, damit alle versorgt werden?
Auch wenn ich diese Gedanken schnell wieder wegwische, bleibt doch die zunehmende Beklemmung.
Ein junger Mann pöbelt im Vorbeigehen einen Polizisten an, der sich aber nicht zur Tat hinreißen lässt. Ein Schmunzeln zaubert mir eine recht attraktive Polizistin ins Gesicht die, den Schlagstock unter die Arme geklemmt, im Autospiegel noch schnell ihr Makeup überprüft. Na hoffentlich hilft es böse Fans zu besänftigen.
Im selben Augenblick formieren sich die Einheiten zum Abmarsch: gepanzerte Menschen, die in ihren schwarzen Uniformen mit Schlagstock, Helm und allerlei Bewaffnung unheimlich bedrohlich wirken. Es werden immer mehr, als gerade der Bahnhofssprecher das Ergebnis des Spiels bekannt gibt. Bald müssen sie also kommen, die Fans, die entweder gut gelaunt oder aggressiv sind und die Polizisten stehen da, um sie zu empfangen, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Ein gefährliches Spiel, in dem oft Kleinigkeiten entscheiden, ob die Lage eskaliert oder ruhig bleibt. Auch wenn die allermeisten Fans und auch Polizisten am liebsten schnell wieder nach Hause wollen, hängt der weitere Verlauf von unberechenbaren Ereignissen ab.
Vereinzelt bleiben Menschen stehen um zu schauen, was hier passieren wird. Ich gehe schnell weiter um mich der drückenden Stimmung zu entziehen die auf mich wirkt, als ob ein Krieg bevor stünde.

Auch wenn mir klar ist, dass man besonders Fußball oder andere Veranstaltungen braucht, um der kollektiven Aggressivität, die latent in der Masse vorhanden ist, ein einigermaßen regelbares Ventil zu geben denke ich doch darüber nach, ob es nicht sinnvoller wäre, dieser vorzubeugen, damit sie erst gar nicht entsteht…?
Es bleibt also weiterhin eine Stimmung, wie im Krieg, auch wenn ich diese zum Glück nicht wirklich kenne und nur das Gefühl dafür habe, doch auch das ist schlimm genug.
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5 Kommentare
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Silke Dokter aus Erfurt | 25.11.2012 | 17:27  
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Wolfram Treydte aus Erfurt | 25.11.2012 | 19:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 29.11.2012 | 01:26  
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Wolfram Treydte aus Erfurt | 30.11.2012 | 14:42  
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Wolfram Treydte aus Erfurt | 30.11.2012 | 14:43  
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