Fast ohne Lobby

Haben sich in einem Projekt mit den Lieblingsplätzen Erfurter Jugendlicher beschäftigt: Michele Stadelmaier, Sophie Beinlich, (Lisa Fischer/nicht im Bild) und Vanessa Hellmund.
Wie sieht der "Lieblingsplatz" von Jugendlichen aus? Einfacher, als vermutet: "Etwas Grün wäre schön. Dazu ein Pavillon zum Unterstellen, wenn es regnet. Ein kleiner Kaffee- und Snack-Shop in der Nähe - und Sportangebote wie Basketballkörbe, ein Beachvolleyball-Platz oder ein kleines Fußballfeld wären nützlich", sagt Sportschülerin Sophie Beinlich, die mit einer Gruppe im Sozialkundeunterricht dazu geforscht hat.

Doch solche Plätze sind rar in dieser Stadt. Und so trifft sich die Altergruppe von 14 bis 19 am liebsten auf dem Anger, fanden die Schülerinnen raus. Und das selbst dann, wenn dort das Meiste von dem fehlt, was oben beschrieben wurde. Diese Altersgruppe zieht es auf öffentliche Plätze weil sie vor allem eines will: Leute treffen. Nicht nur aus der eigenen Schule. Sie wollen laut lachen dürfen und nicht ständig ein schlechtes Gefühl deswegen haben.

Alleine 80 Fragebögen ließen die Sportlerinnen zum Thema ausfüllen und werteten sie aus. Zudem schrieben sie einen Artikel aus dem Interview mit der bündnisgrünen Politikerin Astrid Rothe-Beinlich. Sie haben Diagramme erstellt und analysiert - mehr Aufwand und Arbeit, als gefragt war. Jugendliche dieses Alters haben kaum eine Lobby. Es gibt nicht mal jemanden, der nach ihren Bedürfnissen fragt. Die jungen Frauen haben bei ihren Untersuchungen jedenfalls nicht feststellen können, dass bei städtebaulichen Maßnahmen Jugendliche mit ihren Wünschen in die Planungen mit einbezogen werden - mit nur ganz wenigen Ausnahmen, wie beim Bau des Skaterparks in der Krämpfervorstadt.

Neue Spielplätze wie der Hirschgarten sind nötig, wie dessen gute Auslastung zeigt. Für Jugendliche als Treffpunkt sind sie aber ungeeignet. "Wir gehen gern auf den Petersberg", nennen die jungen Frauen eine Alternative, auch wenn sie sich ärgern, dass für Boule (ähnlich Boccia) dauerhaft der Sand in der Einfriedung fehlt. Auch sonst bietet er kaum Freizeitangebote. Dafür ist er zentral, besitzt genügend Raum, um sich zurückziehen zu können.

Über die Offerten der Sportvereine lässt sich in dieser Stadt kaum meckern. Für künstlerische Aktivitäten jedoch fehlen oft die Möglichkeiten. Da wird gespart. Das Jugendtheater "Die Schotte" kämpft dauerhaft ums Überleben, wie auch andere Einrichtungen, denen die Mittel gekürzt wurden. Einige, wie beispielhaft der Jugendklub in Stotternheim, überleben die Kürzungen nicht. Knappe Stadtkassen machen sich besonders in dieser Altersgruppe bemerkbar. Nicht alle von ihnen nutzen einen der wenigen Jugendclubs, die es gibt. Denn die gerade beginnende Selbstbestimmung ist ein wichtiges Gut. Deswegen weichen sie in die Öffentlichkeit aus - und sind nicht nur selten gern gesehen. Und das, obgleich ihnen niemand sagen kann, wohin sie gehen sollen.

Zentrumsnahe Skaterparks gibt es keine. Mit Mühe lassen sich die an den sozialen Brennpunkten durchsetzen. Die Jugendlichen gehören zu einer vergessenen Gruppe. Eine, die sich selbst überlassen bleibt. Während Sophie Beinlich, Michele Stadelmaier, Lisa Fischer und Vanessa Hellmund aus der Studiengruppe der 11. Klasse trotzdem gut zurecht kommen, geraten andere Altersgenossen auf die "schiefe Bahn" - und werden erst dann wahrgenommen.

24.11.2010
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