Frauen & ihre Handtaschen: Einblicke in ein Heiligtum

Eine untrennbare Einheit: Frauen und ihre Handtaschen
 
Die wohlgeordnete Tasche der Lehrerin
 
Das Handy war nicht zu finden, dafür aber die Knallerbsen!
Sage und schreibe 76 Tage ihres Lebens sollen Frauen damit zubringen, in ihrer Handtasche zu kramen. Gut, ich gebe zu: Sämtliche Handtaschen, die ich bisher besaß, zeichneten sich allesamt dadurch aus, dass sie ein wahrhaft undurchdringliches Labyrinth in ihrem Inneren verbergen. Selbst, wenn die Tasche aus nur einem einzigen großen Fach besteht, verschwinden Dinge in den unendlichen Tiefen des mit garantiertem Eigenleben versehenen modisch-praktischen Accessoires. Nur die wenigsten Frauen vermögen ein solches Ungetüm wirklich zu verstehen, geschweige denn zu bändigen…

Für Männer ist das unbegreiflich. Wozu braucht man (oder besser „frau“) überhaupt ein solches Utensil? Mit Brieftasche und Schlüssel ist der moderne Mensch schließlich perfekt ausgerüstet. Oder etwa nicht? Der Geldschein lässt sich zur Not sogar in der Hosentasche verstauen.

Ich wagte mich also an das geheime Heiligtum der Damenwelt heran und bat einige Frauen darum, den einen oder anderen Blick in das Tascheninnere werfen zu dürfen. Manche zeigten sich eher zögerlich, doch als ich allen Taschen-Zeigerinnen vollkommene Anonymität zusicherte, öffneten sie die Reiß- und Clipverschlüsse und gönnten sie mir doch die Befriedigung meiner Neugier.

Doch zuvor noch ein wenig mehr Statistisches: Gut jede fünfte Frau kauft sich in jedem Jahr eine neue Handtasche. Genau dort bewahrt übrigens zwei Drittel der holden Weiblichkeit auch ihr Handy auf. Das wiederum findet jede zweite von ihnen nicht in den wohlgefüllten Untiefen, selbst dann nicht, wenn es klingelt. (so eine Kollegin habe ich auch...) Männer haben es da einfacher, sie packen ihr Mobiltelefon einfach in Jackett - oder Hemdtasche, tragen es lässig am Gürtel der Hose oder haben ihm einen festen Platz in ihrer Arbeitsmappe zugedacht. Wie praktisch. Und wie langweilig…

Kommen wir also zu den Einblicken:

Beispiel 1:

Die Besitzerin dieser Handtasche ist von Beruf Lehrerin. Bereitwillig breitet sie den Inhalt vor mir aus: Brieftasche und Notizbüchlein, Handy, ein Kugelschreiber und Zahnseide machen alles sehr übersichtlich. Hinzu kommen eine Tube Handcreme (macht das Schreiben mit Tafelkreide etwa raue Hände…?), ein Paar Ersatzsöckchen und ein Flyer von irgendwoher. Komplettiert wird das Ganze von einem Kontaktlinsenbehälter. Uuuppps, habe ich jetzt etwa ein Geheimnis verraten und die bislang sorgsam vor der übrigen Welt verborgene Kurzsichtigkeit preisgegen? Ach was, es bleibt ja anonym. Alles in allem macht diese Tasche einen sehr wohlgeordneten Eindruck. Bravo, Frau Lehrerin!


Beispiel 2:

Hier wurde mir ein kleines Ausgehtäschchen präsentiert. Ein Fach, ein Blick und alles ist erfasst: Etwas zum Gut-Duften, eine Packung Taschentücher und der unvermeidliche Lippenstift, damit selbst der wildeste Feier-Abend unverwischbare Spuren hinterlässt. Total langweilig.
Etwas verwunderlich nur, dass sich nicht ein einziger Euro im Inneren befand. "Brauch' ich nicht, ich gehe doch mit meinem Freund aus und der bezahlt eh alles", so die erklärende Antwort der jungen Taschenbesitzerin. Naja, noch ein paar Jährchen, dann steckt sie zumindest noch den Notgroschen ein. Der sollte dann im Falle eines Falles dafür reichen, wenigstens das Taxi nach Hause bezahlen zu können. Schließlich kann man sich ja auch mal in die Haare geraten...


Beispiel 3:

Diese Tasche gehört zu einer gutgelaunten 80-jährigen Dame, die locker von jedem für zwanzig Jahre jünger gehalten wird. Aha, dann sind die mitgeführten Tabletten also Verjüngungspillen. "Ach was,", lacht sie fröhlich plaudernd, "das ist doch nur meine ganz normale Medizin". Und die muss immer mit. Ihr Reservoir an weiteren notwendigen, unbedingt mitzuführenden Dingen besteht aus einem kleinen Schirm, der Brieftasche, einem Mini-Deo und dem zusammengefalteten Beutel. Man weiß ja nie, welche Einkäufe frau heute noch so begegnen. Ohne Schere übrigens geht sie niemals aus dem Haus. ???!!!??? Fazit: Diese Dame ist für alles gerüstet.


Beispiel 4:

Ein glitzerndes kleines Etwas am Handgelenk dieser Taschenträgerin? Unvorstellbar! Schön groß und geräumig und vor allem robust muss es sein. Der Inhalt der Tasche zeugt von einiger Kreativität. Obwohl ich anmerken muss, dass sämtliche zum Angucken und Fotografieren ausgebreiteten Inhaltsstoffe zuvor noch nie in derart trauter, ordentlicher Einigkeit beisammengelegen hatten. Terminkalender, Taschentücher, ein kleines und ein großes Portemonnaie sowie das gutgefüllte Schminktäschchen gehören ja noch zu den normalen Dingen, die man - äähh frau - dabei haben muss. Hier ebenso das Asthmaspray.
Mit Mundspülung und Pfefferminzbonbons ist diese Dame für alle Eventualitäten bestens vorbereitet. Ebenso mit Nähzeug und Parfüm. Ob der mitgeschleppte Stein allerdings ein taugliches Mittel für etwaige, dann schnell verblüffte Angreifer oder doch eher eine liebe Erinnerung ist, war der Besitzerin nicht zu entlocken. Und mit dem alten Kassenzettel hat es bestimmt eine wichtige Bewandtnis (sicher ist er für irgendeine Garantieleistung noch gut...). Schließlich wären da noch Haarspangen zu nennen (bei eher kürzeren Haaren).

Ein Handy kam beim Auspacken übrigens nicht zum Vorschein. Das hat sie wohl mal wieder nicht gefunden in den verwirrenden Gewölben dieser Tasche. Als interessantestes Detail erwies sich übrigens eine Blechschachtel mit Knallerbsen. Wozu braucht man diese denn?
Fazit: Diese Taschenbesitzerin kann nichts überraschen, sie ist gewappnet. Und wenn es die spontane Knallerbsen-Party ist...!


Beispiel 5:

Mit einer Flasche Wasser, Brieftasche, einem Schlüsselbund und Taschentüchern zeigt sich diese Tasche einer gerade dem Teenageralter entwachsenen jungen Frau äußerst übersichtlich und aufgeräumt. Nur die obligatorische Sonnenbrille lässt vermuten, dass wir es hier mit einer Taschenbesitzerin der jüngeren Generation zu tun haben. Naja, vielleicht hätte ich in diesem Fall vorher nicht ankündigen sollen, dass ich neugierig bin und unbedingt mal gucken möchte...?


Beispiel 6:

In diesem Fall ist die Handtasche zu einem ganzen Rucksack mutiert. Das ist auch notwendig. Beim Ausräumen verfällt die Besitzerin ein paar Mal in blankes Entzücken, so lange hatte sie das eine oder andere nicht gesehen. Das Handy gehört nicht dazu, schließlich klingelt es ja häufig. Auch Brieftasche, Schlüssel, MP-3-Player, Notizbuch und diverse Stifte sind ständig in Gebrauch.

Die mitgeschleppte Flasche Wasser ist ein Muss. Und mit Brötchen und Banane hat der sich anschleichende Hunger nicht die geringste Chance. Was aber macht die Uhr im Rucksack? Und die an diesem Tag keinem konkreten Zweck dienende CD? ("Irgendeine habe ich immer dabei", ist zu erfahren.) Das zusammengefaltete, vom Töchterchen selbstgemalte Bild allerdings hat eindeutig einen würdigeren Platz verdient. Interessant wird der nächste Blick.

Stulpen, ja, die braucht sie immer, schließlich hat sie viel mit Tanzen zu tun. Deshalb auch die Gymnastikschuhe. Die Schuhe??? Selbst nach dreimaligem Rucksack-Umkrempeln war es uns nicht gelungen, den zweiten zu finden. Dabei hat deren Trägerin doch zwei Beine, ganz ehrlich...!


Beispiel 7:

Hier wurde mir leider die Fotografiererlaubnis untersagt. Wie schade. Ich musste zweimal hingucken, denn das hatte ich nun wirklich nicht in einer Damen-Handtasche erwartet: Neben den Dingen, die frau eben so benötigt, gehören hier Nägel und Zollstock zu den absolut notwendigen Utensilien. Die Erklärung dazu ist einfach: Die Taschenbesitzerin arbeitet dort, wo beinahe täglich etwas ausgemessen und aufgehängt werden muss. "Und bevor ich da jedes Mal auf die Männer warte, dass die aus dem Knick kommen, mache ich das eben selbst", sagt sie und lässt den Verschluss ihrer Tasche schon wieder zuschnappen.




Ja, das waren sie, die kleinen Einblicke in Dinge, die andere sonst nicht zu sehen bekommen. Doch meine Neugier ist geweckt. Also, liebe Frauen, lasst es mich wissen, was Ihr in Euren Handtaschen so mit Euch herumschleppt, an notwendigen und vor allem vollkommen überflüssigen Utensilien.

Natürlich dürfen sich auch gern die Herren der Schöpfung zu diesem Thema äußern. Aber wartet nur, Ihr seid auch noch dran: Als nächstes nehme ich mir den Inhalt Eurer (oft prallgefüllten) Hosentaschen vor...!!!


P.S. Ein klein wenig bin ich immer noch mit Dir sauer, liebe S.R., dass ich nicht in Deine Tasche gucken durfte. Nicht mal der allerwinzigste Sekundenblick in dieses Heiligtum war mir vergönnt. Dort müssen sich ja Abgründe auftun...
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5 Kommentare
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 18.05.2011 | 15:26  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 18.05.2011 | 18:17  
Helke Floeckner aus Erfurt | 19.05.2011 | 11:48  
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Ines Herholz aus Erfurt | 20.05.2011 | 11:42  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 24.05.2011 | 21:31  
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