Für die Tiere leben

Mäxchen schmust mit Sabrina aus Weimar. Sie hat der Pflegestation ein Katzenbettchen gespendet.
 
In der Quarantänestation - ein Mitbewohner der Pflegestation.
Silvia Berlt betreut momentan in einer Pflegestation 35 Katzen – Tierschutzverein hat zu wenig Mittel



Von Thomas Gräser

Mäxchen soll aufs Foto. Mäxchen will aufs Foto. Neugierig stupst er mit seiner Pfote auf das Blitzlicht. Von Angst ­keine Spur mehr.

Mäxchen ist ein junger Kater und lebt neben ­anderen 34 Artgenossen in der Pflege­station des Tierschutzvereins Weimar bei Silvia Berlt (60). Topas, Jule, Sila, Cleo... toben derzeit herum oder liegen beobachtend auf Kissen oder Decken und werden sanft zur Räson gebracht, wenn sie sich kampeln. Katzenalltag! Der sieht für Silvia Berlt und ihren Mann ganz anders aus.

Mäxchen bejaht das auf seine Weise, springt auf den Tisch, legt sich auf den Schreibblock und stupst vorsichtig den Kuli an: Los schreib!

Die "Katzenmutter" ist die einzige im Tierschutzverein, die Babykatzen, ja ganze ­Würfe, aus Weimar und dem Weimarer Land aufnimmt. Und die haben oft ein hartes Schicksal hinter sich. So landeten entsorgte Tiere in Containern, andere wurden in Baugruben oder aus dem fahrenden Auto geworfen. "Das sind Katzenschicksale, die kann man nicht beschreiben. Wir werden ständig mit Leid konfrontiert", sagt Berlt. Die jungen Tiere machen natürlich viel Arbeit. Da heißt es jede Stunde füttern, auch nachts, mit Babyflasche und Spezialmilch. Doch das alles macht Tierschützerin Berlt aus Überzeugung. "Das Tier ist ein Lebewesen und hat genauso Rechte wie die ­Menschen", sagt sie.

Und als ob Mäxchen das bestätigen will, schmust er schnurrend mit der Foto­tasche.

Dieses Jahr ist die Katzenzahl bei Silvia Berlt besonders hoch. Es herrscht Abgabenot. Die meisten Tiere finden übers Internet ein neues Zuhause. Doch darin scheint auch ein Problem zu liegen, denn dort werden immer mehr Katzen kostenlos angeboten.

Für die Pflegestation erhält die "Katzenmutter" 50 Euro für Futter und die Tierarztkostenerstattung vom Tierschutz­verein. Aber allein das Katzenstreu kostet Silvia Berlt monatlich 200 Euro. Dazu kommen Strom, denn den ganzen Tag läuft die Waschmaschine für das Tierwohl, Desinfektions- und Reinigungsmittel. Die fehlenden Hun­derter legt Berlt privat drauf.

Mäxchen horcht auf und legt sich schmusend auf den Schreibblock. Er dankt wohl.

Und dann sind da noch die schweren Fälle - gequält, verstoßen. "Ist die Katze krank oder schwanger, fliegt sie raus", sagt Berlt. Viele Menschen achten die Tiere nicht mehr. Sie werden lästig, machen Arbeit, kosten Zeit und Geld. Man sollte sich vorher gründlich informieren. "Eine artgerechte Haltung muss sein. Wer das nicht gewährleisten kann, sollte sich kein Tier an­schaffen", sagt Berlt. Viel mehr Städte - wie es Jena und Arnstadt getan haben - müssten die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einführen.

Mäxchen erschrickt, springt vom Tisch. Er hat wohl genug gehört.

Besser, er verpasst das jetzt: Purzel wird seit sechs Jahren von Silvia Berlt gepflegt. Er ist unheilbar erkrankt, liegt meistens zugedeckt im Körbchen und wird mit einer Spritze gefüttert.

Zwölf Babykatzen sind krank, erlitten einen Rückfall. Oder der schwarze Kater, der sein Fell durch die Medikamente gegen eine Blasenentzündung verlor. Fünf Mal am Tag, über vier Monate hieß es für die beiden Tierschützer: Verband wechseln. Der Kater hat es geschafft. Seine elf Kilogramm Gewicht unterstreichen das. "Alles dreht sich bei uns um die Tiere. Das ist unsere Lebensaufgabe", sagt Berlt.

Mäxchen kommt zurück, will spielen und animiert durch Schmusen. Er liebt anscheinend Happyends.

Doch dafür ist es noch zu früh. Bei Silvia Berlt fehlt es an: Katzenfutter, -streu, Zubehör, Kratzbäumen, Geld. Und den anderen fünf Pflege­stationen in Weimar und dem Weimarer Land wird es nicht viel besser gehen.

Zum Abschied miaut Mäxchen. Seine Augen sagen: Bitte helft!


SPENDEN AN:
Tierschutzverein Weimar e.V.
Kto.: 09 36 29 27 00
BLZ: 820 800 00, Commerzbank
Stichwort: Silvias Katzennot



HINTERGRUND

• Sechs Pflegestationen für Katzen unterhält der Tierschutzverein Weimar e.V.

• Der Tierschutzverein will die Population der frei lebenden Katzen und Kater eindämmen, um das vorhandene Katzenelend zu verringern. Der Bestand der Tiere ist in Weimar und Umgebung auf jährlich 150 bis 170 Tiere gestiegen. Die Kosten betragen zirka 12 000 Euro im Jahr,

• » tierschutz-weimar.de
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3 Kommentare
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Dieter Pemsel aus Weimar | 19.12.2013 | 14:26  
12.761
Renate Jung aus Erfurt | 20.12.2013 | 03:08  
12.761
Renate Jung aus Erfurt | 23.01.2014 | 13:43  
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