Gecastet wird in Hollywood

Einnehmendes Lächeln: Die Schauspielerin Kerstin John aus Erfurt lebt seit 14 Jahren in der USA, inzwischen in Westhollywood. Foto: Axel Heyder
Huntington Beach (Vereinigte Staaten): Filmfabrik | Die Schauspielerin Kerstin John lebt seit 14 Jahren in den USA

Zu Hause in Thüringen lädt Kerstin John ihren innerer Akku auf. „Wenn ich wüsste, ich könnte nicht wenigstens einmal im Jahr nach Thüringen kommen, dann würde ich sicher nicht dort bleiben“, sagt die smarte Erfurterin bei ihrem Besuch im März. Dort, das ist Westhollywood, wo sie als Schauspielerin und Model arbeitet und wohnt.

Als Aupair startete sie in Minneapolis, Ende 2000 trat sie das große Abenteuer USA an. Und sie blieb gleich dort. Studierte fünf Jahre Architektur in Portland (Oregon), arbeitete anschließend in einem der größten Büros in der Stadt. Bei Sienna Architecture Co, die 2009 fast ein Opfer der Finanzkrise wurden.

„Ich glaube, die Amerikaner mögen die Einstellung der Deutschen zur Arbeit. Sie lieben das Gewissenhafte, die Detailverliebtheit, du musst aber eben auch Teamspieler sein“. An der Art, gewisse Dinge etwas lockerer anzugehen, könnten sich die Deutschen zuweilen ein Beispiel nehmen, findet die 32-Jährige.

Eher zufällig landete die Erfurter Sportschülerin auf dem Laufsteg: Als ehemalige Schwimmerin macht Kerstin John, deren Vornamen in Amerika niemand aussprechen kann, immer noch eine gute Figur. Für einen Sportartikelhersteller modelte sie und wurde unmittelbar nach der ersten Show angesprochen. Von einem Agenten. Wie im Film. „Glücklicherweise kannte eine Freundin den Mann von Q6, der Agentur aus Portland. Die ist seriös.“ Und so gesellten sich zu den Auftritten als Model die ersten Jobs vor der Kamera hinzu, vor allem in der Werbung.

„Zum Glück bin ich in der Schauspielerunion“, erklärt die Thüringerin das völlig andere System der Bezahlung: „Du weißt vor einem Job nie, wie viel am Ende herauskommt. Statt eines Festbetrages, wird gezahlt, wenn ausgestrahlt wird, abgerechnet über die Union.“ Mit Greencard ausgestattet, gehe es ihr recht gut, erzählt sie. „Aber wenn du wirklich mit Schauspielerei dein Geld verdienen willst, darf man es nicht nur halb angehen“, erklärt sie, warum sie von Portland nach Hollywood gezogen ist. „In den Zeiten ohne Engagement darfst du kein Casting verpassen, da sind kurze Wege wichtig.“ Und gecastet wird nun mal in Hollywood.

Die richtig große Hauptrolle hat Kerstin John zwar noch nicht an Land gezogen, derzeit hat sie aber Bewerbungen für sieben verschiedene Rollen abgegeben, trainiert den winzigen verblieben Akzent weg, den sie immer dann wieder hervorkramt, wenn im Drehbuch eine Deutsche Auswanderin gesucht wird. Schauspielunterricht füllt die Phasen zwischen den Engagements und wer weiß, vielleicht klappt es ja mal, mit der ganz großen Rolle.
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