Geliebtes "Klappi" - das sogar zum Klappradrennen des Todes antritt

Wann? 23.07.2016 15:00 Uhr

Wo? Domplatz, Domplatz, 99084 Erfurt DE
Vom Domplatz aus startet zum mittlerweile vierten Mal das "Klappradrennen des Todes". Holger kann es nicht erwarten, an diesem Tag auf jede Menge Gleichgesinnte zu treffen. Er selbst möchte nicht im Mittelpunkt stehen, der wahre Held ist das Klappi - das Klappfahrrad.
 
Klappifans genießen ihr Fortbewegungsmittel und Hobby am liebsten in der großen Runde. (Foto: privat)
Erfurt: Domplatz | In Erfurt und vielen anderen Thüringer Orten wird das (alte) Klappfahrrad immer mehr zum Kult. Den Beweis gibt es am 23. Juli in Erfurt, vom Domplatz aus startet das "Klappradrennen des Todes".


Wir haben eindeutig mehr Spaß als die anderen!". Die anderen, das sind die mit den großen schlanken Rädern, zwei wunderbar funktionierenden Bremsen, dem schnittigen Rahmen und einer Schaltung mit wer weiß wievielen Gängen. Nichts für Holger. Der Erfurter ist Klappfahrrad-Fan. Wie so viele andere auch. Und sie werden mehr, wenn auch die Räder im Grunde nicht zunehmen. Ein regelrechter Kult entwickelt sich in Thüringen um die "Klappis", wie die Fahrer ihre Drahtesel liebevoll nennen.

Die Alten sind die Helden


Nur die alten Fahrräder sind die wahren Helden, die aus DDR-Zeiten. 20 Zoll, keine Schaltung, mit Rücktritt und natürlich dem obligatorischen Klappgelenk. "Nicht zu verwechseln mit dem Faltrad", möchte Holger betont wissen, das zählt nicht. Die Klappi-Vorteile liegen auf der Hand. Klein ist es und wendig. "Du kannst dich damit überall durchwuseln", weiß der 31-Jährige aus eigener, häufig gemachter Erfahrung. Gerade in der Stadt bringt das Rad seinen Fahrer schnell und zuverlässig von A nach B. Und die dickeren Reifen trotzen schon eher den Straßenbahnschienen als andere Räder. Wer kräftig in die Pedale tritt, bringt es auf dem funktionalen Fahrrad ohne Komfort durchaus für ein Stück auf eine Geschwindigkeit zwischen 35 und 40 kmh. "Die Klappis können wahre Rennmaschinen sein", sagt Holger und zwinkert ein wenig mit den Augen dazu.


Für den dauerhaften Gebrauch oder für große Touren eignet sich das Klappi natürlich nicht. Muss es auch nicht. Holger, sein Bruder und all die anderen setzen eher auf die Optik. "Es gibt nichts Schöneres, als am Klappi etwas zu machen, auf das Tuning kommt es an!" Die einen lassen ihr Fahrrad am liebsten in der Originalfarbe von damals und polieren es wie verrückt, andere versehen es mit einem neuen Anstrich oder einer teuren Pulverbeschichtung. Dazu gibt es vielleicht eine Scheibenbremse - mehr für Optik, wissen die Insider. Mancher passt die Farbe der Räder sogar der vom Rahmen an. "Schutzbleche sind auch was Feines", hat Holger für sich und sein Klappi entschieden, das seit neuestem ganz in Weiß daherkommt. "In vielen Klapprädern steckt ganz viel Arbeit drin", zollt er den Mühen der Klappi-Fans Tribut. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. An ihren fahrbaren Schätzchen basteln sie allein oder in Gemeinschaft, ab und zu treffen sie sich, um zusammen ein Stück zu radeln und ihre neuesten Tuning-Erfolge zu zeigen.

Der eine verrückte Tag


Das ganze Jahr über freuen sich die Klapprad-Besitzer allerdings auf den einen, verrückten Tag. Dann nämlich, wenn Holger und sein Bruder zur großen Fahrt ganz in Klappi-Familie rufen. "Klappradrennen des Todes" nennen sie den Riesenspaß, der auf dem Domplatz beginnt und etwa zehn Kilometer durch die Stadt führt. Jeder Teilnehmer muss auf dem Weg ins Ziel sechs Spaß-Stationen absolvieren, mal sind da Kronkorken zu angeln, Papierflieger zu bauen oder ein Bier ganz schnell auszutrinken. Viele der Fahrer kommen zum Rennen in herrlich verrückten Kostümen. Damit treten sie nicht nur bei der Wahl um das beste Kostüm an, sondern sorgen für etliches Aufsehen. "Wenn so eine Horde Klappifahrer an einem vorbeifährt, ist das schon toll. Mit Kostümen natürlich noch viel genialer", ist Holger schon jetzt auf die staunenden Zuschauer gespannt. Es ist ein bisschen so, als ob ein Zoo an einem vorüberfahre, fügt er lachend hinzu.


Gelacht wird überhaupt viel an einem solchen Renntag, das ist sowieso die Hauptsache. Natürlich, gibt der junge Mann zu, machen beim Rennen auch jene mit, die sich mächtig in die Pedale legen, um zu gewinnen. Dafür ist es ja ein Rennen. Andere wollen eher mit der Kostümierung punkten. Sie alle haben einfach nur mordsmäßig Spaß. "Es ist wie ein riesiger Kindergeburtstag oder ein Klassentreffen", freut sich Holger auf weit mehr als 100 Klappi-Fans an diesem Tag, die anschließend im "WirGarten" am Juri-Gagarin-Ring gemeinsam feiern.



Termin:


"Klappradrennen des Todes", Samstag, 23. Juli, Domplatz Erfurt, Anmeldungsstart 14.15 Uhr, Rennstart 15 Uhr. Kontakt über Facebook.
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1 Kommentar
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 15.07.2016 | 11:51  
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