Gotha hat seinen Gotha wieder! Berühmtes Adelsverzeichnis erscheint neu

Der Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Deutsches Adelsarchiv und Präsident der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände (VdDA), Dr. Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein mit einigen Exemplaren des „Gotha“. (Foto: Albrecht Prinz von Croÿ)

In Erinnerung an den alten, sogenannten 'Gotha' wird aus dem Genealogischen Handbuch des Adels das 'Gothaische Genealogische Handbuch', das am Samstag feierlich übergeben wird.




In adeligen Kreisen ist Gotha wohlbekannt. Nicht nur, weil es lange schon familiäre Verbindungen zwischen hier und dem britischen Königshaus gibt. Bereits vor Jahrhunderten führte manch kundiger Adliger das Wort „Gotha“ im Munde, mit dem Artikel 'der' versehen und ohne die Stadt zu kennen: Mitte des 18. Jahrhunderts erschienen in fast allen souveränen Flächen- und Stadtstaaten Europas Kalender und Almanache, zu deren Bestandteilen auch eine Genealogie des jeweiligen Herrscherhauses und befreundeter Dynastien zählten.

In Gotha entstand in diesem Zusammenhang das „Genealogische Handbuch des Adels“. Es enthielt Informationen der regierenden Häuser, der aktuellen Zeitgeschichte und der genealogischen Stammbaumfolgen des Adels. Während die anderen Bücher nach und nach verschwanden, wurde dieses immer erfolgreicher. Der Einfachheit halber hieß es umgangssprachlich „Der Gotha“, er verhalf damit seiner Entstehungsstadt zu weltweitem Ruf. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden auch die nicht standesherrlichen und ausländischen Fürstenhäuser in den Kreis der Veröffentlichungen aufgenommen, der Verlag Perthes in Gotha begründete Reihen genealogischer Taschenbücher für die gräflichen, freiherrlichen, uradeligen und briefadeligen Häuser, diese erschienen bis 1942. Ein in Görlitz ansässiger Verlag setzte später die Tradition fort, verwendete im Titel nicht den Namen Gotha, auch nannte keiner das Nachschlagwerk mehr so.

Anknüpfen an die Tradition



Nun kehrt „Der Gotha“ zu seinen Wurzeln zurück, zumindest dem Namen nach: Die Stiftung Deutsches Adelsarchiv erwarb die Rechte an den Handbüchern und präsentiert nun im Eigenverlag den ersten Band einer Reihe von Adelshandbüchern. Es ist das „Gothaische Genealogische Handbuch“ und knüpft so an die 180-jährige Tradition an. „Der Name ist eben einfach ein Begriff, es gibt nur ein wirkliches Nachschlagwerk hierzulande“, weiß Albrecht Prinz von Croÿ, Chefredakteur des Deutschen Adelsblatts. „Zurück zu den Wurzeln, jetzt ist er sicher bald wieder 'der Gotha'. Und mit dem neuen Almanach, fügt von Croÿ hinzu, sei die Zukunft des Deutschen Adelsarchivs gesichert. Derzeit leben rund 80.000 Adlige in Deutschland. Während in Ländern wie Großbritannien durch Ernennungen der Adel immer noch großzügig wachsen kann, sind solche Berufungen hierzulande nicht möglich. Deutscher Adel kann nur auf natürlichem Weg fortbestehen.


Interessant sind die Handbücher in vielerlei Hinsicht. Adlige Familien sind meist sehr traditionsbewusst, sie verwenden den Gotha als Nachschlagewerk und als Nachweis ihrer langen, verzweigten Familiengeschichte und heutiger Verbindungen. Auch für Wissenschaftler bieten die Bücher wertvolle Daten. Nicht zu vergessen sind die Nicht-Adeligen, die immer gern mehr über die Blaublüter wissen möchten und in Aufzeichnungen stöbern. „In Deutschland besteht ein riesiges Interesse an allem, was adlig ist. Wenn eine Fernsehsendung einen solchen Inhalt hat, steigen regelmäßig die Quoten“, weiß Albrecht Prinz von Croÿ.


Zwar sitzt der herausgebende Verlag des neuen Handbuchs in Marburg, doch den Machern ist die Verbindung zu Gotha wichtig. Deshalb hat der Name der Stadt den Weg in den Titel gefunden, deshalb wird der erste Band feierlich im Schloss Friedenstein präsentiert.



Termin:



Der erste Band der neuen „Gothaischen Genealogischen Handbücher“ wird am 27. Juni mit einem Festakt in Schloss Friedenstein in Gotha der Öffentlichkeit präsentiert werden. Weitere Informationen: www.gotha-handbuecher.de


Der deutsche Adel:


Der deutsche Adel hatte bis zur Aufhebung des Standes Vorrechte gegenüber der übrigen Bevölkerung, insbesondere übte er in den meisten deutschen Territorien die Herrschaft aus oder war zumindest maßgeblich an ihr beteiligt. Er wird häufig mit jahrtausendalter, bis auf die Germanen zurückgehende Tradition in Verbindung gebracht.


Die Archäologie kennt früheste Herrschaftszeugnisse vor allem aus Grabfunden und Resten ehemaliger Villen und Burgen, die als solche „adeligen Lebens“ gedeutet werden[1], ohne dass sichere Aussagen über die soziale Struktur von Gemeinschaften gemacht werden können, zu denen keine schriftlichen Zeugnisse vorliegen. Caesars Schrift De bello Gallico (52/51 v. Chr.) und die Germania des Tacitus aus dem Jahre 98 n. Chr. werden oft als erster Beleg für die Existenz des germanischen Adels aufgefasst. Diese Deutung ist nach neueren Forschungen jedoch nicht haltbar: Sie steht im Kontext eines inzwischen überholten Germanenbegriffs im Rahmen einer „durch das Bedürfnis nach einer nationalkulturellen Identitätsbestimmung motivierten Geschichtsforschung in Deutschland im 19./20. Jahrhundert.


Der Herrschaftsanspruch des Adels gründete sich unter anderem auf Leistung, Erziehung, Abstammung sowie unterstellte göttliche Absicht. Ab dem 11./12. Jahrhundert war der Adel im rechtlich-sozialen Sinne ständisch organisiert. Bürgerliche konnten im Mittelalter als Ritter, ab dem 14. Jahrhundert durch Nobilitierung in den Adel aufsteigen.


Am 11. August 1919 wurden mit der Weimarer Reichsverfassung die „öffentlich-rechtliche(n) Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes“ aufgehoben. Bis heute stellt der Adel in Deutschland dennoch mitunter eine relativ geschlossene Gesellschaftsschicht mit eigenen Lebensformen, Umgangsweisen und differenziertem Standesethos dar.

(Quelle: Wikipedia)
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1 Kommentar
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Stephan Perthes aus Gotha | 30.06.2015 | 16:04  
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