Gurkenpaule lebt - Schuhwerker von "Paul Schäfer" treffen sich

Wann? 04.06.2016 14:00 Uhr

Wo? Herrschafts Gaststätte, Wilhelm-Busch-Straße 36, 99099 Erfurt DE
Sie hat unzählige Erinnerungen an ihre Zeit in der Schuhfabrik "Paul Schäfer" und möchte die mit Gleichgesinnten teilen. Deshalb kümmert sich Silvia Carpentier um das "Schustertreffen" - die Begegnung der ehemaligen Mitarbeiter. Im Hintergrund zu sehen: das Gebäude in der Weimarischen Straße in Erfurt, in dem sich einst das Werk II befand.
 
Kultur spielte eine große Rolle im Unternehmen, die Schuhwerker beschäftigen sich unter anderem auch mit Musik, Malerei oder Theater. Dieses Bild stammt von der Erfurter Malerin Irmgard Bartlitz und zeigt eines der Werke der Schuhfabrik in Erfurt. (Foto: Irmgard Bartlitz)
Erfurt: Herrschafts Gaststätte | Gurkenpaule lebt! Ehemalige Mitarbeiter der Schuhfabrik "Paul Schäfer" treffen sich am 4. Juni in Erfurt und freuen sich auf viele Kollegen von früher.


“Schuhfabrik Paul Schäfer“ zu sagen, war manchem Erfurter zu umständlich. Da kam ihm „Gurkenpaule“ besser über die Zunge. Den Schustern gefiel es weniger, doch sahen sie darin auch einen Wink mit dem Zaunpfahl, ihren Ruf wieder aufzupolieren. Sie mögen Klartext. „Sie reden nicht drumherum, sind direkt und gradlinig“, weiß Silvia Carpentier aus Erfahrung und kann es kaum erwrten, die für sie so wohlklingende Art der Kommunikation erneut zu erleben. Einen Nachmittag lang. Denn bald möchte sie die ehemaligen Schuhwerker um sich scharen.


Sie ist eine von ihnen. Der „Wandervogel“, wie sie sich selbst rückblickend nennt, schmiss ihr Lehrerstudium und landete eines Tages bei „Paul Schäfer“. Hier fing sie 1974 noch einmal von vorn an, wurde Schuhfacharbeiterin, später Lehrausbilderin, Meister und Ingenieur-Ökonom und schließlich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Büro des Betriebsdirektors. Heute würde man wohl Assistentin sagen. Also die, die sich um alles kümmert, überall Bescheid weiß, Organisationstalent hat, improvisiert.

Eine besondere Atmosphäre bei "Paul Schäfer"


“Bei uns im Betrieb hatten wir eine besondere Atmosphäre“, wirft Silvia Carpentier einen nostalgieschwangeren Blick zurück. Hier gab es nicht nur jede Menge Kultur und Wissensvermittlung für die Beschäftigten, sondern auch bei der Arbeit neue Wege: Gegen die Gleichmacherei wollten die Schuhwerker sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung eine leistungsgerechtere Entlohnung umsetzen; mit Musik aus Kopfhörern ging manche Verrichtung leichter von der Hand oder die Alten, die Rentner, konnten stundenweise arbeiten und Taschen nähen, wenn sie wollten, weil es ihnen zu Hause zu einsam war. „Wir haben gute Schuhe gemacht, deshalb hatten wir als Betrieb auch gewisse Freiheiten“, weiß Silvia Carpentier und könnte stundenlang weiter erzählen. Eines ist ihr noch heute ganz wichtig: es war ein gutes Miteinander. Vielleicht auch deshalb, weil 'die da oben' nicht abgehoben waren, sondern lebten, was sie sagten.


Schuhwerker sind nicht die, die mit dem Wende-Aus ihres Unternehmens ewig hadern, sie sind eher die praktischen Typen, die nach vorn sehen. Trotzdem - die Erinnerungen bleiben, lassen sich wunderbar einbinden in das Heute. Besonders bei Silvia Carpentier, die jahrelang im Servicecenter der Zeitungsgruppe Thüringen arbeitete und dort immer wieder einmal alten Kollegen begegnete. Das ist keine Kunst, schließlich hatten die Erfurter Werke zu ihren besten Zeiten 4500 Mitarbeiter. Inzwischen sind viele Jahre vergangen, die Schuhwerker werden nicht jünger. Höchste Zeit, sich in der großen Runde zu treffen. Zweimal schon hat Silvia Carpentier mit einem kleinen Organisationskomitee ein solches Treffen organisiert, nun soll es zum dritten Mal stattfinden. „Es tut so gut, die Kollegen von damals wiederzusehen, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen“, gibt sie zu und freut sich auf die vielen alten und vielleicht neuen, noch nicht gehörten Geschichten. Die von dem Kollegen aus der Führungsetage etwa, der sich auch bei Dienstberatungen nicht von seinen Jesuslatschen trennte oder jene von den legendären Schusterbällen. Ein bisschen lebt er immer noch, der positive Geist vom „Gurkenpaule“.


Das Treffen:


Das Ehemaligen-Treffen ist am Samstag, 4. Juni, ab 14.00 Uhr im Biergarten von „Herrschafts Gaststätte“ am Erfurter Lok-Sportplatz in der Wilhelm-Busch-Straße 36. Kontakt: 0151/22497416 oder 0361/4222612.
Anmeldung bitte bis 28. Mai, Teilnehmerbeitrag (15 Euro) bitte an: Silvia Carpentier, Betreff: Schustertreffen, IBAN DE62 8206 4228 0101 3305 35, Erfurter Bank.


Die Schuhfabrik „Paul Schäfer“ :



Insgesamt 12 Werke mit 28 Produktionsstätten (unter anderm in Gotha, Bad Langensalza, bad Frankenhausen, Wiehe…) zählte die Schuhfabrik „Paul Schäfer“ einst in Thüringen, dort waren rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Hauptwerk in Erfurt galt bis zur Wende als größter Damenschuhproduzent Europas. Die Geschichte der Schuhfabrik reiht sich ein in 120 Jahre Erfurter Schuhgeschichte, beginnend unter anderem mit den Heimarbeitsaufträgen des Schuhfabrikanten Lingel.
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