Haus voller Kinder: Andrea und Marian Wolff sind seit 17 Jahren Eltern im Albert-Schweitzer-Kinderdorf Erfurt

Kinderdorf-Familie Wolff: Die beiden großen Jungs sind unterwegs, das Baby schläft.
   
Der jüngste Bewohner im Hause Wolff, hier mit Erzieherin Katharina Weber.
Erfurt: Albert-Schweitzer-Kinderdorf |

Ein Haus voller Kinder. So hat sie es am liebsten. Andrea Wolff strahlt, wenn sie ihre Lieben alle um sich hat: Ihren Mann Marian sowieso, die beiden gemeinsamen Söhne Florian (14) und Felix (12), dazu Summer (6), Berfin (6), Samira (5) und Lukas (4), seit kurzem auch den zwei Monate alten Dominyk. Familie Wolff ist komplett. Die Kinderdorf-Familie.

Das 17.Jahr schon sind Andrea und Marian Eltern im Albert-Schweitzer-Kinderdorf am Rande der Landeshauptstadt. "Dass wir das so lange machen, hätte ich nie gedacht", gesteht die Vollzeit-Mama. Ihre Entscheidung hat sie bis heute nie bereut, keine Sekunde lang.

Beide müssen sich einig sein


Dass der Partner eine solche Entscheidung mitträgt, versteht sich von selbst. Die Wolffs sind sich einig, von Anfang an. Sie kann im Hort für ihre Sorgenkinder nicht so da sein, wie sie es möchte. Im Privaten wollen sich die Wunschkinder lange Zeit einfach nicht einstellen. Die Kinderdorf-Idee ist etwas, das sie beide anspricht. Es ist eigentlich keine Frage. "Ja, wir machen das!"

Probleme auf jedem Kinderrücken


Sie sind anfangs nicht die typischen Kinderdorf-Eltern, die normalerweise ihren eigenen Nachwuchs mitbringen. Geplant ist es erst einmal, dass die Wolffs als Anlaufstelle für kurzfristig hier Untergebrachte agieren. Doch bald kommt es anders, sie starten als Familie mit vier Pflegekindern. Keine einfache Zeit, ihre ersten Zöglinge sind 10,12, 14 und 17 Jahre alt. Jeder von ihnen hat so viel erlebt, dass es für mehr als ein Leben reicht. Rucksackweise Probleme, auf jedem Kinderrücken. Der Start ist nicht einfach, doch die Wolffs scheinen ein Händchen zu haben für ihre Schützlinge. Jedes der Kinder gehört zur Familie. Wenn eins mal nicht da ist, wird es zwar ein wenig ruhiger im Haus. "Aber dann fehlt einem plötzlich etwas", sagen die Eltern auf Zeit.

Leibliche Eltern sind wichtig


Ganz wichtig ist es ihnen, dass sie trotz aller Fürsorge niemals die leiblichen Eltern ersetzen wollen. "Du kannst die Kinder aufnehmen, dich um sie kümmern, Verantwortung übernehmen. Doch Mutterliebe kann nur die Mutter geben", weiß Andrea Wolff um besonders enge Bindungen. Hier, im Kinderdorf, wird Wert darauf gelegt, dass die Kinder den Kontakt zu den Eltern nicht verlieren. Es gibt Besuche, manchmal betreut, Telefonate, immer wieder Gespräche. Vielleicht ist es ja doch eines Tages möglich, dass ein Kind wieder nach Hause kann. "Je besser das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern ist, um so besser funktioniert das Leben im Kinderdorf", erzählt Andrea Wolff. Ist die Zeit für den Abschied gekommen, ist das auch die Zeit loszulassen. Am Anfang tue das ganz schön weh, erinnert sich Mutter Wolff an die ersten Rückkehrer. Doch mit der Zeit lernen auch die Kinderdorf-Eltern, damit umzugehen. "Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Professionalität und Emotionalität", weiß Marian Wolff um den täglichen Balanceakt.

Stolz auf die große Famile


Er ist stolz auf "seine" Familie. Genau wie seine Frau genießt er es, ein Haus voller Kinder zu haben. Der Familienvater arbeitet in Schichten, widmet sich in seiner Freizeit der fröhlichen Rasselbande. Es läuft gut im Torhof, wie das Wolffsche Haus im Kinderdorf heißt. "Wir haben eine gute Mischung", nickt Andrea Wolff. Die Kleinen sind keine Rabauken und gehen sehr liebevoll miteinander um. Bei Florian und Felix wecken die Vier Beschützerinstinkte. Große Brüder eben. Und das Baby hält sie alle auf Trab, hat zu den ungewöhnlichsten Zeiten Hunger und Lust auf Unterhaltung. Wenn es noch wärmer wird, sind sie alle wieder ganz oft draußen. Die Wolffs und alle, die nicht so heißen und trotzdem zur Familie gehören, lieben es, dort zu spielen, gemeinam zu essen. Am Wochenende geht es auch mal weiter weg, in den Zoo, auf die ega. "Was da wohl manchmal die Leute denken, wenn wir alle zusammen ankommen", lacht Andrea.

Durchatmen und weiter geht es


Wenn sie und Marian ein kinderfreies Wochenende haben oder aber einmal im Jahr ohne die gesamte Kinderschar Urlaub machen, genießen sie es durchzuatmen. Doch in Gedanken sind sie immer auch ein wenig bei "ihren" Kleinen. Sie können es dann kaum erwarten, dass die Familie wieder komplett ist.





Tagesablauf für Andrea Wolff an einem ganz normalen Wochentag:




- 5.45 Uhr Aufstehen (im Moment nach einer fast immer unruhigen Nacht, in der das Baby mehrfach versorgt werden muss)

- 6.15 Uhr Wecken der beiden Schulkinder

- 6.45 Uhr Wecken der vier Kindergartenkinder, Verabschieden der Schulkinder, viermal Kinder waschen, anziehen, die Haare der Mädchen fein machen, nebenbei das Baby anziehen

- 7.30 Uhr Die vier Kleinen in den Kindergarten fahren, dabei das Baby für die Fahrt vorbereiten und mitnehmen

8.15 Uhr Dem Kleinen die Flasche geben, ihn wickeln, ihn mit der Vojta-Therapie sanft unterstützen

- 10 Uhr Dienstberatung oder Erstellen von Dienstplänen, Schreiben von Berichten über die Entwicklung jedes Kindes, Organisation der einzelnen Besuchskontakte, Haushalt


- 12 Uhr Mittagessen für das Baby, falls es wie fast immer nicht schlafen kann: eine große Runde mit dem Kinderwagen fahren

- ab 13 Uhr kommen die Schulkinder nach Hause, mit ihnen wird der Schultag besprochen, dann geht es an die Hausaufgaben und die Musikinstrumente, an manchen Tagen auch zur Musikschule


- 14 Uhr für Andrea Wolff oder eine Erzieherin: Fahrt zum Kindergarten, um die vier Kleinen abzuholen

- 15 Uhr gemeinsames Kaffeetrinken zu Hause mit jeder Menge Erzählungen vom Kindergartentag

- 15.30 Uhr alle Kinder anziehen, um gemeinsam hinaus zu gehen zum Spielen und Spazieren

- zwischen 17 und 17.30 Uhr sind alle wieder zu Hause, dann beginnen die Vorbereitungen für das Abendessen, die Ranzen werden gepackt, Schulbrote geschmiert, alle Kinder duschen, gemeinsam wird der Tisch gedeckt

- spätestens um 18.30 Uhr gibt es am großen Familientisch Abendbrot

- anschließend wird gemeinsam abgeräumt, dann ist Zeit für den Sandmann

- 19 Uhr gibt es für alle Kinder eine Vorlese-Geschichte

- zwischen 19.15 und 19.45 Uhr gehen die Kleinen ins Bett, auch die beiden Größeren folgen bald
- Es kehrt Ruhe ein. Bis sich das Baby wieder meldet...
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1 Kommentar
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Birgit Muncke aus Gera | 14.04.2014 | 11:22  
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