Herz auf dem rechten Fleck

Uwe Transchel vor dem Eingang zur Kapelle
 
Die Gustav-Adolf-Kapelle
Beinahe wäre sie verloren gewesen. Entweder an einen Käufer oder sie wäre endgültig dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Schließlich war die Gustav-Adolf-Kapelle in Witterda schon jahrelang gesperrt, die kleine evangelische Kirche drohte einzustürzen. Als Uwe Transchel mit seiner Frau vor 15 Jahren hierher zog, kannte er die Kapelle gar nicht. Heftiger Wildwuchs hatte sie wie ein Dornröschenschloss hinter undurchdringbarem Heckengrün unsichtbar werden lassen. Doch ein Hilferuf vom Pfarrer ließ ihn hellhörig werden. „Wie mussten uns erst einmal durch eine grüne Hölle kämpfen“, erinnert sich Uwe Transchel an die erste Begegnung mit dem Bauwerk. Auch hinter dem Grün sah es nicht gut aus: die innere Schale war längst heruntergefallen, im Mauerwerk klafften faustgroße Löcher, der Sandstein war gerissen, der zweite Bogen kurz vor dem Einstürzen, ein Fundament fast nicht vorhanden...

Und doch, irgendwie berührte der traurige Anblick Uwe Transchels Herz. Bald schon beschlossen er und ein alter Schulfreund: Die Kirche darf nicht verkauft werden, sie hat es verdient, gerettet zu werden. Es dauerte nicht lange, und die Männer gründeten mit Gleichgesinnten einen Förderverein. Der hatte sich eine Menge vorgenommen, immerhin sollten laut Schätzung die Sanierungsarbeiten rund 1,2 Millionen D-Mark kosten... Heute erstrahlt die Kirche in neuem Glanz, man trifft sich zu Gottesdiensten, Hochzeiten, Vorträgen und anderen Anlässen.

Es war ein langer Weg hierher, der nicht nur viele Jahre, sondern unglaubliches Engagement und jede Menge Energie gekostet hat. Nachdem die ersten Förderanträge abgelehnt wurden, musste Uwe Transchel Klinken putzen. Er fand Verbündete. Später gab es immer wieder einmal zugebilligte Mittel. Kleckerweise. Ohne die vielen kleinen Firmen und Einrichtungen, die ebenso ihr Herz für das ehrgeizige Projekt entdeckten und geholfen haben, wäre alles nicht so gut vorwärts gegangen.

„Was wir hier geschafft haben, ist ein Werk von vielen, sozusagen ein ökumenisches“, ist der Vereinsvorsitzende sichtlich stolz: Es gab für die evangelischen Witterdaer – im Dorf die Minderheit – auch ganz viel Unterstützung von den Katholiken, ebenso von Menschen, die keiner Glaubensrichtung angehören. Zählen kann Uwe Transchel die Stunden nicht, die er in den vergangenen Jahren auf der Baustelle verbracht hat. Und immer wieder musste er seine Ungeduld zügeln. Dann, wenn es wegen fehlender Mittel wieder einmal nicht voran ging oder weitere Baumängel zum Vorschein kamen. „Doch wir haben gelernt, kleine Brötchen zu backen.

Dass es letztlich bis vor drei Jahren gedauert hat, bis alles so gut wie fertig war, hätten er und die anderen anfangs nie für möglich gehalten. Ans Aufgeben hat er trotzdem nie gedacht. Das einmal entflammte Herz brennt weiter. Für die kleine Kapelle, für alles, was mit ihr zusammenhängt. Und wenn ihn einer der Witterdaer auf der Straße anspricht und ihm und den vielen fleißigen Helfern Lob zollt für das, was sie geschafft haben, weiß Uwe Transchel, dass der Weg der richtige war. Längst schon ist er nicht mehr der Zugezogene. Sondern ein echter Witterdaer. Einer mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.11.2012 | 06:20  
Helke Floeckner aus Erfurt | 19.11.2012 | 16:04  
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