Hildemar sammelt Beutel aus aller Welt und stellt sie aus

Hildemar mit zwei Sammlerstücken.
 
Gestapeltes Sammelsurium.
"Hildemar", wie er sich selbst nennt", ist ein großer Liebhaber von Beuteln. Die bringt er von überall her mit, auch seine Freunde bedenken ihn mit beutelhaften Mitbringseln. Nun hat er sein Sammelsurium zu einer Ausstellung gemacht, die im "Speicher" in Erfurt zu sehen ist.


So viele verschiedene Beutel



Es gibt Stoffbeutel, Cellophanbeutel, Teebeutel, Farbbeutel, Kochbeutel, Kühlbeutel, Herzbeutel, Jutebeutel, Tabakbeutel, Beuteltiere, Dederonbeutel, Wäschebeutel, Spuckbeutel und noch ganz viele mehr. Hildemar hat eine lange Liste davon. Mehr noch als Bezeichnungen zusammenzutragen, sind die Beutel selbst Objekt seiner Begierde. Ob sein geliebter Beutel, der ihn in seiner Jugend fünf Jahre lang treu begleitete, dafür verantwortlich zeichnet, ist nicht verbürgt. Zu Hildemars Armeezeit hatte er als Transportmittel für den in die Kaserne geschmuggelten Weinbrand gedient. Doch der ging zu Bruch und zerschnitt das gute Stück. Ausgebeutelt.

Kurios, skurril, kitschig



Würde ihm das heute passieren, hätte er sofort Ersatz parat. Hildemar sammelt Beutel. „Das hat sich so ergeben, im Laufe der Jahre ist eine große Sammlung gewachsen“, erzählt der Berliner, den freundschaftliche Bande regelmäßig nach Erfurt führen. Er bringt die guten Stücke aus den unterschiedlichsten Materialien mit von seinen Reisen, hat sie von Ausstellungen, Museen, aus Ladenketten, von Freunden. Manche sind echte Hingucker, dezent oder schreiend bunt, kurios und absurd, manche kunstvoll gestaltet, andere herrlich kitschig. Wenn Hildemar ab und zu mit einem seiner liebsten Beutel - gelbweiß kariert mit Gänsen drauf - unterwegs ist, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. „Ich hänge eben an dem Stück, ein Mitbringsel aus Italien“, sagt er und lacht. Auch der Beutel aus Portugal ist herrlich, mit extra Faltanleitung. Oder die Plastetüte aus DDR-Zeit mit dem Volkspolizisten drauf. Die typischen Transportmittel für Alkohol in Schweden und Finnland, von denen jeder weiß, was sie beinhalten, dürfen auch nicht fehlen.

Nun dürfen alle teilhaben



Seine Leidenschaft für Beutel hat der Berliner nun zu einer Ausstellung werden lassen. Nach dem Auftakt in Berlin zeigt er sie nun in Erfurt. „Ich kann mir gut vorstellen, das auch noch woanders zu tun. Allerdings muss ich einen Bezug dazu haben, wie hier in Erfurt“, denkt er ein wenig über weitere Ausstellungsorte nach.

Beutel tragen Erinnerungen und Botschaften



Für Hildemar sind Beutel nicht einfach nur Transportmittel, sondern auch Träger von Erinnerungen, Botschaften, Werbung, Sehnsucht, Ideologie. Zu jedem seiner Beutel weiß Hildemar eine Geschichte zu erzählen, zu jedem hat er einen Kommentar aufgeschrieben. Meist sind das eigene Texte vom Gedicht bis zum skizzierten Traum oder auch mal die Lebensphilosophie seiner Großmutter. „Man kann das Ganze durchaus etwas ironisch sehen“, nimmt er seinem Ansinnen den tierischen Ernst. Er findet es total witzig, ein bisschen schräg sogar, Beutel auszustellen und dazu Geschichten zu erzählen. Seine Ausstellung soll einfach Spaß machen.


Wissenswertes:

Der Beutel



Man findet bei Wikipedia eine Auslassung darüber, dass der Begriff „Beutel“ als Oberbegriff und Synonym für Tüten und Säcke verwendet werden kann. Ein Beutel ist ein hohler, dünnwändiger, leicht verformbarer Gegenstand, der zur Aufnahme von anderen Gegenständen geeignet ist. Der Begriff stammt ab vom mittelhochdeutschen „Biutel“, was (Geld)Tasche und Beutelsieb bedeutet. Althochdeutsch heißt es „butil“. 1853 entstand die erste Fabrik zur Herstellung von Spitztüten aus Papier in Allendorf, und mit der Konstruktion der Klotzbodenbeutelmaschine 1901 wurden rechteckige Formen mit flachem Boden möglich.

Die Ausstellung



Die Ausstellung „Beute(l) - ein spielentscheidender Beitrag zu Nichts“ ist bis zum 1. März im „Speicher“ in der Waagegasse 2 in Erfurt zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags ab 15 Uhr, an den Wochenenden ab 14 Uhr.

Der Künstler



Hildemar, wie er sich selbst nennt, wurde 1964 im Spreewald geboren. Nach Abitur und Armeezeit studierte er ein Jahr lang Medizin, wurde später diplomierter Kulturwissenschaftler. Hildemar ist verheiratet und hat zwei Kinder, er lebt und arbeitet in Berlin und veranstaltet unter anderem Konzerte, Ausstellungen und Lesungen.
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