Ich glaub', ich steh' im Wald! Horst Sproßmann von der Landesforstanstalt ist Thüringens bester Pressesprecher

Mein Freund, der Baum - Dr. Horst Sproßmann, Pressesprecher von ThüringenForst, ist nur selten auf dem Holzweg.
Erfurt: ... | Auerhahnaufzucht, Waldbrandgefahr, Holzverkauf – Journalisten haben viele Fragen an die Landesforstanstalt, die unter anderem für die Bewirtschaftung von 200.000 Hektar Thüringer Staatswald zuständig ist. Auf Antwort müssen sie im Regelfall nicht lange warten. Dafür sorgt Sprecher Dr. Horst Sproßmann. Die Landespressekonferenz bestimmte ihn nun in geheimer Abstimmung zum Träger von „Der kurze Draht“ und würdigte Sproßmann damit als besten Pressesprecher Thüringens.
Grund für AA-Reporterin Jana Scheiding, mit einem schrägen Interview ein wenig auf Holz zu klopfen.

Aus welchem Holz sind Sie geschnitzt?
Aus einem ehrlichen, verlässlichen, soliden Holz. Ein Holz, das nicht gleich bricht, wenn es beansprucht wird.

Dann zittern Sie wahrscheinlich selten wie Espenlaub?
Ich nehme das Leben einfach nicht so ernst, um Furcht zu empfinden. Außerdem bin ich in der Kirche und vertraue auf Gott.

Im Kirchengestühl können Sie ja auf Holz klopfen...
Nicht nur dort. Ich klopfe zum Beispiel auf Holz, wenn mich etwas unerwartet Positives ereilt, wie die Auszeichnung "Der kurze Draht".

Da waren die Kollegen bei der Wahl nicht auf dem Holzweg. Gehen Sie dort manchmal spazieren?
Ja, aber nur ein kurzes Stück. Ich glaube, wenn ich andere Menschen von etwas überzeugen will, muss ich ihnen die nötige Zeit einräumen und mich nicht gleich auf dem Holzweg wähnen, wenn sie nicht sofort Feuer und Flamme sind.

Apropos Feuer und Flamme: Für wen würden Sie die Kastanien aus denselben holen?
Für Familie, Freunde und den einen oder anderen Waldschrat.

Der hoffentlich nichts auf dem Kerbholz hat. Wie ist das bei Ihnen?
Ob Sie es glauben oder nicht, ich bin ein unbeschriebenes Blatt. Ich war ein braves Kind - meine Mutter würde mit Sicherheit nichts Anderes sagen.

Also sind Sie niemand, dem man Zunder geben muss. Mit wem würden Sie das gern tun?
Mit denen, die sich am Wald vergreifen. Die mit Autos und Motorrädern durch die Kulturen rasen, ihren Müll hinterlassen. Ja, denen würde ich gern Zunder geben - aber nicht nur im Bereich der 25 Euro-Ordnungswidrigkeit.


Da ist mit Ihnen also nicht gut Kirschen essen...
Stimmt. Wenn ich hungrig bin, sowieso nicht. Ansonsten bin ich ein sehr verträglicher Mensch.

Der schon einmal jemandem auf den Leim gegangen ist?
Beruflich noch nie, privat ja. Ich restauriere Oldtimer und bin einem Händler auf den Leim gegangen. Hatte bezahlt, aber die Leistung nie erhalten. Aus solchen Fehlern lernt man. Vertrauen ist gut, aber nicht immer.

Wem vertrauen Sie so sehr, dass Sie mit ihm durch dick und dünn gehen?
Meiner Frau.

Da kann es passieren, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Wann ergeht es Ihnen so?
Immer dann, wenn der Revierförster nicht durchforstet, also den Wald nicht ausreichend gepflegt hat. Es ist geregelt, wie viele Zukunftsbäume auf einer bestimmten Fläche stehen dürfen. Wenn es zu viele sind, sieht der Fachmann den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wir haben zwar in Thüringen kaum Palmen, aber was treibt Sie auf die Baumspitze?
Mit 56 Jahren bin ich aus dem Alter raus, Palmen oder Bäume zu erklettern, und sei es auch nur im übertragenen Sinn. Mit zunehmendem Alter wird man ruhiger, ist nicht so schnell aufgebracht. Das Alter wird ja oft als Pest dargestellt, die einen ereilt. Ich sehe das nicht so. Zum Alter gehört auch eine herrliche Souveränität. Für mich ein gewaltiges Stück Lebensqualität.

Apropos Alter: Wenn Sie unter dem Baum der Erkenntnis stünden - welche Früchte würden Sie essen?
Die hartschaligen Früchte. Weil ich hinter der Schale die großen Weisheiten vermute, die helfen, das Leben zu verstehen.


Hintergrund: Kleine Kunde der Redewendungen
„Wie Espenlaub zittern“: Die Espe hat rundliche Laubblätter mit langem Blattstiel, weshalb sich die Blätter schon bei geringem Luftzug bewegen.
„Auf Holz klopfen“: Heute wünscht man jemandem Glück, früher hing das Leben davon ab. Seefahrer oder Bergarbeiter klopften auf Holzbalken, um die Standfestigkeit zu prüfen.
„Auf dem Holzweg befinden“: Früher war das Wegenetz im Wald schlecht ausgebaut, weshalb viele Menschen auf Irrwege gerieten.
„Etwas auf dem Kerbholz haben“: Auf dem Kerbholz wurden im Mittelalter Schuldverhältnisse fälschungssicher dokumentiert.
„Nicht gut Kirschen essen“: Die Süßkirsche war früher Luxus und gut situierten Leuten vorbehalten. Der Spruch war eine Warnung vor den Launen vornehmer Herrschaften.
„Jemandem auf den Leim gehen“: Gemeint ist der von den Römern hergestellte Mistelbeeren-Leim, der zum Vogelfang diente.
„Jemandem Zunder geben“: Heute gleichzusetzen mit jeder Menge Ärger. Im Ersten Weltkrieg stand der Begriff für feindliches Geschützfeuer. Zunder ist ein Baumschwamm, der schnell brennt.
„Mit jemandem durch dick und dünn gehen“: Man begleitete jemanden durch dicht bewaldetes Gelände, wo hinter jedem Baum Räuber und Strauchdiebe lauerten.
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4 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 24.07.2016 | 10:55  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 05.08.2016 | 16:10  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 08.08.2016 | 14:42  
13.084
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 08.08.2016 | 16:06  
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