„Ich war froh, wieder gute Arbeit zu haben.“

Arnstädter Wirtschaftsfrühling eröffnete für älteren Quereinsteiger neue Beschäftigung

Nadine Sölch war skeptisch. Die Personalleiterin vom Arnstädter Unternehmen Sauels Schinken GmbH & Co. KG hatte schon
einige Messen besucht und der Erfolg war gemischt. Dennoch wagte sie den Schritt und nahm im April zum ersten Mal am Arnstädter Wirtschaftsfrühling der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und der Stadt Arnstadt teil. „Es war eine gute Entscheidung, sich zu präsentieren. So haben wir Frank Hecht kennengelernt“, sagt Sölch.
Der gelernte Fahrzeugschlosser wurde zum 1. Juni als Schichtleiter Verpackung eingestellt. „Die Messe war sehr effektiv. Alle wichtigen Firmen waren präsent und ich konnte die Unternehmen direkt ansprechen und nachfragen, welche Stellen sie anzubieten haben. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass ich mal in einem fleischverarbeitenden Betrieb arbeiten würde“, sagt Hecht. Er hatte 30 Jahre in der Wasserwirtschaft gearbeitet und keine Erfahrungen in der Lebensmittelbranche. „Ich war froh, wieder gute Arbeit zu haben. Hier kümmere ich mich genauso um Technik wie vorher. Es sind zwar andere Geräte, doch ich kann mich in die neuen Funktionsweisen und Abläufe reindenken“, sagt Hecht.
Der neue Schichtleiter ist 52 Jahre alt. „Die Erfahrung ist viel wert – gerade bei Führungskräften. Wenn Menschen körperlich belastbar sind, ist das Alter kein Hindernis. Durch den hohen Technisierungsgrad können wir die Arbeit erleichtern“, sagt die Personalleiterin.

Im Ilm-Kreis sind fast 40 Prozent aller Arbeitslosen 50 Jahre und älter. „In Zeiten rückläufiger Fachkräfte sind auch Berufserfahrene noch viele Jahre eine sichere Fachkraft. Unternehmen sollten bewusst auf die Kompetenz und Erfahrung setzen, schließlich sind Ältere in stressigen Situationen souveräner und reagieren besonnener“, sagt Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt. Sie freute sich über die Einstellung: „Messen wie unser Wirtschaftsfrühling bieten die Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme zum Unternehmen. Hier können Bewerber durch ihr Auftreten und ihr Interesse punkten – beides ist schwer in einer Bewerbungsmappe darstellbar.“

Neben Älteren setzt Sauels auch auf Nachwuchs. So sind noch Ausbildungsplätze zum Maschinen- und Anlagenführer frei. Meist wird noch das dritte Jahr zur Fachkraft – Lebensmitteltechnik angeschlossen. „Früher haben wir Auswahltests durchführen müssen, um aus der Vielzahl der Bewerber die passenden Azubis für uns zu finden, doch das hat sich dramatisch gedreht. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Azubis zu finden“, sagt Sölch. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss, körperliche Belastbarkeit und Engagement. Auch Jugendlichen mit schwächeren schulischen Leistungen erhielten eine Chance, wenn die Einstellung stimmt und würden mit ausbildungsbegleitenden Hilfen unterstützt.

Ob sie erneut am Wirtschaftsfrühling teilnehmen würde?
„Das gute an diesen Messen ist, dass die Bewerbungen im Nachgang qualitativ hochwertiger sind und eine höhere Einstellungswahrscheinlichkeit besteht“, sagt Sölch. Die Bewerber lernen das Unternehmen auf der Messe kennen und haben Gelegenheit, mit den Firmenvertretern direkt Inhalte und Anforderungen der Stellen zu besprechen. Durch diese zusätzlichen Informationen können sich Bewerber gezielter entscheiden, ob und auf welche Stelle sie sich bewerben.
Der Arnstädter Wirtschaftsfrühling wurde am 14. April von der Agentur für Arbeit Arnstadt, dem Jobcenter Ilm-Kreis und der Stadt Arnstadt organisiert. Interessierte können sich den Termin für 2013 bereits vormerken: 6. April in der Stadthalle Arnstadt!


Hintergrund Ausbildungsmarkt
21 Ausbildungsstellen sind im Ilm-Kreis in der Lebensmittelproduktion gemeldet. Im Juli waren noch 11 davon offen. Sieben Jugendliche suchten eine Ausbildung, alle haben ihren Lehrvertrag unterschrieben. Ähnlich sieht es aus im Verkauf von Lebensmitteln: 22 Ausbildungsplätze für Fachverkäufer-Lebensmittel boten Unternehmen im Ilm-Kreis an. 14 Davon sind im Juli noch unbesetzt. Sechs Jugendliche zeigten Interesse an diesem Ausbildungsberuf.

Hintergrund Lebensmittelbranche
1.073 Menschen waren im Ilm-Kreis im September 2011 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Zahl ist seit einigen Jahren stabil. Der Personalbedarf in der Lebensmittelbranche im Ilm-Kreis nimmt zu. So wurden im ersten Halbjahr 2012 47 Arbeitsstellen in der Lebensmittelproduktion im Ilm-Kreis gemeldet. Vor zwei Jahren waren es im gleichen Zeitraum 20.
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