Kampf um die Kirche

 
Ortschronist Achim Siegel, Friedemann Boelicke (Mitglied Gemeindekirchenrat und Leiter des Bauausschusses), Egon Weidenweber (Mitglied GKR und Mitglied Bauausschuss) und Dr. Klaus-Dieter Töpfer (Vorsitzender des Fördervereins) besprechen die nächsten Maßnahmen.
Die weiße Phase ist vorbei. Gott sei Dank. ­Obwohl der Dank eher anderen ­gebührt... Im 19. Jahrhundert wurden Wände und Decke der St.-Dionysius-Kirche in Salomonsborn weiß getüncht, Kirchenbesucher sollten ihre Gedanken wohl auf das ­Wesentliche konzentrieren. Bei der dringend notwendigen Sanierung von Dachstuhl und Deckengewölbe im Frühjahr 2009 kamen unter dem Weiß plötzlich gemalte Engel zum Vorschein. „Davon wollten wir mehr sehen“, erinnert sich Friedemann Boelicke an den überraschenden Anblick. Er gehört zum rührigen Förderverein der Kirche, die eine solche Hilfe dringend nötig hat. Die weiße Farbe wurde mühsam mit dem Skalpell abgetragen. Dank eines ­Restaurators war nach 110 Tagen das Deckengemälde wiederhergestellt.

Doch das war nur eine kleinere Baustelle im Gegensatz zu dem, was hier außerdem zu bewältigen ist. Das zu ­schwere Dach hatte die tragenden Mauern über die Jahre ausein­andergetrieben, es bestand Einsturzgefahr. Seit dem Einzug einer provisorischen Zwischendecke vor fünf Jahren ist diese gebannt. Ein Jahr später konnte in einer aufwändigen Aktion der neue Dachstuhl gesetzt werden. Auch von außen sieht man der Kirche die Verjüngungskur an: der Turm ist restauriert, die Fassade präsentiert sich neu verputzt und gestrichen. Mit den ­Arbeiten am Fußboden konnte inzwischen angefangen werden, die äußeren Fenster kommen bald an die Reihe. Die Sitz­bänke bedürfen einer dringenden Aufarbeitung, auch sonst steht noch jede Menge Arbeit ins Haus.


Im vergangenen Jahr hat der Förderverein damit begonnen, den Altar zu restaurieren. Nun gehen die ­Arbeiten Stück für Stück voran. Wenn alles gutgeht, kann sich der Altar im nächsten Jahr von seiner neuen Seite zeigen. Ein Riesenprojekt, wissen die Insider. Um mit den Arbeiten überhaupt beginnen zu können, startete der Förderverein eine Spendenaktion. 12 000 Euro sind so zusammengekommen. Immer wieder ist es ein Kampf, beim Kirchenkreis und dem Landesamt für Denkmalpflege Gehör und Unterstützung zu finden. Bei den größeren Fördertöpfen ging die Salomonsborner Kirche leer aus.


Unterkriegen lässt sich davon keiner. Ungezählt sind die Stunden, die die Helfer vom Verein in das ehrgeizige Projekt investiert haben. In Salomonsborn packt man mit an, selbst dann, wenn man nichts mit der Kirche am Hut hat. Der eine gibt etwas von dem, was er hat, der andere stellt seine Handwerkerleistung zur Verfügung, ohne eine Rechnung zu verlangen. „Es ist unglaublich, was hier an Eigenleistung vom Verein gebracht wird und wie die Salomonsborner mit uns an einem Strang ziehen und auch spenden“, strahlt der ehrenamtliche Bauleiter Friedemann Boelicke und gesteht: „Das baut uns immer wieder auf, das bereitet uns unwahrscheinliche Freude!“


Doch allein auf diesem Weg ist das alles nicht zu schaffen. Noch muss eine Menge getan werden, um die inzwischen denkmalgeschützte Kirche zu einem Schmuckstück werden zu lassen. Eine Viertelmillion Euro sind dafür nötig. Und da redet noch keiner davon, die ausgelagerte Orgel zu reparieren und wieder einzubauen. Oder davon, dass die Kirche früher drei Glocken hatte und der Zustand wiederhergestellt werden müsste.
 Der Förderverein hofft weiter auf tatkräftige Unterstützung. Mit einer neuen Idee will er auch über Grenzen hinaus auf das Schicksal von St. Dionysius aufmerksam machen: Es werden Bittbriefe verschickt. Schließlich hatte einst Europa beim Bau der Kirche mitgeholfen. Vielleicht hilft Europa ja nun auch beim Restaurieren? Bei einem Besuch der kleinen Barockirche kann man sich davon berichten lassen und sich überzeugen, wie sie immer mehr zu neuen Glanz gelangt.

WISSENSWERTES:
• Die Grundsteinlegung für die St. Dionysius-Kirche Salomonsborn erfolgte 1738.
• 1747 wurde die Kirche eingeweiht.
• Ende 2006 wurde das Kirchenschiff wegen Einsturzgefahr für die Benutzung gesperrt.
• Seit Pfingsten 2008 ist das Kirchenschiff wieder nutzbar.
• Der Förderverein „St. Dionysius-Kirche Salomonsborn e.V.“ wurde 1997 gegründet. Er kümmert sich um Renovierung, Instandhaltung und Verschönerung der Kirche als kulturhistorisches und denkmalgeschütztes Allgemeingut.
• Weitere Informationen: www.foerderverein-kirche-salomonsborn.de
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