Karikaturist Gottfried Langelotz hat den Schalk im Nacken

Gottfried Langelotz an seinem 80. Geburtstag
 
So untertitelte Gottfried Langelotz seine Zeichnung: Reifeprüfung: "Die wollten wissen, wer Langelotz ist. Da habe ich gesagt: Lest das Interview im Allgemeinen Anzeiger von Helke Floeckner!" (Foto: Gottfried Langelotz)
Man sieht es ihm an - er hat den Schalk im Nacken! Gottfried Langelotz zeichnet auch als mittlerweile 80-Jähriger mit Begeisterung feinsinnige Karikaturen.


Woran erkennt man einen echten Langelotz? An der Nase. Gottfried Langelotz greift sich an selbige und lacht. Natürlich meint er nicht die eigene, sondern jene, die er so gern anderen verpasst. Auf dem Papier. Die meisten seiner Figuren haben wirklich unverkennbare Riechkolben - dick und rund. Dazu gern auch lange Füße und knubbelige Kniegelenke. "Das hat sich einfach so ergeben", erinnert sich der Erfurter an die ersten Karikaturen, die schon während des Studiums ganz nebenbei aus seinem Zeichenstift flossen. Das ist ein paar Jahre her, Gottfried Langelotz hat gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert.


Die Lust am Karikieren ist bis heute ungebrochen, inzwischen sind es weit mehr als eintausend Bilder, die er zeichnete. Immer nebenbei, als Hobby. Zur Beruhigung des Vaters, der in Erfurt ein bekannter Fleischermeister war, hatte sich der junge Gottfried mit der Maurerlehre für einen handfesten Beruf entschieden, später studierte er Architektur, arbeitete im Bauwesen, nach der Wende zehn Jahre lang als Oberregierungsbaurat im Landtag. Dabei wäre er so gern Schauspieler geworden. Bestimmt hätte man ihn bevorzugt für komische Rollen besetzt. Noch heute sitzt ihm der Schalk nicht nur im Nacken, er blitzt genauso aus den hellwachen Augen und bricht sich immerzu Bahn, wenn Gottfried Langelotz Witze erzählt oder einen seiner liebevoll-ironischen, klugen Sprüche in die Runde wirft.

Niemals verletzend


Liebevoll und wunderbar ironisch sind auch seine Karikaturen, feinsinnig und nie verletzend. "Es muss nicht immer Bum-Bum machen, es reicht ein Bim-Bim", ist er auch als Zeichner kein Haudrauf. "Ich mag überhaupt keine Bösartigkeiten, eher die kleinen, feinen Spitzen", erklärt Langelotz seine Art, aus einer Idee eine Karikatur zu machen. Auch andere haben schon früh das besondere Talent des Architekten erkannt, seine witzigen Bilder sind über die Jahre in rund 20 verschiedenen Zeitungstiteln erschienen, auch das Satireblatt "Eulenspiegel" veröffentlichte gern die Langelotzschen Ergüsse. Hinzu kamen ungezählte Ausstellungen, zwei eigene Bücher. Auch heute sind die Zeichnungen des Hobby-Karikaturisten gefragt, sie sind regelmäßig im Seniorenmagazin "60plusminus" zu sehen.


Wirklich politisch sind seine Bilder eher nicht, es ist neben diversen Gegebenheiten, mit denen er ringsherum nicht einverstanden ist, vor allem das Zwischenmenschliche, das in seinen Zeichnungen stattfindet. Dabei wird er nie beleidigend oder derb, seine Kunst soll dem Betrachter Spaß machen. Jetzt, mit 80 Jahren, hat Gottfried Langlotz noch immer den Kopf voller Ideen, sie nehmen kein Ende. "Ich bin froh, dass es mir einigermaßen gut geht", sagt er und fügt mit seinem typischen verschmitzten Lächeln hinzu: "Die 100 Meter allerdings laufe ich nicht mehr so schnell wie früher!" Am liebsten würde er den ganzen Tag an seinem Schreibtisch sitzen und neue Bilder zeichnen. Manchmal auch malen oder etwas schreiben, das kann er genauso gut. Aber man müsse eben auch andere Dinge tun. Obwohl seine Frau, seine größte Stütze und die wichtigste Person, wie er sagt, immer für ihn da ist, ihm den Rücken freihält, Verständnis hat und so vieles im Haushalt erledigt. Als nächstes, so denkt er laut nach, möchte er vielleicht eine witzige Märchenserie zeichnen. Ob da wohl das Rotkäppchen die typische Langelotz-Nase bekommt...?




Zur Person:


Gottfried Langelotz wurde 1936 als Sohn eines Fleischermeisters geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Maurerlehre, anschließend studierte er in Weimar Architektur und Bauwesen. Er arbeitete in der Hochbauprojektierung, im Bezirksbauamt und in einem Ingenieurbüro. Nach der Wende wechselte er in den Thüringer Landtag, war dort Baurat und Leiter des Referats Bauangelegenheiten. Seine Karikaturen erschienen in mehr als 20 Zeitungstiteln sowie in seinen Büchern "Die Baubude" und "Kunststücke" und waren in etlichen Ausstellungen zu sehen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige