Kick auf Ketten - Panzerfahrt in Königsee

Dröhnt der Motor, verständigt man sich mittels Kopfhörer und Kehlkopfmikrofon.
Wie schiebt man 14 Tonnen Stahl durchs Gelände? Mit 300 PS und viel Gefühl, sagt AA-Redakteurin Sibylle Reinhardt nach der Fahrt mit einem Panzer.

Für Eitelkeiten ist kein Platz. Entschlossen stülpe ich die runde Kopfhaube über. Ein tarngrünes, gepolstertes Ding, das mir etwas Teletubbie- Charme verleiht. Und das − dank integriertem Kopfhörer und Kehlkopfmikrofon − für die nächste halbe Stunde den sprachlichen Kontakt zur Außenwelt ermöglicht. Kurzer Hörtest und ab in die Fahrerluke des Schützenpanzers BMP 1. Der Blick nach unten führt zu Kupplung, Bremse und Gas. Eine Anordnung wie bei jedem normalen Auto. Das beruhigt. Es kann losgehen.

Seit anderthalb Jahren bietet Lars Truckenbrodt mit seiner Firma und interessierten Technikfreunden "Panzerfahrten für jedermann" an. Stück für Stück ließen sie im Gewerbepark Königsee im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt einen Spezialparcours entstehen. Erhebungen wurden aufgeschüttet, Wälle begrünt, rund 700 Bäume gepflanzt. Ein idealer Abenteuerspielplatz für tonnenschwere Technik.

Der Motor im BMP 1 dröhnt. Ich betrachte Ölstandsanzeigen, Drehzahlmesser und die schmalen Spiegelschlitze. Wie beklemmend wäre wohl das Gefühl, würde jetzt die Luke geschlossen? Sie wird es nicht. Zum Glück. Erleichtert stecke ich den Kopf wieder heraus. Gefahren wird mit "Ausguck". Jetzt Kupplung treten und den zweiten Gang einlegen. Das habe ich mir aus der Einweisung zu Beginn gemerkt. Auch, dass man gefühlvoll lenken soll, damit keine Kette blockiert. Der Fuß drückt aufs Gaspedal. Behäbig setzt sich der Koloss in Gang. "Nicht so zaghaft", ermutigt Lars Truckenbrodt vom Platz des Kommandanten aus.

Ich spüre die enorme Motorkraft. 300 PS bewegen 14 Tonnen Stahl. Bis zu 65 Stundenkilometer sind möglich. Im Parcours schaffe ich maximal 30. Wenn überhaupt. Und doch verlangt dieses Monstrum absolute Konzentration. Es geht über Hügel, um Kurven, durch Schlammlöcher. Ein starker Anstieg − und ich sehe nur noch Himmel. Sicher, ein Panzer kippt nicht gleich um. Aber mulmig ist mir schon. Fast vergesse ich, Gas zu geben. Letzteres geschieht ohnehin oft etwas ruckartig. Verdammt, ich habe doch sonst mehr Fahrgefühl! Das Holpergelände ist Schuld.

Jetzt bloß keinen Schalter berühren. "Keine Gefahr", beruhigt Truckenbrodt: "Der Panzer ist gemäß dem Kriegswaffenkontrollgesetz demilitarisiert." Ebenso die anderen sechs Fahrzeuge des Fuhrparks. Die Königseer distanzieren sich von Kriegsspielen und Militarismus, wohl wissend, dass Panzer bis heute eine wichtige Waffe der Infanterie sind. Ihnen geht es um die Faszination schwerer Technik. Und die wollen sie vermitteln.

"Ging doch prima", lobt mein Fahrlehrer zum Schluss. Klar. Als Zweitwagen kommt ein Panzer für mich dann aber doch nicht in Frage − schon wegen der Parkprobleme.

Kontakt: Panzerplatz Königsee
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