Klettern im Stammbaum: Ahnenforscher Steffen Iffland hangelt sich von Generation zu Generation

Ahnenforscher Steffen Iffland ist sich sicher: Jede Familie hat ein Geheimnis.
 
Die alten Bücher, verfasst in Sütterlin, sind nicht immer leicht zu lesen.
Nordhausen: Hauptstraße 28 | Was verbindet den größten brasilianischen Elektromotorenhersteller mit dem Eichsfeld? Seine Vorfahren. Steffen Iffland soll Belege dafür liefern. In Kirchenbüchern des Dörfchens Stöckey wird er fündig. Doch beim Urgroßvater des Unternehmers verliert sich nach den Taufdaten die Spur.

Ahnenforschung ist historische Detektivarbeit. Und Steffen Iffland ist ein Meisterdetektiv. Redegewandt und witzig begegnet der Nordhäuser jedem verstaubten Klischee. Es kam schon vor, dass englischer Hochadel bei ihm Daten über einen deutschen Abstammungszweig erfragte. Für zwei südamerikanische Auftraggeber erbrachte er den Nachweis, dass sie in Nazi-Deutschland als Juden verfolgt wurden.

In Ifflands Büro stapeln sich alte Bücher, Zeitungen, Lexika und Chroniken. Da landauf, landab immer mehr historische Daten digitalisiert werden, ist auch das Internet längst eine unverzichtbare Informationsquelle. "Nichts aber ersetzt die Recherche vor Ort", sagt der Experte. In den Kirchenbüchern, verfasst in Sütterlin, sind alle Ereignisse wie Geburt, Taufe und Tod notiert - nur leider nicht immer leicht zu entziffern. "Manchmal war die Feder schlecht, manchmal der Pfarrer ein Schmierfink", sagt Iffland und lacht. Kuckuckskinder erschweren die Arbeit. Um nackten Daten Leben einzuhauchen, folgen Interviews mit Verwandten und Nachfragen in staatlichen Archiven.

Viele Kunden behaupten, ihre Familie sei einst adlig gewesen, musste nur irgendwann aus Geldnot alles veräußern. "Solche Geschichten sind nichts als Legenden", stellt Iffland ernüchternd klar: "Einen Titel kann man nicht verkaufen. Er wird vom König oder Fürst vergeben und nur dieser kann ihn wieder wegnehmen." Selbst Familienwappen, die seit drei Generationen gerahmt an der Wand hängen, sind nicht unbedingt echt. "Gerade im 18. Jahrhundert haben sich viele in der Ahnenforschung versucht", erzählt er. Oft wurden damals Wappen von Familien mit gleichem Namen nachgeahmt und übernommen. Mit der eigenen Familiengeschichte hat das meist wenig zu tun.

Seit elf Jahren folgt Steffen Iffland nicht nur den Spuren der Ahnen, sondern auch den von vermissten Personen. Es gibt Schicksale, die berühren ihn besonders. Wie das jenes Mannes, der von seiner Familie 46 Jahre lang tot geglaubt wurde. Nach der Verhaftung der Eltern am 17. Juni 1953 kam er ins Heim, dann zu Pflegeeltern. Seine kleine Schwester, die im Heim blieb, konnte später zur Mutter zurück. Der Junge sei verstorben, hieß es - bis ihn Steffen Iffland ausfindig machte.

Ein Familientreffen anderer Art ermöglichte er einem 50-Jährigen, der nicht nur endlich seinen leiblichen Vater kennenlernte, sondern gleich auch mehrere Halbgeschwister. Beharrlichkeit führt zum Ziel. Auch im Fall des Unternehmers aus Brasilien. In Hamburg nimmt Steffen Iffland die Spur von dessen Urgroßvater wieder auf. Dank digitalisierter Passagierlisten, die jeden erfassen, der hier zwischen 1850 und 1934 ein Schiff nach Übersee bestiegen hat. Der Urgroßvater trat am 24. Januar 1895 mit dem Dampfschiff Paraguassu die Fahrt zum Hafen Lissabon an. Sein Ziel: Rio de Janeiro. Stöckey grüßt Brasilien. (August 2009)

Zur Person:
- Steffen Iffland (37) arbeitete im Rettungsdienst und im Bestattungswesen, bis er 1998 sein Hobby - die Genealogie - zum Beruf machte.
- Seine Tätigkeitsfelder: Ahnenforschung, Erbenermittlung und Personensuchdienst.
- Der Nordhäuser ist Mitglied in vier Genealogie-Vereinen, so im Herold und in der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung.

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