Netter Nachbar aus Peru - Andreas Wickleder lebte zehn Jahre lang in dem fremden, schönen Land

Fremdes schönes Land. Dennoch liegt vieles im Argen. (Foto: Andreas Wickleder)
 
Eine Einheimische am Fluss. (Foto: Andreas Wickleder)
Erfurt: ... |

Andreas Wickleder ist Aussteiger auf Zeit. Ein Mann, der sich irgendwann im Leben aufmachte, um die Freiheit zu suchen. Am Samstag erzählt er seine spannende Lebensgeschichte bei fokus mental in Erfurt.

Andreas Wickleder ist 31, Single und arbeitet in leitender Funktion bei einem Sozialdienst, als er sich fragt: „Sollte es das in deinem Leben schon gewesen sein?“ 2004 beschließt er, seine Festplatte neu zu bespielen, anderen Lebensvisionen zu folgen. „Indien war mein Traumland, aber dort brauchte man nur Lehrer und Ärzte. Damit konnte ich nicht dienen“, erinnert sich Wickleder. Halb im Spaß bewirbt er sich in Peru – und wird sofort angenommen. Der junge Mann aus Deutschland arbeitet zunächst in sozialen Projekten, später führt er Individualreisende durch das Land.

In den Anden erfrieren die Menschen


„Im peruanischen Winter herrschen an der Küste 12 bis 14 Grad, aber mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit“, erzählt Wickleder. In den Anden ist es kälter. Dort erfrieren die Leute, Kinder sterben an Lungenentzündung. Man kann nicht einfach die Zentralheizung anstellen.“
In Peru leiden viele Menschen unter Identitätsverlust, erzählt Wickleder. „Sie orientieren sich so stark am Westen, dass sie die eigene Kultur und Tradition ablehnen. Es grassiert die Vorstellung: Der junge Weiße hat immer Geld und muss wenig dafür arbeiten. Als erstes kaufen sich die Menschen in den Bergen einen Fernseher – als Fenster zur Welt.“ Perus Küche zählt zu den besten der Welt, sagt Andreas Wickleder. „Laut Kartoffelinstitut in Lima gibt es allein 4000 Kartoffelfamilien. Das Institut schickt Kartoffelläufer in die Berge, damit die neue Sorten entdecken. Jede Neuentdeckung wird eingelagert, damit sie nicht verlorengeht.“

Bildung in Peru ist indiskutabel


Wickleder lebte zehn Jahre in dem 12.000 Kilometer entfernten Land. Jetzt kehrte er mit seiner Frau und zwei Kindern zurück ins Land der Fülle und des Überflusses. „Das Bildungssystem in Peru ist nicht akzeptabel“, begründet er seine Entscheidung. „Für eine Privatschule muss man im Monat pro Kind 2000 Dollar berappen.“
Leben lässt es sich auch in Deutschland. Wickleder sieht sich als Freigeist. „Man sollte nicht zu viel planen, sondern Dinge und Veränderungen annehmen.“ Er arbeitet als Reiseleiter, verkauft Kunsthandwerk und hält Vorträge über sein Leben in Südamerika. Seine Frau hat sich an die deutsche Mentalität schnell gewöhnt. „Du hattest jetzt zehn Jahre lang Abenteuer“, sagte sie zu ihrem Mann. „Jetzt bin ich dran.“

Drei Fragen an Andreas Wickleder:


Reich gegen arm - hatten Sie den berühmten Kulturschock?
Ja, aber nicht in Peru, sondern in Deutschland. Reichtum, Fülle, das schlimmste ist die Verschwendung.

Verzehrt man in Peru wirklich Meerschweinchen?
Perus Küche zählt zu den fünf besten der Welt. Es gibt Seefood, Früchte, Sushi. In den ärmeren Regionen züchtet man Meerschweinchen zum Essen. Sie gelten als Proteinquelle.

Was mag Ihre Frau an den Deutschen?
Die Pünktlichkeit. In Peru ist es üblich, dass man zu einer Verabredung ein bis zwei Stunden zu spät erscheint.
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14 Kommentare
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Katrin Treydte aus Erfurt | 12.11.2014 | 12:24  
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Andreas Wickleder aus Saalfeld | 12.11.2014 | 14:24  
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Hannelore Grünler aus Artern | 12.11.2014 | 20:00  
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Andreas Wickleder aus Saalfeld | 12.11.2014 | 20:06  
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Renate Jung aus Erfurt | 13.11.2014 | 02:37  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 13.11.2014 | 12:15  
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wolfgang teuber aus Jena | 13.11.2014 | 17:36  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 13.11.2014 | 19:50  
7.108
Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 13.11.2014 | 20:08  
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Andreas Wickleder aus Saalfeld | 13.11.2014 | 23:14  
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Renate Jung aus Erfurt | 14.11.2014 | 13:07  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 19.11.2014 | 13:13  
387
wolfgang teuber aus Jena | 19.11.2014 | 18:18  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 19.11.2014 | 20:44  
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